Neu überdacht – Nach dem Austritt aus dem SFCV

Der Schalker Fanclub-Verband (SFCV) ist nicht mehr das Dach aller Fanorganisationen. Zeit auch für den Verein, seine Haltung bezüglich dieses ,,Dachverbands” neu zu überdenken.

Die drei großen Fanorganisationen – Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus e.V., Supporters Club und Ultras Gelsenkirchen – haben den ,,Dachverband” verlassen beziehungsweise ihren Austritt fristgemäß eingereicht. Die Erklärungen waren im Prinzip gleichlautende: Sie fühlten ihre Interessen nicht mehr von dem Fanclubverband vertreten.

Dass der Dachverband nicht mehr immer die Interessen der Mehrheit trifft, hat sich zudem bei der Schalker Jahreshauptversammlung gezeigt. Hier haben 80 Prozent der Mitglieder den Viagogo-Deal abgelehnt, den der SFCV ja – wenn auch mit vorgeblichem Bauchgrimmen – begrüßt hat. Von daher ist es kaum noch verständlich, wenn Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies immer noch darauf besteht, sein einziger Ansprechpartner für Fanbelange sei der SFCV. Der damalige Wunsch Rudi Assauers, dass sich alle Fanorganisationen unter einem Dach, dem Dach SFCV versammeln, ist damit geplatzt.

Dem SFCV sind unstrittig große Verdienste zuzuschreiben: So viele Fanclubs, wie er vertritt, sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Aber er vertritt eben die Interessen der Fanclubs und nicht aller Fans: Die Interessen der Fanclubs und die der eher fanpolitisch orientierten Verbände Supporters Club, UGE und Fan-Initiative gehen auseinander.

Von daher kann für die Zukunft nur gelten, dass die Fanvertretung auf vier Säulen beruht, die nebeneinander stehen und von denen der Fanclubverband eben nur eine ist – und nicht weiterhin eine in herausragender Position, wie es vordem galt. Da der Versuch, den Fanclubverband zu einer Dachorganisation zu entwickeln, nunmehr gescheitert ist, ist der Verein gut beraten, seine Fans anders zu organisieren. Am besten mit einer Organisation, die nicht vorbelastet ist (Chronik dreier Austritte, siehe Kasten).

Insgesamt zeigt sich der SFCV insbesondere mit seinen handelnden Vorständen als nicht einsichtig und nicht reformbereit. Allen Reformaufrufen zum Trotz sind die geforderten Veränderungen bislang ausgeblieben. Es hat verschiedene Versuche gegeben, in einem Fan-Plenum eine neue Organisationsstruktur zu finden, in der die etablierten Fan-Organisationen, organisierte Fanclubs, Schalke-Mitglieder und Nicht-Mitglieder integriert werden können. Der Verein Schalke 04 hat diese Gespräche zunächst begleitet. Inzwischen wurden die Gespräche aber gestoppt, da keine gemeinsame Linie in der Organisationsstruktur erkennbar ist.

Das schreit förmlich nach einem alternativen Dachverband. Dass die meisten Fanclubs dem SFCV noch nicht den Rücken zugedreht haben, ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass der SFCV immer noch ein gehöriges Wort bei der Kartenvergabe mitspricht und diese auch als Druckmittel verwendet. Die Existenz des SFCV ist heute primär über die Kartenvergabe legitimiert.

Die Idee eines alternativen Dachverbands ist somit auch eng verknüpft mit der Frage, ob dieser ebenfalls bei der Kartenvergabe mitsprechen kann. Dies dürfte ein echter ,,Knackpunkt” werden. Die Sonderstellung des SFCV – man muss nicht Vereinsmitglied sein, um über den SFCV Auswärtskarten zu erhalten – gehört dabei ebenfalls auf den Prüfstand.

Dem SFCV steht das satzungsgemäße Recht zu, ein Aufsichtsratsmitglied zu stellen. Auch dieses Recht sollte einem alternativen Dachverband gegeben werden. Das größte Risiko ist sicherlich, dass es zu einer Spaltung der Fan-Szene zwischen SFCV und alternativen Dachverband kommt. Dieses Risiko hat sich allerdings faktisch bereits heute realisiert – vielleicht findet ja auch der SFCV seinen Weg unter ein gemeinsames Dach. Als Gleicher unter Gleichen.

Chronik dreier Austritte
Angefangen hat es ja mit dem Sicherheitspapier. Mit Überraschung haben wir von der Fan-Initiative vernommen, dass wir als scharfe Kritiker des Ganzen auf einmal dabei mitgemacht haben sollen ­ als Mitmachen gilt anscheinend auch schon, wenn man – erfolglos – gegen so ziemlich jeden Punkt des Papiers argumentiert. Das Sicherheitspapier wäre überhaupt noch schlimmer gewesen, wenn sich nicht Peter Peters – dessen Sicherheitsbeauftragter jetzt zum dritten Mal ,,Nacktzelte” hat aufstellen lassen – dafür eingesetzt hätte.

Was durfte sich ein Verband über einen anderen so alles vom SFCV, dem ,,gemeinsamen Dach”, anhören: ,,Da gibt es Fanclubs, die fahren seit 20 Jahren mit zwei Bussen auswärts und hatten noch nie Ärger mit der Polizei. Da sollten sich die Ultras mal Gedanken drüber machen.” Da wünschen wir fairerweise noch immer keinem ein unbegründetes Stadionverbot an den Hals – ist ja anscheinend einfach, es reicht, zur falschen Zeit am falschen Flughafen zu sein. Kein Wunder, dass die Ultras im SFCV kein Dach mehr für ihre Interessen gesehen haben.

Und die anderen Verbände, wie sieht der SFCV die so? Das Hörensagen meint: Der Supporters Club schmarotze nur bei Karten herum und die Fan-Initiative bestehe ja sowieso nur aus wenigen aktiven Leuten. Zumindest letzteres ist richtig, denn es ist sicher einfacher, sich in einen Bus zu setzen, das eine oder andere Bier zu schlürfen und den Fußball zu genießen, als sein Gesicht – und, wenn man viel Pech hat – seine Kauleiste für den Kampf gegen Rechts und Diskriminierung hinzuhalten.

Machen tatsächlich nicht so viele. Aber Quantität ist eben nicht immer ein wesentliches Kriterium.