„So geht nun ’mal Journalismus“

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(rk) Als er Ende Januar berichtete, es gebe clubinterne Probleme mit dem Trainer André Breitenreiter, da brach der Shitstorm über Dirk Große Schlarmann los. Die Empörungswelle in den sozialen Netzen war nicht mehr aufzuhalten und entfachte eine grundlegende Diskussion über die sportjournalistische Arbeit – speziell auf Schalke. Entsprechen die Berichte der Wahrheit oder werden bestimmte Informationen aufgebauscht? SCHALKE UNSER sprach mit dem Sky-Reporter über seinen Job, Qualitätsjournalismus und das Produzieren von Schlagzeilen.

SCHALKE UNSER:

Dirk, hat sich der Shitstorm allmählich wieder gelegt?

GROSSE SCHLARMANN:

Das ist schon interessant, was heutzutage durch die sozialen Medien möglich ist, und was man über sich ergehen lassen muss. Schade, dass man so etwas schon erwarten muss, wenn man unangenehme Themen anfasst. Ich muss allerdings sagen, dass sich die Fans, die mein Angebot einer ordentlichen Diskussion zu dem Thema angenommen haben, gut und angeregt mit mir ausgetauscht haben. In der Form habe ich dann kein Problem damit und bin da auch immer offen für – leider vergessen heute viele im Internet gerne mal ihre guten Manieren. Es ist aber schon interessant, wie Fans negative Berichterstattung als Angriff auf den Verein wahrnehmen und tatsächlich annehmen, dass ich als Reporter aus Langeweile morgens mal einfach irgendetwas behaupte, ohne dafür Gründe oder Infos zu haben.

SCHALKE UNSER:

Kurz nach deiner Berichterstattung hat Ralf Fährmann ein Statement bei Twitter/Instagram gepostet: „Da kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. @skysport­newshd was für ein Schwachsinn! Einfach irgendwelche Behauptungen aufzustellen, die völlig an der Realität vorbei driften.“ Was sagst du dazu?

GROSSE SCHLARMANN:

Das ist sein gutes Recht seine Meinung dazu zu sagen. Wir haben diese Meinung übrigens auch direkt auf dem Sender dargestellt, das gehört zu sauberem Journalismus dazu. Ich habe natürlich auch mit Ralf persönlich gesprochen. Er steht zum Trainer und kann die interne Kritik nicht bestätigen, er hat davon nichts gehört. Das widerspricht übrigens in keiner Weise unserer Berichterstattung. Wir haben ja nie behauptet, dass die Mannschaft gegen André Breitenreiter ist. Das wurde von vielen nur daraus gemacht. Die Kritik an ihm gibt es aber, sie kommt aus vielen Bereichen des Vereins, auch aus dem Team.

SCHALKE UNSER:

Man hat manchmal den Eindruck, dass die Kommunikationsabteilung des FC Schalke 04 solche Postings bewusst für ihre PR-Arbeit einsetzt. Bestimmte Statements von Spielern werden mit einem besonderen Timing eingesetzt. Wie siehst du das?

GROSSE SCHLARMANN:

Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß, dass z.B. Ralf Fährmann diesen Post selbstständig verfasst hat, weil es seine persönliche Meinung ist. Heutzutage ist es ja fast schon üblich, dass die Spieler ihre Meinungen und Statements über Facebook, Twitter oder Instagram posten. Ich glaube, dass das eher mehr Arbeit für die Kommunikationsabteilung bedeutet, diese ganzen Posts zu kontrollieren. Andererseits ist es auch ihr Job, den Verein zu repräsentieren. Wenn durch solche Posts der Verein gestärkt werden kann, finde ich das vollkommen okay, es so zu verwenden.

SCHALKE UNSER:

Man hat dir nach dem Bericht den Vorwurf gemacht, profilierungssüchtig zu sein. Das hätte mit Journalismus nichts zu tun und du wolltest nur Schlagzeilen produzieren. Mit welchem Gefühl bist du in die Reportage gegangen? Hast du eine solche Reaktion der Fans auf die Berichterstattung erwartet? Und würdest du das nochmal so machen?

GROSSE SCHLARMANN:

Ich stehe morgens auf und denke mir, „heute haue ich einen raus!“. Ich sage ja – schade, dass es wirklich Leute gibt, die glauben, dass man sich etwas ausdenkt, um Schlagzeilen zu produzieren. Ich wäre ein verdammt schlechter Journalist, wenn ich das so machen würde. Dass solche Themen für Aufsehen sorgen, ist mir bewusst; dass man dadurch Gegenwind bekommen wird, auch. Natürlich ist es nicht angenehm, sich dann so in den Sturm zu stellen. Wer liest schon gerne unschöne Statements über sich?

Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen, werde ich auch in Zukunft nicht. Ich kann in den Spiegel schauen und sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Ich habe Informationen bekommen, diese gegengecheckt über diverse Quellen, die ich als absolut vertrauenswürdig erachte, und dann haben wir dieses Thema gemacht. So geht nun mal Journalismus.

SCHALKE UNSER:

Was man sich als Fan immer wieder fragt: Wie kommt ihr Journalisten eigentlich an die ganzen Infos?

GROSSE SCHLARMANN:

Du glaubst doch nicht, dass ich dir das jetzt hier verrate. Aber ich arbeite jetzt seit über zehn Jahren als Sportjournalist im Ruhrgebiet, manche meiner Kollegen noch deutlich länger. Da lernt man halt einfach viele Leute kennen. Und: Man muss einfach die richtigen Fragen stellen.

SCHALKE UNSER:

Eine besondere Rolle in der Berichterstattung spielt die Bild-Zeitung bzw. Sport-Bild. Von dort – so scheint es – kommen oftmals Informationen, die besonders exklusiv sind. Wie erklärst du dir das?

GROSSE SCHLARMANN:

Ich maße es mir nicht an, Kollegen öffentlich zu beurteilen. Wir versuchen alle, einen guten Job zu machen. Bei „Sky Sport News HD“ wollen wir auf jeden Fall die ersten und schnellsten sein, die exklusive News bekommen. Und vor allem: Fakten.

SCHALKE UNSER:

Wir können uns vorstellen, dass du auch eine ganze Menge an Dingen erfährst, die du „besser“ nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich machst.

GROSSE SCHLARMANN:

Das kann allerdings gelegentlich passieren.

SCHALKE UNSER:

Es ist bekannt, dass du auch privat ein Schalke-Fan bist. Wie bekommst du die beruflichen und privaten Interessen zu Schalke 04 unter einen Hut?

GROSSE SCHLARMANN:

Ich bin ja Gelsenkirchener durch und durch. Aber das hat mich in meinem Beruf bisher eigentlich noch gar nicht groß behindert. Ich bin gerne emotional vor der Kamera, das gehört für mich beim Fußball einfach dazu. Unterm Strich ist es halt auch einfach nur Unterhaltung. Aber ich bin genau so aufgedreht und vielleicht auch ein bisschen abgedreht bei jedem anderen Verein auch, über den ich berichten muss. Ich finde es gelegentlich sehr angenehm, wenn ich privat mit den Kollegen in die Arena gehen kann, und samstags (ab jetzt ja hoffentlich wieder öfter) einfach mal Bratwurst und Bier gegen Mikro und Kamera eintauschen kann.

SCHALKE UNSER:

Mit Christian Heidel kommt zur neuen Saison ein neuer Manager, der neben dem Sport-Ressort auch die Kommunikation übernehmen soll. Was meinst du, könnte sich in der Kommunikation mit diesem Wechsel ändern?

GROSSE SCHLARMANN:

Ich kenne Christian Heidel bislang noch nicht persönlich und kann mir daher kein Urteil erlauben. Ich habe allerdings gehört, dass seine Vorstellung auf Schalke vor einer Woche ziemlich gut angekommen ist. Er hat konkrete Vorstellungen. In seiner Zeit in Mainz hat er in vielen Belangen ein sehr gutes Näschen bewiesen. Ich denke, dass in der Vergangenheit immer wieder der Vorsatz bei einem der vielen Neuanfängen war, die Außendarstellung des Vereins anders aufzustellen.

Mir gefällt übrigens sehr, wie der FC Köln sich in den letzten Jahren neu aufgestellt hat. Da ist es insgesamt viel ruhiger geworden, und ich habe den Eindruck, dass deshalb dort etwas entstehen kann. Dem Prozess ist allerdings eine Neuordnung vorhergegangen.

SCHALKE UNSER:

Die Fußball-Bundesliga schreibt in wenigen Wochen die Medien-Rechte aus – und kein anderes Unternehmen der Branche ist davon so abhängig wie der Pay-TV-Sender Sky. Daneben wird es aber auch weitere Interessenten geben, etwa das US-Unternehmen Discovery. Die Ausschreibung hat sich wegen Bedenken des Kartellamtes verzögert. Die Behörde fordert von der DFL eine „No Single Buyer Rule“, was bedeutet, dass ein einzelnes Unternehmen nicht alle Pakete kaufen darf. Diese Regel dürfte sich vor allem gegen Sky richten. Wie siehst du die Situation?

GROSSE SCHLARMANN:

Da kann ich aktuell wenig zu sagen und verweise auf unsere Sky­Zentrale. Wir warten mal ab, was passieren wird.

SCHALKE UNSER:

Dirk, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg. Glückauf!

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