Geld schießt Tore? Ja – aber nicht auf Schalke!

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SCHALKE UNSER 101

(axt) „Geld schießt Tore“, hat Marketing-Vorstand Alex Jobst unlängst in mehreren Interviews gesagt. Stimmt – aber ausgerechnet nicht auf Schalke.

Das hat eine Auswertung des SCHALKE UNSER für die Zahlen der vergangenen Saison ermittelt. Eingeflossen sind die Etats für Spieler, der Torerfolg und der tatsächliche Tabellenplatz am Ende der vergangenen Saison. Sortiert man die Übersicht nach den Kosten für ein Tor – auf die Spielergehälter gerechnet – gibt es zunächst wenig Abweichungen von der tatsächlichen Abschlusstabelle der vergangenen Saison. Bayern München bliebe Meister: 2,5 Millionen Euro lässt sich die AG jedes Tor kosten, wenn man es nach Spielergehältern betrachtet. Der BxB landet auf Platz 3 statt Platz 2: Jedes Tor kostet den börsennotierten Verein 1,4 Millionen Euro. Nürnberg wäre auch in dieser Tabelle abgestiegen, mit Platz 17 statt 18: 390.000 Euro sind deren Investment in ein Tor. Auf den ersten Blick ein Beleg für die Jobstsche These: Geld schießt eben doch Tore.

Es gibt aber Überraschungen. Auf Platz 2 der Tabelle landet unser eingetragener Verein, der FC Schalke 04. 2,4 Millionen Euro hat der Verein für jedes Tor springen lassen. Gelandet sind wir dennoch nur auf Platz 14; mancher hatte zwischenzeitlich sogar den Abstieg gefürchtet oder sich gefragt, warum die Arena zu den Relegationsterminen schon mit anderen Veranstaltungen belegt gewesen war. Am Geld kann es nicht gelegen haben: Nach den Personalkosten lag Schalke mit 125 Millionen Euro auf Platz 4; der eingetragene Verein hatte sogar ohne eine Ausgliederung genügend Geld. Er hat nur nicht viel daraus gemacht.

Durchschnittlich zahlte Schalke seinen Spielern 2,4 Millionen Euro und liegt damit auch auf Platz 4 der Finanztabelle hinter Bayern München (7,2 Mio.), BxB (3,6 Mio.) und Leverkusen (2,5 Mio.). Das spiegelt auch die Abschlusstabelle der Liga wider: Nur der Dritte, Leipzig, rutscht von seinem 3. Platz ab auf Platz 6.

Die andere Überraschung: der VfB Stuttgart. Im realen Leben souverän direkt abgestiegen, würden sie bei einer „Geld schießt Tore“-Tabelle den Klassenerhalt locker auf Platz 5 geschafft haben; sie würden sogar international spielen statt in Heidenheim, Wehen und Fürth. Stuttgart hat ausgelagert, auf „schnelles Geld“ gesetzt und ist abgestiegen. Kein besonders gutes Argument, wenn Jobst schließt, man müsse über eine Ausgliederung nachdenken, wenn es sportlich nicht gut laufe.

Übrigens, einer der teuersten Spieler aus dem aktuellen Kader – geschätztes Jahresgehalt fünf Millionen – ist aktuell zu Newcastle United ausgeliehen: Nabil Bentaleb. In der Vorsaison schoss der Mittelfeldspieler bei 25 Einsätzen drei Tore. Geld schießt Tore? Vielleicht – wenn man es lässt.
Dass ein eingetragener Verein neben den ganzen Aktien- und sonstigen Gesellschaften durchaus bestehen kann, zeigt auch eine Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. Sie hat weltweit die Umsätze der Vereine untersucht. Unter den Top 20 – der Welt! – tauchen drei deutsche Vereine auf: Bayern München (Platz 4), Nordlüdenscheid (Platz 12) und der FC Schalke 04 e.V. (Platz 15).

Nr.PlatzVereinPers.kostenSpielergehälterDurchschn.-GehaltTorePkt.ToraufwandT/S1
11 →Bayern München315.020.000 €223.200.000 €7.200.000 €88782,536 Mio €2,84
214 ↑Schalke124.866.000 €88.800.000 €2.400.000 €37332,400 Mio €1,00
32 ↘BxB186.715.000 €115.200.000 €3.600.000 €81761,422 Mio €2,53
46 ↗Wolfsburg127.873.000 €78.480.000 €2.180.000 €62551,266 Mio €1,72
516 ↑Stuttgart83.712.000 €38.860.000 €1.340.000 €32281,214 Mio €1,10
64 ↘Leverkusen110.648.000 €70.000.000 €2.500.000 €69581,014 Mio €2,46
77 →Frankfurt72.191.000 €59.740.000 €1.030.000 €60540,996 Mio €1,03
83 ↘Leipzig105.320.000 €51.040.000 €1.760.000 €63660,810 Mio €2,17
95 ↘Mönchengladbach82.925.000 €44.400.000 €1.480.000 €55550,807 Mio €1,83
1017 ↗Hannover52.754.000 €24.120.000 €670.000 €31210,778 Mio €0,86
119 ↘Hoffenheim77.079.000 €47.250.000 €1.350.000 €70510,675 Mio €2,00
1211 ↘Hertha60.954.000 €32.900.000 €940.000 €49430,671 Mio €1,40
138 ↘Bremen58.346.000 €30.600.000 €1.020.000 €58530,528 Mio €1,93
1412 ↘Mainz44.481.000 €22.400.000 €700.000 €46430,487 Mio €1,44
1515 →Augsburg32.413.000 €23.680.000 €640.000 €51320,464 Mio €1,38
1610 ↘Düsseldorf18.094.000 €19.950.000 €570.000 €49440,407 Mio €1,40
1718 ↗Nürnberg21.576.000 €10.150.000 €350.000 €26190,390 Mio €0,90
1813 ↘Freiburg40.216.000 €16.160.000 €505.000 €46360,351 Mio €1,43
Zur Methode
Naturgemäß veröffentlichen die Fußballvereine nicht die Gehälter ihrer Spieler. Von daher waren wir auf die Schätzungen einschlägiger Fußballseiten wie Goal.com und andere angewiesen. Dabei ging es uns nicht um (spekulative) Einzelgehälter, sondern um die Gesamtsumme. Um diese zu überprüfen, haben wir sie mit offiziellen Zahlen abgeglichen, die die DFL in den „Finanzkennzahlen der Profiklubs“ veröffentlicht. Hier finden sich die Personalkosten. Die sind natürlich nicht 1:1 auf Spielergehälter umzumünzen: Zum einen finden sich dort die Entgelte für hauptamtliche Vereinsfunktionären, aber auch je nach Struktur weitere Personalkosten wie Catering oder Ticketing, sofern diese nicht in Tochtergesellschaften ausgegliedert oder an Drittfirmen vergeben sind. Hier ergab sich mit den Schätzungen ein konsistentes Bild, das jene damit bestätigte. Dabei muss man sagen, dass nicht alle Vereine ihr Haushaltsjahr im Kalenderjahr oder in der Saison haben; die DFL-Daten sind jedoch auf die vergangene Saison bereinigt gewesen. Nicht berücksichtigt haben wir außerdem Transfers und Ausleihen während der laufenden Saison, weil hier der Aufwand recht groß gewesen wäre; der statistische Fehler wäre jedoch im Vergleich zu den Personalkostenschätzungen gering ausgefallen. Nicht ermittelt haben wir, wie viel Geld man aufwenden müsste, um weniger Gegentore zu kassieren. Wer will, kann aber gerne die Personalkosten für die Defensive auf Schalkes Gegentore aufschlüsseln. Wir unterscheiden auch nicht nach Feldspielern und Torhütern; in der Regeln ist von diesen ohnehin nur einer auf dem Platz.

Auch im Umsatz kann der eingetragene Verein also mitspielen. Und dennoch rutschte Schalke zwischenzeitlich in die Abstiegsregionen, glänzte gar mit der roten Laterne. Wichtig ist aber auch die Frage: Wie groß ist denn der Kader? Wie toreffizient ist also ein Spieler? Wirft man einen Blick darauf, wie viele Tore ein Verein pro Spieler erzielt hat, erhält man im Grunde wieder die Abschlusstabelle; Schalke wäre allerdings auf einem Relegationsplatz gelandet.

Während ein durchschnittlicher BxB-Spieler 2,5 Tore erzielte, war es bei Schalke ein einziges – bei vergleichbarem Spielergehalt. Auch in Leverkusen – wo die einzelnen Spieler weniger Geld bekommen haben als auf Schalke – waren es 2,5. Anders gesagt: Entweder im Scouting oder in der Spielweise stimmte etwas nicht; am Geld hat es jedenfalls nicht gelegen.

Es kommt eben nicht nur auf das Geld an, das man hat, sondern vor allem auch, was man damit macht. Schalke hat in der vergangenen Saison nicht eben wenig Geld in Spieler investiert, aber dafür wenige Tore erzielt. Man darf es auch so nennen: mit dem Geld wenig effizient gearbeitet.

Schalke hat jetzt einen neuen Trainer und einen neuen Sportdirektor und ist halbwegs wieder auf der Erfolgsspur. Ganz ohne „frisches Geld“ aus obskuren Ausgliederungsgeschäften, sondern einfach mit frischem Wind in der Führungsebene.

Keine Erfolgsgeschichte

Den wenigsten ist es in der Bilanz aufgefallen: Im Merchandise hat der Bereich des Marketingvorstands Alex Jobst Miese eingefahren. Während man meinen sollte, dass gerade Trikots, Schals und Tinneff bei der hohen Gewinnmarge auch in schlechten Zeiten ein einträgliches Geschäft sein sollten, standen in der letzten Jahresbilanz dem Erlös von 15,7 Millionen Euro jedoch 15,8 Millionen an Aufwendungen gegenüber.

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