Wer es nicht kennt, der seh es sich an solang bis er`s glaubt…

(dol) Tut Euch selbst einen Gefallen und besucht das kleine Museum von Zeche Hugo. Denn hier erlebt Ihr Geschichte hautnah.

Das vermutlich neueste, kleinste und agilste Gelsenkirchener Museum liegt bei Zeche Hugo umme Ecke. Also ungefähr zweieinhalb Steinwürfe von der Arena entfernt, direkt neben der Halde. Mitten in der historischen Schüngelbergsiedlung, einem architektonischem Schmankerl von internationalem Rang, in das übrigens nur eine Straße führt. Das kleine Museum heißt so, weil es jetzt schon aus allen Nähten platzt. Es ist exakt so groß wie eine Bergarbeiter-Wohnung. Diese hat nämlich die Treuhandstelle einigen ehemaligen Beschäftigten der Zeche Hugo zur Traditionspflege kostenfrei überlassen. So jedenfalls fing es vor Ort an.

Den Besucher erwartet neben einem herzlichen Empfang ein Schmuckkästlein an bergmännischen Sammlerstücken und Alltäglichkeiten. Raritäten und lokale Kuriositäten reihen sich an Schalker Devotionalien von höchster Bedeutung. Hier entdeckt jeder etwas, und sei es der auffällige Schreibtisch, nach dessen Irrfahrt durch die Instanzen der RAG man durchaus mal fragen könnte, oder seien es geschichtsträchtige Fußballschuhe. Andere ermitteln sehr schnell die Möglichkeit, auf einem winzigen Außengelände sitzend Erfrischungsgetränke zu sich nehmen und Ausstellungsstücke mit Erinnerungen würzen zu können.

Und wer mit einem Mitglied des Geschichtskreises ins Gespräch kommt, wird gelegentlich überrascht, wie viel Zeit auf wenigen Quadratmetern im Flug verrinnen kann. Hier ist jeder ein Original und jeder hat zu kämpfen gelernt: für den Erhalt der Arbeitsplätze, für den Erhalt des Standortes, für den Erhalt der Fördertürme, für das Museum.

Viele Besucher kehren später für einen zünftigen Bergmannsabend ins Museum zurück. Nach Voranmeldung wird den Gruppen eine kräftigende Mahlzeit gereicht, um zu später Stunde die Bergehalde vorschriftsgemäß befahren zu können. Die Skyline des nördlichen Ruhrgebiets rechtfertigt jeden Höhenmeter Aufstieg, weckt Leidenschaft und spätestens beim Blick auf Schacht 2 fängt man an, den Traum von einem großen Museum der Zeche Hugo mitzuträumen. Ein Besucherbergwerk, vielleicht sogar irgendwann mit allem Zipp und Zapp, wenn alle Beteiligten nicht nur mit-, sondern zusammenspielen.

Soweit die Vorgeschichte. Nachdem das Projekt Besucherbergwerk vor Jahren endgültig gescheitert schien, hat sich in den letzten Wochen eine Wende zum Positiven vollzogen, die sich unter anderem in zunehmendem örtlichen Wohlwollen und ein Paar Euros für den Anstrich des Fördergerüsts niedergeschlagen haben. Letztere stammen übrigens aus Rudi Assauers Schatulle, der auch schon Gast des Hauses war und möglicherweise das Erlebnis-gastronomische Potential des Ambientes für Charly Neumann ausgekundschaftet hat.
Das kleine Museum lehnt aus naheliegenden Gründen keine Geldspenden ab und freut sich auf persönliche Besuche in der Eschweiler Straße 47 in 45897 Gelsenkirchen­Buer. Das Museum ist vorläufig dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sondertermine zum Beispiel für Schulklassen werden unter 0172/5213869 oder 0209/59659 (Anrufbeantworter) verabredet. Im Internet gibt es Infos unter www.zeche-hugo.com.