Nach Diktat verreist

Clemens Tönnies
(der Schalke-Boss höchstpersönlich!!!!!)

Tel. +234 1312 1904
clemens-the-boss@schalke04.de

Gelsenkirchen, 25. Februar 2020

Liebe Schalker,

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als ich aus meiner eigenen Loge in der Arena zurück ins Domizil nach Rheda, östliches Westfalen, gefahren bin und folgendes im Radio hörte: „Krrrk … die Nominierten für den Pannekopp-Orden 2020 des renommierten Geierabends sind: der Vorstand der Dortmunder Chorakademie und der Schalker Ehrenrat. Der Vorstand wegen ,Verdienste um die eigene Hodenlosigkeit’ und der andere für ,Verdienste um die vielfältige Sprache der Eskimos’.“

Cover SCHALKE UNSER 102
SCHALKE UNSER 102

Habe ich das richtig gehört? Mein teurer Ehrenrat heimst sich auf meine Kosten einen Preis ein? Und ich gehe leer aus? Das kann nicht sein! Die vertrauliche Nachfrage, man hat ja kooptierte Spitzelleute neuerdings im Aufsichtsrat, ergab, dass die Verleihung tatsächlich am Wohnort meines geschätzten Finanzvorstandes stattfinden soll. Zudem noch am spielfreien Faschingsdienstag, den ich sonst zum eigenhändigen Abstauben / Abledern meiner geliebten Jagdtrophäen aus Schwarz-Afrika nutze. Ein hervorragendes Ritual zur Vorbereitung auf die allgemeine Vergebung der Sünden am Aschermittwoch.

Dem Ehrenrat noch flugs eine Benefiz-Veranstaltung im Nordhessischen in den Terminkalender gedrückt – mit vollständiger Anwesenheitspflicht. Wer kann, der kann. Aber wie komme ich unauffällig an die begehrte Eintrittskarte? Hah! Ein kurzes Telefonat mit Viagogo und die Karte war im Sack. Was kostet die Welt?

Beim Zusammenstellen des abendlichen Outfits schießt es mir in den Kopf, dass es sich ja um eine Karnevalsveranstaltung handelt. Also Anzug zurück in den Schrank, Räuberzivil herausgekramt und mit einer Froschmaske gekrönt. Fertig, so kann ich mich unerkannt unter das einfache Borussen-Volk mischen. Ein wenig nervös stehe ich in der Einlassschlange. Unbegründet, da ich maskiert die Zeche Zollern betreten darf. Innere Zufriedenheit erfüllt mich dann, als ich einen Blick auf das Catering werfe. Eine wundervolle Palette meiner Schlachtopfer, ob Mettbrötchen, Currywurst oder Flammkuchen mit Speck!

Mit vollem Bauch und meiner geschmuggelten Flasche Veltins verfolge ich das Geschehen auf der Bühne. Von James Bond über die Städtepartnerschaft mit Gelsenkirchen und Frauen im Stadion, die soll es ja tatsächlich auch bei uns geben, hat mir das Programm sehr gut gefallen. Wobei ich darüber nachdenke, warum die Frauen bei uns in der Arena keine Leopardenmäntel tragen. Daran müssen wir arbeiten, Notiz an Alex Jobst. Und das Programm lief jetzt an fünfunddreißig Abenden? Und jede Abstimmung unter den Zuschauern gewann der Ehrenrat? Grandios, 35:0! Das ist der höchste Auswärts-Derbysieg! Wir schreiben hier gerade Geschichte!

Der Moment ist da. Ich stehe auf, glätte mein Outfit, bin bereit meine Identität zu lüften. Doch was ist das? An mir vorbei rauscht ein 1,50 Meter großer blonder, weiblicher Zwerg, entert unter Applaus die Bühne. Das riecht nach einem abgekarteten Spiel! Das ist doch mein Preis, was macht die da? Sie entschuldigt sich vor allen für mein Verhalten? Warum? Ich wurde doch nur falsch verstanden! Und dann lässt die noch den Preis stehen? Das schlägt dem Fass den Boden aus. Apropos Fass, ihr letztes Wort “Freibier” sollte ich mir für meine nächste Rede aufheben. Denn sie verlässt gerade unter Standing Ovations die Bühne und bekommt zudem zahlreiche Visitenkarten, Geldscheine und Telefonnummern zugesteckt. Und das als Schalkerin in Dortmund. Ich bin sprachlos.

Reiß dich zusammen, Clemens, schießt es mir durch den Kopf. Diese Auszeichnung gehört dir!

Ein neuer Plan muss her. Als zwei verdiente Mitglieder des Ensembles verabschiedet werden und sich zu diesem Zweck sämtliche Beteiligte vor und hinter den Kulissen auf der Bühne befinden, ergreife ich die Chance. Als Frosch getarnt schleiche ich mich in den Backstage-Bereich und nehme endlich das, was nur mir gehört, in Empfang. Meeeiiiin Schaaaaaaaatz!

Das Gewicht ist lächerlich, eine halbe Zuchtsau wiegt locker 50 Kilo und so packe ich den Orden leichtfüßig in den bereitgestellten Schweinetransporter. Auf dem Weg zur A40 schießt es mir aber blitzartig durch den Kopf, dass diese Trophäe besser nicht meine hauseigene Trophäensammlung im Eingangsbereich zur „Kopfschlächterei“ ergänzen sollte. Vor allem, da es aus strafrechtlichen Gründen unklug wäre. Also was tun? Mein Blick und Blinker nach links gerichtet. Das ist es! Das Ruhrmuseum in Essen-Katernberg. Geleitet von einem verdienten Schalker, der immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Ruhrpott-Unikaten ist. Ein Anruf, ein Handschlag, ein neues Exponat! Denn sind wir mal ehrlich, nirgendwo lässt sich Diebesgut besser verstecken als in der Öffentlichkeit.

Und wer mir nicht geglaubt, geht hin und schaut!
Euer Clemens
(nach Diktat nach Afrika verreist)

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