Nummer 14 - 1997/05

Auszüge aus dieser Ausgabe:

Attacke - Lasst den Scheiß sein!
“Das geht mir nicht am Arsch vorbei!” - Interview mit Mike Büskens
Das A­-Team
Kurzmeldungen
“Ich lass mich ungern verarschen” - Interview mit Uli Homann und Thomas Spiegel



Attacke - Lasst den Scheiß sein!

Hallo Schalker Kreisel­-Macher,

mal ehrlich, wen wolltet Ihr eigentlich mit einigen Ausgaben aus der nahen Vergangenheit ärgern? Damit wir uns nicht von vornherein mißverstehen: der Kreisel gehört für uns zu Schalke wie Bier und Bratwurst. Und in der Vergangenheit ist er mehrfach zu einer der besten Stadionzeitungen der Liga gewählt worden. Stimmen wir zu ­ wirklich. Aber mittlerweile vergeben wir jedoch schwere Abzüge in der B­Note für den künstlerischen Gesamteindruck. Beispiele gefällig?

Nix gegen Panini-Sammelbildchen-Werbung im Kreisel. Geht ja nicht um die Frage, ob Panini auf Schalke werben darf oder nicht. Obwohl sieben Bildchen für Einsneunzig ganz schön happig sind. Aber gibt’s da nicht vielleicht auch ein paar Fotos, die andere Spieler als ausgerechnet Möller und Sammer zeigen? Sorgt doch schon für nicht nur leicht erhöhten Blutdruck, wenn uns die Konterfeis der überbezahlten Akteure des Erzrivalen aus dem westlichen Sauerland anstrahlen. Und dann auch noch mit der fetten Überschriften “Die sind Gold wert!”.

Und falls Ihr den Kreisel demnächst von dieser Provokation befreien solltet, dann überlegt doch mal direkt, wie stimulierend die ganzseitige schwarz-gelbe Continentale-Anzeige bei jedem Lüdenscheider Gastauftritt im Parkstadion auf den blau-weißen Kreisel-Leser wirkt. Klar, Werbung muß manchmal auch provozieren. Wissen wir auch, aber damit ist doch schon Benetton auf die Nase gefallen.

Noch was: Was soll der Friede-Freude-Eierkuchen-Kram? Sollen bald vielleicht auch noch die Hymnen der Gastvereine im Parkstadion gespielt werden? Daß in Leverkusen “Blau und weiß” gespielt und vom Heimpublikum auch akzeptiert wird, ist doch wohl kein ernstgemeintes Argument. Die dortigen Plastik-Fans haben auch der Abschaffung der Stehplätze im Haberland-Stadion zugestimmt, wenn Sie nur selbst weiterhin günstig an Karten kommen.

Und wenn Ihr jetzt noch meint, daß dies doch alles gar nicht so schlimm sei, dann stellt Euch einmal vor, daß ab der nächsten Saison das Lüdenscheider Vereinslied durch das Parkstadion plärrt. Über 69000 pfeifen, was das Zeug hält, und Ernst Kuzorra rotiert im Grabe.


“Das geht mir nicht am Arsch vorbei!”

(mk/rk) Bodenständig, nett, aufgeschlossen, kämpferisch, im Herzen Schalker. Das sind die Attribute mit denen MIKE BÜSKENS normalerweise in Verbindung gebracht wird. Im SCHALKE UNSER-Interview konnte er all diese Eindrücke gleich mehrfach unterstreichen. Kurz vor dem UEFA-Cup-Halbfinale gegen CD Teneriffa nahm sich MIKE BÜSKENS trotz Terminstreß die Zeit, um mit uns über Gelsenkirchen, Spanien und Paella zu sprechen.

SCHALKE UNSER:

Mike, Du bist nun schon seit über fünf Jahren hier auf Schalke. Wie hast Du denn hier die Entwicklung in den letzten Jahren so miterlebt?

MIKE BÜSKENS:

Was sich da alles getan hat, ist einfach unvorstellbar. Das fing damit an, daß Udo Lattek verpflichtet wurde, der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt. Dann kam Helmut Schulte, da gebe ich mal jetzt keinen Kommentar zu ab. Günter Eichberg ging, der Verein stand vor einem Scherbenhaufen. In der Saison standen wir auf dem letzten Platz, keiner hätte auch nur einen Pfifferling darauf gesetzt, daß wir die Liga noch halten können. Zum Glück kam damals Jörg Berger und von da an ging es eigentlich nur noch bergauf. Und jetzt stehen wir vielleicht kurz vor einer Krönung.

SCHALKE UNSER:

Nehmt Ihr das alles eigentlich richtig wahr, was momentan hier passiert? Kriegt Ihr nicht manchmal richtig Lust mitzufeiern?

MIKE BÜSKENS:

Als Spieler nimmt man das zwar wahr, man genießt das alles auch. Das sind ja alles ganz neue Eindrücke: Trabzon, Teneriffa oder Valencia. Das ist Neuland für uns, zumindest für die meisten von uns. Das ist eigentlich wie ein Fest. Aber leider haben wir zum Feiern im Augenblick überhaupt keine Zeit. Wir können zwar sagen, daß wir in all diesen Städten waren, aber wir haben so gut wie nichts davon gesehen. Nach dem Spiel fliegen oder fahren wir sofort wieder zurück. Das ist echt schade! Da ist dieses Riesenvolksfest “Las Fallas” in Valencia, doch außer von den Böllern, die an jeder Ecke hochgehen, kriegst Du da echt nichts mit.

SCHALKE UNSER:

Also, da müßt Ihr irgendwann noch einmal privat hinfahren. Vielleicht, wenn Ihr Euch zur Ruhe gesetzt habt.

Das ist einfach unbeschreiblich, was da unten abgeht. Könntest Du Dir denn vorstellen, dort auch nur mal so runterzufahren?

MIKE BÜSKENS:

Klar, ich hab ohnehin eine Vorliebe für Spanien, von daher kann ich mir sowieso mal vorstellen dort hinzuziehen. Das ist so eine Vision von mir.

SCHALKE UNSER:

Vielleicht sogar als Spieler in der Primera Division?

MIKE BÜSKENS:

Das wäre bestimmt einmal ein Erlebnis, in Madrid oder Barcelona vor über 100000 Zuschauern spielen zu können und diese Atmosphäre mitzubekommen. Das sind alles so Träume von mir. Vielleicht hat man ja mal die Chance, sich das alles zu erfüllen. Noch schöner wäre natürlich, wenn wir einmal mit Schalke gegen Real Madrid spielen könnten.

SCHALKE UNSER:

Was sagst Du denn zu den Fans, die auf allen möglichen Wegen nach Valencia gekommen sind?

MIKE BÜSKENS:

Das war schon Wahnsinn. Aber, daß da Leute mit dem Wohnmobil runter sind, die auch noch zur Auslosung nach Lausanne einen Abstecher gemacht haben, das bekommen wir als Mannschaft leider immer eigentlich nur durch’s Hören-Sagen mit. Für den Normalsterblichen ist das alles schwer nachvollziehbar. Wenn Du jetzt mit einem darüber sprichst, der nichts mit Fußball am Hut hat, dann sagt der “Die haben ‘ne Schraube locker”. Aber das ist halt die Faszination, die Schalke so ausmacht. Guck nur mal, wie viele Leute mitkommen, wenn wir ins Trainingslager fahren. Familien, die auch schon über Jahre mitfahren. Das ist schon so eine eigene Gruppe geworden, die verbinden ihren Urlaub mit dem FC Schalke 04, gucken beim Training zu, quatschen ein bißchen mit den Spielern. Aber das tritt eigentlich immer mehr in den Hintergrund, da bilden sich auch unter den Fans immer neue Freundschaften. Das ist wirklich wie so eine ganz große Schalke-Familie.

SCHALKE UNSER:

Ist denn die Schalker Mannschaft auch so etwas wie eine Familie?

MIKE BÜSKENS:

Familie kann man nicht sagen. Es gibt ja auch ein gewisses Konkurrenzdenken, aber der Zusammenhalt in der Mannschaft ist wirklich gut. Ich kann das zwar eigentlich nur mit Düsseldorf vergleichen, aber da war der Zusammenhalt beileibe nicht so groß. Aber das ist hier auch erst so gewachsen. Das ist entstanden als wir ganz unten waren und jeder uns abgeschrieben hatte. Mit den beiden neuen Trainern Jörg Berger und Hubert Neu kamen da neue Impulse. Da wurde viel mehr auf Teamgeist gesetzt, z.B. durch Mannschaftsabende oder Kabinenfeste. Da hat mal einer ‘nen Leberkäs mitgebracht, Weißwürste oder Kuchen. Und dann saß man halt nach dem Training noch ‘ne Stunde zusammen. Dabei hat man sich auch besser kennen- und schätzen gelernt. Und von dieser Geschlossenheit lebt auch unsere Mannschaft. Davon profitieren auch alle, die neu in die Mannschaft kommen, weil da jeder mit offenen Armen aufgenommen wird.

SCHALKE UNSER:

Du hattest vorhin schon mal Düsseldorf angesprochen. Irgendwie bist Du selbst nach fünf Jahren Schalke für viele immer noch der “Düsseldorfer”. Was meinst Du, warum Du dieses Stigma nicht los wirst?

MIKE BÜSKENS:

Ja, da bin ich auch überhaupt nicht enttäuscht drüber, daß man mich immer noch mit Düsseldorf in Verbindung bringt. Man sollte immer wissen, woher man kommt. Man kann seine Vergangenheit doch nicht so einfach abstreifen. Ich hab da als C-Jugendlicher gespielt bis zum ersten Seniorenjahr. Da sind, glaube ich, immer noch drei Leute im aktuellen Kader mit denen ich zusammen Fußball gespielt habe und auch auf der Geschäftsstelle und im Jugendbereich arbeiten heute immer noch einige Leute mit denen ich früher zusammen war. Es wäre doch schlimm, wenn ich sagen würde: “Da hab ich nichts mehr mit zu tun.”

SCHALKE UNSER:

Gab’s bei Euch denn auch Straßenmannschaften, in denen Du gepölt hast?

MIKE BÜSKENS:

Klar, wir haben in einer Einbahnstraße gewohnt, da war wenig Verkehr und dann haben wir immer auf die Garagentore gespielt. Da gab’s sogar ein paar mal Ärger mit den Nachbarn. Das ging sogar soweit, daß mich mal einer mit dem Auto verfolgt hat.

SCHALKE UNSER:

Trotz des “Düsseldorfers”, auf dem Platz bist Du eher der Ruhrpottfußballer.

MIKE BÜSKENS:

Ich identifiziere mich ja auch voll mit dem Verein Schalke 04, fühle mich hier auch total wohl, aber ich finde auch, daß es wichtig ist, daß man weiß, woher man kommt, was seine Wurzeln sind.

SCHALKE UNSER:

Was bedeutet denn eigentlich Gelsenkirchen für Dich?

MIKE BÜSKENS:

Eine ganze Menge. Meine Freundin kommt z.B. aus GE. Es ist nicht so, daß ich nach dem Training nach Hause fahre und Gelsenkirchen Gelsenkirchen sein lasse. Über die fünf Jahre hab ich ja auch Freunde hier gefunden und kriege hier die ganzen Probleme mit. Du wirst hier zwangsläufig mit den Problemen dieser Region konfrontiert. Gelsenkirchen hat 18% Arbeitslose, da kannst Du nicht sagen “das geht mir am Arsch vorbei.” Da spreche ich mit Freunden, die haben im Bergbau gearbeitet, haben dann eine Umschulung gemacht und finden jetzt seit über einem Jahr keinen Job. Das ist ja die Realität. Da kann ich mich nicht so verhalten wie die drei Affen “Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen”.

SCHALKE UNSER:

Da fanden wir die Aktion vom Verein auch gut, daß beim Duisburg­Spiel ein ganzer Block den Bergleuten überlassen wurde.

MIKE BÜSKENS:

Gelsenkirchen und Schalke, das ist doch eins. Das kann man doch nicht trennen. Und es wäre fatal, wenn der Verein irgendwann einmal diesen Weg gehen sollte.

SCHALKE UNSER:

In Lüdenscheid, da haben wir den Eindruck, daß sich dort die Stadt jedoch mehr mit dem Verein identifiziert als das hier in Gelsenkirchen der Fall ist.

MIKE BÜSKENS:

Das ist sicher auch mit den Erfolgen so gewachsen. Guckt mal, die sind zweimal deutscher Meister geworden. Da ist doch klar, daß Stadt und Verein dadurch zusammenwachsen. Aber wie man jetzt liest, bewegt sich der Verein auch wieder davon weg, indem er die Spieler immer mehr abschottet. Wäre schlimm, wenn es hier auch so wird. Wir haben in den fünf Jahren hier so viel Scheiße mitgemacht und immer einen Zuschauerschnitt von ca. 40000 gehabt. Und den haben wir jetzt wieder, alle Europapokalspiele waren ausverkauft - und das bei 18% Arbeitslosen. Und hast Du schon mal einem nackten Mann in die Tasche gefaßt? Guckt Euch doch an, was so ein Stadionbesuch mit der Familie kostet?

SCHALKE UNSER:

Fanden wir auch gut vomVerein, daß er bei den UEFA-Cup-Spielen keinen Topzuschlag genommen hat, wie das bei anderen üblich ist. Der Fan wird wirklich schon genug abgezockt. Bei einem normalen Stadionbesuch am Wochenende ist man doch schnell 50 DM los. Und deshalb sind wir einfach für den Erhalt von Stehplätzen.

MIKE BÜSKENS:

Diese ganze Diskussion: Stehplatz - Sitzplatz. Erstens gibt’s im Stadion kaum noch Ausschreitungen. Also ich kann mich an keine mehr erinnern in den letzten Jahren. Und zweitens, sollte es wirklich mal dazu kommen, dann kannst Du mit ‘ner rausgerissenen Sitzplatzschale mit Sicherheit mehr Unheil stiften als mit dem Wellenbrecher auf den Stehplätzen, weil den sowieso kein Mensch rauskriegt.

SCHALKE UNSER:

Du hast Dich in der Vergangenheit immer wieder für soziale Belange eingesetzt. Zuletzt hast Du ein Trikot für einen guten Zweck versteigern lassen. Würdest Du so etwas noch mal wiederholen?

MIKE BÜSKENS:

Ich hab eigentlich immer solche Aktionen gemacht. Da muß ich wieder auf Düsseldorf zurückgreifen. Da waren wir mit der Mannschaft in der Uni-Klinik und haben dort die Kinder-AIDS- und Kinder-Krebsstation besucht. Da werden Dir innerhalb kürzester Zeit die Augen geöffnet. Nach dem Motto: Ich bin auf der Sonnenseite, kann mir viele Annehmlichkeiten leisten, die sich die wenigsten leisten können. Und dann liegen da kleine Kinder, Säuglinge und die haben null Chance oder so gut wie keine Chance. Das fand ich frustriend und hab gedacht, daß ich mich da engagieren muß. Ohne das an die große Glocke zu hängen. Seitdem hab ich mehrfach Krankenhäuser besucht und dort Aktionen gemacht, einfach nur um den Jungs und Mädels, die dort auf den Stationen liegen, eine kleine Freude zu bereiten.

SCHALKE UNSER:

Mike, jetzt mal was ganz anderes. Was denkst Du, warum wirken Fußballspieler selbst in jungen Jahren schon so alt?

MIKE BÜSKENS:

Die wirken schon so alt? Ja, das kann schon sein. Das liegt wohl daran, daß auf diese jungen Fußballspieler etwas Wahnsinniges einbricht. Wir reden von 18jährigen, die womöglich mitten im Abitur stecken und auf einmal sind sie hier auf der Showbühne Bundesliga. Und das wird ja immer schlimmer. Jetzt gibt es DSF, RTL, SAT1… die berichten alle täglich.

Es ist heute so, wenn Du als 18jähriger ein Tor machst, stehst Du sofort im Rampenlicht. Und damit fertig zu werden, ist auch nicht so einfach. Du hast Kumpels, die geh’n in die Lehre, verdienen 600 Mark und Du selbst schießt auf einmal das entscheidende Tor, für uns im besten Falle gegen Dortmund. Die Relationen muß man sich mal vorstellen.

SCHALKE UNSER:

Diesen “Jungstars” fehlt doch etwas die Freiheit, die können nicht immer das machen, was ihnen gerade in den Sinn kommt.

MIKE BÜSKENS:

Du mußt natürlich auch irgendwo Dein Leben ändern. Deine ganze Konzentration gehört dem Sport, Du kannst nicht um die Häuser ziehen wie Deine Kumpels.

SCHALKE UNSER:

Da gibt es aber auch Ausnahmen.

MIKE BÜSKENS:

Natürlich, aber diese Ausnahmen fallen dann auch sehr oft schnell durch’s Sieb.

SCHALKE UNSER:

Was bedeutet für Dich im Augenblick ein “normales” Leben?

MIKE BÜSKENS:

Seit Februar haben wir 15 Pflichtspiele gemacht. Von daher ist es so, daß Du Dich momentan nur auf den Fußball konzentrieren kannst, Du eilst von Spiel zu Spiel und da hast Du eigentlich überhaupt keine Zeit, Dummheiten anzustellen.

SCHALKE UNSER:

Ist das denn eine Dummheit, abends ins Kino oder Theater zu gehen oder ein Pils zu trinken?

MIKE BÜSKENS:

Nein, aber momentan hat man einen freien Tag pro Woche, den will man zu Hause sein. Sicher gehe ich ab und zu ins Kino oder ins Musical, das kann ja nur den Horizont erweitern. Und wir haben auch schon selbst sowas gemacht wie bei “Aida” oder der “Rocky Horror Picture Show”. Aber momentan hat keiner von uns für so etwas Zeit. Jeder konzentriert sich voll auf das Sportliche. Erstens weiß ich nicht, wie oft jeder von uns noch mal die Chance bekommt, in ein solches Finale einzuziehen und zweitens haben wir jetzt diese Feste mitgefeiert und das wollen wir zukünftig auch.

SCHALKE UNSER:

Wie steckst Du Dir Deine Ziele im Fußball?

MIKE BÜSKENS:

Vor acht Jahren da hab ich gedacht “Mein Gott, wenn ich einmal in der Bundesliga spielen könnte” und plötzlich stand ich gegen den HSV auf dem Platz. Dann hab ich gedacht “100 Spiele wären nicht schlecht.” Gegen Köln mache ich mein 250. Spiel. Es ist zwar schön, wenn man später sagen kann, man hat 300 Spiele gemacht, aber davon waren 14 gegen Duisburg. Dann willst Du auch mal international spielen und sagst natürlich “Jetzt hab ich mich dran gewöhnt, jetzt will ich das nächstes Jahr wieder.” Du brauchst immer einen Antrieb. Wenn Du den nicht hast, dann stagnierst Du und dann ist es eigentlich schon ein Rückschritt.

SCHALKE UNSER:

Du bist gelernter Koch. Da müßtest Du doch eine perfekte Paella zubereiten können. Was macht eigentlich die Paella so eklig gelb?

MIKE BÜSKENS:

Ihr meint wohl, weil wir jetzt so oft in Spanien waren? Wir sind leider nicht in den Genuß einer Paella gekommen. Und Safran macht die Paella so gelb, die Meeresfrüchte so schmackhaft.

SCHALKE UNSER:

Vielen Dank für das Gespräch, Guten Appetit und Glückauf.


Das A­-Team

In Zeiten des boomenden Bundesligafußballs allerorten und dem damit verbunden Auftauchen von Personen, die den einst verpönten Prollsport neben dem sonntäglichen Rollerbladen als besonders trendy und chic entdeckt haben, hat ein noch überschaubarer Haufen aus dem Supporters Club-Umfeld den Weg zurück zu den Wurzeln gefunden.

Zu den Wurzeln, das bedeutet zurück zu erschwinglichen Eintrittspreisen, baufälligen Sportstätten, sinnlosen Gesängen, vernünftigem Bier und selbstgemachten Kuchen in der Halbzeitpause. Wir können uns zwar noch lange nicht mit weiter entwickelten Amateur-Szenen wie bei Bayern oder dem HSV messen, doch es tut sich was … Massiv aufgetreten wurde erstmals beim Spitzenspiel in Wanne-Eickel, wo der Sportpark Wanne-Süd einen Hauch von San Siro abbekam (Stichwort Schall & Rauch) und das A-Team nach dem 3:1­Sieg gar zum Diver Richtung Fans ansetzte. Die nachfolgenden Spiele von Boxer Täubers Blue-White Army standen zwar spektakelmäßig ziemlich im Schatten dieses Galaauftrittes, doch einen ansonsten trostlosen Sonntag verschönerten sie allemal, ob Rentnerpöbel in Werne oder Erdbeerkuchen in Sundern am Sorpestrand.

Sportlich sieht es momentan durch dauerhaftes Verletzungspech (Torjäger Sascha Wolf sowie Miguel Pereira müssen die Verbandsligaspiele auf der Bank begutachten) eher mau aus, ein sattes Polster gegenüber den Bochumer Amas wurde verspielt - um den angepeilten Aufstieg zu erreichen, müssen die Jungens “getz richtich Dampf machen” !

Nicht zuletzt deswegen wird es Zeit, daß mal mehr Leute den Weg in die Schalker Kultstätte Glückauf­Kampfbahn (wenn schon nicht wegen Fußball, dann dürften Euch Warsteiner Pils und die schmackhaftesten Bratwürste östlich von Santa Fé hoffentlich als Argument ausreichen!) und auch zu den Auswärtsspielen finden. Kommt aus’m Arsch, Leute, hier hat eine kreative und alternative Fan-Kultur jenseits von Erfolgsfans und schnödem Bundesligaalltag bei reger Beteiligung noch eine Chance! Bringt Eure Fahnen, Kind, Kegel, Konfetti, Hund, Katze, Maus mit und stimmt mit ein in den Schlachtruf der Zukunft:

HI - HA - HÖRE - SCHALKE AMATEURE!!!

Zum evtl. entscheidenden letzten Spiel in Meschede am 25.5. plant der Supporters Club einen Sonderbus. Wer Interesse hat, meldet sich bitte beim Supporters Club­Amateurbeauftragten:

Peter Hanspach
Am Schalker Markt 8
45888 Gelsenkirchen
0209/418888


Kurzmeldungen

Grandioser Block I
(rk/bob) Allen Unkenrufen zum Trotz spricht die Schalker Fan-Initiative dem Block I an dieser Stelle ein riesiges Kompliment für den Support beim Heimspiel gegen Teneriffa aus. Obwohl sich immer noch viele Fans mit der Akzeptanz der Fans aus dem Block I schwer tun, ist nicht zu übersehen, daß auch dort vieles im Umbruch ist. Gesänge, die gerade aus diesem Block kommen, werden in kürzester Zeit vom gesamten Stadion übernommen. Sei es das “We love you Schalke”, das “Wir sind Schalker, keiner mag uns” oder das hypergeniale “Steht auf, wenn Ihr Schalker seid”. Weiter so! Wir hören uns in Mailand!

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Neues aus der verbotenen Stadt
(bob) Endlich mal was Positives aus der Nähe von Lüdenscheid: Der dort ansässige BVB hat in den letzten Wochen bei der dortigen Universität eine Untersuchung über die Möglichkeit von versenkbaren Sitzplätzen in Auftrag gegeben. Bei Bedarf (Wann besteht denn Bedarf?) sollen diese die Südtribüne in ein UEFA- gerechtes Stadion verwandeln. Offensichtlich ist auch beim BVB nicht die Million, aber der Groschen gefallen. Ohne Kurve geht es nicht. Und wo wir schon mal beim Loben sind. Danke, St. Pauli Fans. Demnächst soll auch in Dortmund das Kartenkontingent für Gästefans gerecht zur Verfügung gestellt werden. Nicht nur Karten der teuersten Kategorie für Gäste-Fans, sondern prozentuale Aufteilung getrennt nach Kartenkategorien. Geregelt ist das Ganze sowieso in den DFB-Statuten, aber Michael Meier brauchte wohl jemand, der ihn an das Durchlesen dieser Richtlinien erinnerte. Verantwortlich für diesen Sinneswandel war das beharrliche Quengeln der St. Pauli Fans auf allen Ebenen. Nochmals Danke.

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Sitzen und für den Erhalt der Stehplätze sein
(bob) Ja, wir bekennen es. Es gibt Mitglieder der Fan-Initiative, die stehen nur bei Auswärtsspielen und haben einen Dauersitzplatz auf der Gegengerade oder gar der Tribüne. Na und? Da einige (ebenfalls sitzende) Zeitgenossen dies zum Anlaß genommen haben, uns wieder­ holt darauf aufmerksam zu machen, daß man sich als Stehplatzbefürworter doch bitte­ schön in seine “Dreckskurve” (Originalton) zurückziehen sollte, gibt’s an dieser Stelle nochmal was schwarz auf weiß zum Nachdenken. Man kann sehr wohl für den Erhalt der Stehplätze sein und trotzdem selber sitzen. Uns ist wichtig, daß die Fan-Kultur auf den Stehplätzen erhalten und diese Plätze erschwinglich bleiben. Nicht mehr, nicht weniger.

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Ich glaub, ich spinn
(mt) Im Aktuellen Sportstudio vom 26.4.1997 wurde doch tatsächlich ein T-Shirt mit der Aufschrift “Dem Pott, die Pötte” vorgestellt. Klar das “der” Pott in den Pott muß, aber doch nur der…. Schade, daß Thomas Linke angab, das T-Shirt auf dem neben unserem auch das BVB/NL Logo zu sehen ist, anzuziehen, aber er sagte auch, er könne sich nicht vorstellen, daß ein Schalke Fan dieses T-Shirt anzieht. Recht hat er. Die Person, die für dieses Unheil verantwortlich zeichnet, ist der Redaktion leider noch nicht bekannt. Sachdienliche Hinweise nimmt die SCHALKE UNSER­Redaktion entgegen. Wir fordern, daß dieser Frevel mit der Höchststrafe gesühnt wird - einer Dauerkarte von der schwarz-gelben Seuche..

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Zum Abschied ein leises Servus …
(um) … hoffentlich nur für eine Saison. Der Abstieg des SC Freiburg ist für die ganze Bundesliga ein Verlust. Die Fahrten in den Breisgau gehörten für uns zu den Saisonhöhepunkten. Die Fans, die Stadt, der Verein - einfach liebenswert. Glückauf in der 2. Liga.

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WDR auf Ideenklau
(bob) Man hat es nicht leicht als Schalker! ständig zweitklassige Berichterstattungen, ARD WDR SAT 1, Schalke von den Journalisten in´s zweite Glied gedrückt. Berichterstattungen a la Heribert Faßbender sind bei allen Schalkern berühmt und ein Brüller! Aber wenn bei uns Fans dann auch noch geklaut wird, ist uns dies doch wenigstens eine Kurzmeldung wert. Wieder mal der WDR, der Haussender des BVB, LIVE aus Auxerre und Katharina Brandt berichtete nicht Geschichten aus dem Wienerwald, sondern das in Villa Riba noch geschrubbt wird, während Auxerre bereits vom BVB/NL geputzt wird. Schön geklaute Sprüche vom Vortag aus Valencia. Dort präsentierte sich nämlich der Supporters­Club mit gleichlautendem Spruch auf dem T­Shirt. Allerdings wurde dort Valencia von Schalke geputzt. Das Valencia in Spanien liegt und Auxerre in Frankreich, spricht für die Kulturabteilung des WDR. Ey, Fußballfans sind nicht blöd! Schlechte Recherche und dumme Statements, Gelbe Karte für den WDR!

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Hochmut kommt vor dem Fall
(rk) Teneriffa-Fan sucht Brieffreundschaft. Vor dem Halbfinale gegen Teneriffa erreichte uns folgende e-mail: “An alle Schalke-Fans, Eure Leistung bis ins Semi-Finale war nicht schlecht, allerdings könnt Ihr Euch die Tickets nach Teneriffa sparen, hier gibt es für Eure fliegende Holländer-Truppe nichts zu holen! Adios Schalke. Absender: Andreas, Borussia Dortmund Fanclub Club Deportivo Tenerife.” Für alle Schalker, die dem naiven Andreas die Endspielpaarung des UEFA-Cups durchgeben oder ihn einfach nur flamen wollen, hier seine email-Adresse: nik@ hello-internet.com.

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Erziehung,- ist doch alles !!!
(um) Eigentlich war es ja ein ganz normaler Kindergeburtstag in Lembeck - fast normal. Zu den geladenen Gästen zählten auch die beiden Kinder von Johan de Kock. Unverständlicher Weise war das Geburtstagskind Anhänger der Neongelben. Die fürsorglichen Eltern hatten nun nicht besseres zu tun als den Tisch in diesen Farben einzu­ decken (Igitt). Als dann die Brühwürstchen und der Kartoffelsalat serviert wurden, verweigerten die beiden de Kocks brav die Nahrungsaufnahme. Kompliment Johan - gut erzogen !!

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Berti, mach die Augen auf!
(rk) Magic hat das Tore-Schießen nicht verlernt. Allen, die bereits angefangen hatten, an seinen Fußballkünsten zu (ver)zweifeln, hat er es nun gezeigt. Im Spitzenspiel der zweiten Liga SV Meppen gegen die Stuttgarter Kickers krönte er seine bravouröse Leistung mit einem fulminanten Torschuß zum 1:1-Endstand. Angesichts der prekären Stürmernot im Schalker Kader funkte bereits Mike Büskens SOS in Richtung Emsland: “Magic, komm doch bitte wieder zurück, uns gehen die Stürmer aus, wir können einen wie Dich hier gut gebrauchen”. Auch SCHALKE UNSER fordert: Magic, komm zurück! Du gehörst einfach zu Schalke! Genau wie Meppen in die zweite Liga!


“Ich lass mich ungern verarschen”

(bob/os) Seit 10 Jahren müssen wir nicht mehr Sonntag Mittag die Sturmhaube aufsetzen und schamhaft am Kiosk die BamS verlangen, die wir ja nur für den Großvater kaufen. Aufrechten Ganges und offenen Gesichtes ordern wir nunmehr den REVIERSPORT. Anlaß genug für ein Interview mit ULI HOMANN und THOMAS SPIEGEL von der Reviersport­-Redaktion.

SCHALKE UNSER:

Am Anfang war das Feuer: Wie kam es zu der Idee “Reviersport”?

Uli:

Die Überlegung war 1986 zuerst mal, eine Sonntagszeitung als Alternative zur BamS zu machen. Nicht im Stil der taz, sondern populärer, so daß auch Fußball zwingend rein mußte. Wir waren 13 Gesellschafter, davon war ich der einzige, der von Fußball Ahnung hatte, allerdings weniger als Journalist, mehr als Fan. Geplant war eine “Revier-Rundschau”. Gestartet wurde das Projekt mit dem Sportteil, sozusagen zum “Anfüttern”, um den Leuten dann nach einigen Ausgaben zu sagen: “So, diese Sportberichte findet Ihr dann zukünftig in der neuen Revier-Rundschau.” Angefangen haben wir mit drei hauptamtlichen Redakteuren, wovon einer heute bei SAT1 und der andere, Peter Peters, Geschäftsführer bei Schalke 04 ist. So klein ist die Welt.

SCHALKE UNSER:

Du warst früher Sekretär von Trude Unruh (Graue Panther). Hast Du heute noch eine Beziehung dazu?

Uli:

Ich habe damals eine Zeitung für die gemacht, die ich auch heute noch herausgebe. Außerdem habe ich den Bundestagswahlkampf mitgestaltet und war dann als ihr persönlicher Referent im Bundestag. Ich stehe dazu bis zum heutigen Tag, aber die damals herrschende Aufbruchstimmung ist verflogen.

SCHALKE UNSER:

Hat sich die Reviersport­Arbeit im Laufe dieser zehn Jahre verändert?

Uli:

Ja sicher, die hat sich völlig verändert. Damals stand Schalke kurz vorm Abstieg, Dortmund dümpelte auf Platz 13, Duisburg spielte noch in der Oberliga Nordrhein, also ‘ne vollkommen absurde Situation, nicht vergleichbar mit der erfolgreichen Zeit heute. Auch die Medienlandschaft hat sich völlig verändert. Das spiegelt sich unter anderem darin, daß die reine Spieldarstellung der Anfänge im Reviersport einer umfangreichen Hintergrundberichterstattung gewichen ist. Denn alles, was die Leute im Stadion und im Fernsehen noch nicht gesehen haben, wollen die Leute in der Zeitung lesen.

SCHALKE UNSER:

Wie seht Ihr Eure Rolle in der Vermarktung und Kommerzialisierung des Fußballs. Wo steht Ihr als Zeitung zwischen ARD, DSF, SAT1 und allen anderen Medien?

Uli:

Ich stehe dieser Sache sehr kritisch gegenüber, denn ich nehme für mich in Anspruch, in dieser Hinsicht ein “Fundi”-Fan zu sein. Ich werde nie einsehen, daß der Fußball eine Rolle spielt in diesem sehr fragwürdigen Showgeschäft, weil ich den Fußball immer für so eine urwüchsige Alternative gehalten habe. Ich hätte nie gesagt: “So, was mache ich denn heute, jetzt gehe ich mal zum Golf oder schaue mir im Fernsehen Segeln an” (lacht), sondern samstags war Fußball, und da gab’s nix anderes, Feierabend. Was mich stört, ist diese Laufkundschaft, die sich nur interessiert, wenn gerade was los ist, wenn sie bei den Siegern sein können, wie die sich plötzlich immer mehr den Fußball einkassiert haben. Wir können uns da natürlich auch nicht ganz ausklinken, auch wir benötigen Anzeigen, finanzieren uns aber im Gegensatz zu anderen hauptsächlich aus den Vertriebseinnahmen. Immerhin müssen zwanzig Leute davon leben.

Thomas:

Wenn der Uli sich da als Fundi bezeichnet, bin ich wohl eher der Realo. Diese Entwicklung hat nicht nur ihre schlechten Seiten. Mir geht es zwar auch auf den Sack, wenn bei SAT1 Johannes B. Kerner reingeschlindert kommt nach dem Motto “Hah, da bin ich!”, und man denkt, er ist wichtiger als der eigentliche Fußball. Die eigentlichen Spielberichte sind aber zum Teil gut recherchiert. Auch bei “täglich ran” sieht man viele sehr informative Berichte. Wenn man alleine die Berichterstattung der ARD zu Schalke im UEFA-Cup sieht, weiß man ganz klar, wo die Fachleute sitzen. Klar, wegen mir muß diese ganze Werbung auch nicht sein, aber an der Art, wie an die ganze Sache journalistisch herangegangen wird, sieht man, daß die bei SAT1 mittlerweile sehr viel gute Mitarbeiter haben.

SCHALKE UNSER:

Ist durch diesen Medienboom Eure Arbeit leichter oder schwieriger geworden?

Thomas:

Eindeutig schwieriger: Wenn du z.B. vor der Kabinentür stehst, dann stehen nicht nur die anderen Lokalreporter, sondern auch noch fünf Kamerateams. Es wird immer schwieriger, an die Leute ranzukommen, und wenn ich an meine Kollegen in Dortmund denke, die stehen dann nicht in der zweiten, dritten Reihe, die stehen in der siebten oder achten Reihe. Sich da noch mit jemanden vernünftig zu unterhalten oder ein vernünftiges Interview zu kriegen, ist fast nicht mehr möglich.

Uli:

Nicht nur die Redakteursarbeit vor Ort, auch die Zeitung insgesamt zu halten ist schwerer geworden. Es gibt kaum noch exklusive Sachen, alles ist besetzt. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß sich durch dieses riesige Interesse am Fußball jetzt für Reviersport unmittelbar größere Kundenkreise erschließen lassen. Die Leute, die Fußball nur konsumieren, bei denen hat das sehr enge Grenzen. Wir können das ja an den Verkaufszahlen ablesen: Gewinnt der Verein, ist man dabei, die Woche darauf verlieren sie, und dann ist alles Scheiße (lacht). Die alte Stammkundschaft, die sich wirklich für Ihren Verein interessieren und durch Dick und Dünn gehen und durch Wohl und Wehe, die haben wir auch früher schon gehabt, da macht dieser Boom keinen Unterschied.

SCHALKE UNSER:

Seit wann bist Du Fußballfan? Wolltest Du immer schon Sportjournalist werden oder evtl. auch Lokomotivführer?

Thomas:

Zuerst, als ich klein war, wollte ich Lehrer werden, weil ich von meinem Grundschullehrer so begeistert war. Fußballfan bin ich schon seit ich fünf Jahre alt bin. Geprägt hat mich da nicht wie in euren Geschichten (”Mein erstes Mal”) mein Vater, sondern meine ältere Schwester. Die war damals Schalke-Fan wegen der Kremers-Zwillinge, weil die so popstar-mäßig aussahen. Den Rest tat wohl mein Onkel Arno, und der war natürlich auch Schalke-Fan. Ich weiß genau, daß ich da fünf Jahre alt war, denn da hatte ich einen großen Disput mit meiner Mutter. Ich mußte meine Suppe aufessen, damit ich das Pokal-Halbfinale sehen konnte.

SCHALKE UNSER:

Für uns ist es manchmal unheimlich schwierig, an den Verein heranzukommen. Fällt Euch das leichter, habt Ihr da einen “heißen Draht”?

Uli:

Es kommt darauf an, zu welchen Personen. Es ist z.B. sehr schwierig, den Manager zu erreichen. Das liegt aber allein daran, daß der auch Termine ohne Ende hat.

Mit den Spielern ist es ganz einfach. Über die Spieler wird zwar unheimlich viel berichtet, aber unter der Woche ist kaum jemand da. Und wenn man dann ständig präsent ist, merken die Spieler halt, daß man interessiert ist, kennen dein Gesicht und dann geht das relativ unproblematisch.

SCHALKE UNSER:

Was findest Du verbesserungswürdig, z.B. an der Pressearbeit von Schalke 04?

Thomas:

Die ist schon sehr viel besser geworden, insgesamt besser organisiert. Alle Leute suchen nach Neuzugängen, aber da bekommt man nichts mehr raus, da halten die dicht. Aber sonst werden wir gut versorgt. Natürlich ist das PR. Das ist Öffentlichkeitsarbeit, die nicht in erster Linie Probleme anspricht, aber das kann man ja auch nicht erwarten.

SCHALKE UNSER:

Bald kann man wahrscheinlich Lars Ricken als aufblasbare Puppe kaufen. Wie seht Ihr diese Entwicklung, kann es noch schlimmer werden? Ist ein Ende dieses Wahnsinns in Sicht?

Uli:

Tja, daß der nicht aufhören wird und daß der noch absurdere Blüten treibt, das befürchte ich. Man hat das Gefühl, die glauben, daß Fußball-Fans per se dumm sind. Anders kann ich mir manche Dinge nicht erklären. Und ich muß gestehen, leider haben sie in manchen Fällen auch nicht ganz unrecht. Wenn ich da an unser Kaufhaus in Witten denke, wo es also nach Dominosteinen, Milch und Joghurt alles in gelb-schwarz gibt. Entsprechend teurer natürlich wegen der Lizenzgebühren, und die Leute kaufen das wirklich! In diesem Umfeld fühle ich mich natürlich sehr deplaziert.

Wenn das die neuen Fußball-Fans sind, habe ich damit wenig zu tun. Und ich fühle mich dann auch so ein Stück unglücklich, weil ich ein besonderes Bild von dieser besonderen Art der Freizeitgestaltung hatte. Das war für mich immer eine Mischung aus Augenzwinkerei und Ernsthaftigkeit, aus Affenliebe, auch Distanz - also ‘ne schwierige Sache, die man natürlich überhaupt nicht unterbringen kann in so einer “Fankultur” mit “Popstars”. Ich habe ein völlig anderes Bild, und das stimmt nicht überein mit diesen Abziehbildern. Da werden Klischees aufgebaut und bedient. Ich laß’ mich ungern verarschen. Ich habe immer die Hoffnung gehabt, daß das viele sagen: “Haut doch ab mit Eurem Scheiß-Marketing!” Da habe ich sehr drauf gesetzt und das ist leider nicht eingetroffen.

SCHALKE UNSER:

Wie werden die nächsten zehn Jahre? Endlich pink wie die Gazzetta dello Sport? Welche Entwicklung ist beim Reviersport zu erwarten?

Uli:

Ich spreche mal für den Verlag. In der Tat ist es für uns ein ständiger Überlebenskampf, wir sind nicht auf Rosen gebettet und wir müssen gucken, wie wir überleben. Wir profitieren aber im Moment auch ein Stück von diesem Boom, auch von der glücklichen Situation, daß es da spannende Spielpaarungen gibt und damit auch ein großes öffentliches Interesse. Wir hoffen, daß wir in den nächsten zehn Jahren eine farbige, spannende Zeitung machen können, und versuchen, mit jeder Ausgabe besser zu werden. Außerdem werden wir zukünftig auch eine Montagsausgabe machen, um auch den Sonntagssport mitzunehmen, also vor allem den Amateurfußball. Das ist ein ganz wichtiges Standbein für uns, da berichtet keiner drüber. Wir werden in Zukunft dreimal wöchentlich erscheinen. Und auf jeden Fall nicht in Pink.

SCHALKE UNSER:

Was haltet Ihr als Profis von der Rechtschreibreform?

Thomas:

(lachend) Nicht nur, daß wir sie verinnerlicht haben, wir praktizieren sie ja schon seit Jahren…

Uli:

Im Ernst, aufgrund der technischen Notwendigkeiten und der Tatsache, daß wir in vier Stunden 25 Seiten produzieren müssen, sind Fehler drin, Punkt. Die Zeit geht rum wie nix, und besser kann man es kaum machen.

SCHALKE UNSER:

Thomas, jetzt wirst Du geoutet, jetzt geht’s um Deine heimlichen Bräute. Was sagten Dir die Nummer “7″ und “Dieux”?

Thomas:

(lacht) Ja, Gott wandelt auf Erden… im Trikot von Manchester United. Ich bin natürlich Schalke-Fan, ich bin aber auch ebenso großer Bewunderer des englischen Fußballs wegen der Spielart. Seitdem ich für den Reviersport arbeite, kann ich auch nicht mehr in der Kurve stehen und muß die Sache rational von der Pressetribüne aus betrachten. Das gelingt mir zwar auch nicht immer, es gibt immer Momente, da bricht das Fan-Sein durch. Wenn Andi Müller das 2:1 gegen Bayern schießt oder wenn vor dem Spiel gegen Valencia Stimmung ohne Ende im Parkstadion ist, da gehen mir echt noch Gänsehäute rauf und runter. Aber dort kann ich das nicht ausleben, und insofern ist es dann gut, wenn ich noch einen anderen Verein habe, nämlich Manchester United, um meine Fußballeidenschaft richtig ausleben zu können.

SCHALKE UNSER:

Wie seht Ihr die Fanszene ?

Uli:

Wichtig ist, daß es nicht nur den konsumierenden Fan gibt, sondern auch Fans, die den Fußball und auch den eigenen Verein, kritisch hinterfragen. Ihr schafft es jedesmal aufs Neue, mit dem SCHALKE UNSER auf ironische Art und Weise auf Mißstände aufmerksam zu machen. Das zeigt, es gibt einen “neuen” Fan, der nicht nur konsumieren will, sondern aus Spaß an der Sache dabei ist und daß Fußball auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Das ist eine wichtige Entwicklung, die ein Stück der Fußballkultur erhalten kann. Im Prinzip eine logische Gegenentwicklung gegen die Hool- und Faschoszene, die sich im Fußballumfeld breitgemacht hat.

SCHALKE UNSER:

Auf die nächsten zehn Jahre. Glückauf.


Wir machen Druck