Nummer 45 - 2005/02
Auszüge aus dieser Ausgabe:
Attacke - Sie sind wieder da!
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 26
„Schalke ist eine heilige Kuh“ - Interview mit Carmen Thomas
Terminal
Attacke - Sie sind wieder da!
Leider. Und zwar nicht nur in Sachsen, wo die dortigen NPD-Parlamentarier ihre Freiheit demonstrierten „frei“ im Sinne der Abwesenheit von jeglichem historischen Urteilsvermögen und politischer Moral.
Nein, sie sind auch unter uns – in der Arena (unter anderem unten in Block K), in der Stadt, im Umfeld. Mal gut getarnt, mal weniger gut: Schwarz-weiß-rote Schals mit „Großdeutscher Meister“ hängt sich so mancher um den Hals. Bislang dachte unsereins doch immer, die Schalker Farben wären Blau und Weiß. Haben wir uns so geirrt? Ist „Großdeutschland“ wichtiger als Schalke?
Allerdings: von Gesetz wegen verboten ist das nicht. Sehr wohl verboten ist allerdings das öffentliche Zeigen des Hitler-Grußes. In Italien hingegen grüßte man dergestalt den faschistischen Diktator und Hitlerfreund Mussolini – sofern der Original-Gröfaz nicht gerade auf Italien-Urlaub im Land weilte.
Sympathisanten beider Diktatoren finden sich bekanntlich in der Kurve von Lazio Rom. Darum hat es selbstverständlich überhaupt keine “politische” Aussage, wenn ein Herr de Canio, seines Zeichens Stürmer bei Lazio, mit unverhohlener Aggression ebendiese Kurve mit ebendiesem Gruß grüßt. Kein Zufall ist, wenn man trotzdem lacht. Nee, lustig ist das nicht.
In Deutschland ist der Hitlergruß strafbar. Auch in Bochum. Angeblich. Allerdings wohl dann nicht, wenn man in eindeutiger Pose die nach Lüttich abreisenden Busse mit Fans des Schon-wieder-Absteigers VfL grüßt und dies von mehreren Zeugen glaubhaft vor Gericht versichert wird.
Von derlei Zeugenaussagen unbeeindruckt, hält der Richter am Amtsgericht zu Bochum die „Hab-acht-Pose“ inklusive stramm ausgestrecktem rechten Arm für ein harmloses “Winken”. Klar. Ob allerdings auch die Bochumer Fans, die sich unfreiwillig dieser Geste ausgesetzt sahen - anders als besagter Richter einen „Zweifel am subjektiven Tatbestand“ gehabt haben, möchten wir mit der gebotenen Zurückhaltung bezweifeln.
Welche Handhabe will der Rechtsstaat gegen mittlerweile subtil und getarnt vorgehende Neo-Nazis denn überhaupt noch haben, wenn er sich noch nicht einmal dazu durchringen kann, gegen offen zur Schau getragene, strafbare braune Handlungen vorzugehen?
Die schönsten Skandale des FC Schalke 04 Teil 26
(rk) Günter Eichberg hatte mit seiner MarketingGmbH Schulden in Millionenhöhe angehäuft. Niemand hatte noch den Durchblick. Und sportlich war Schalke unter Trainer Helmut Schulte zum Abschuss freigegeben. Konzeptlos, kopflos, und nun feuerte die Presse gegen Schalke.
Im Kampf gegen die „rote Laterne“ empfing Schalke den punktgleichen SC Freiburg, und nach der 1:3-Schlappe herrschte absolute Ratlosigkeit und Alarmstufe Eins. Konzeptionslos, ohne Selbstvertrauen und vor allem ohne die nötige kämpferische Leistung traten die Schalker an. „Ich schließe gar nichts mehr aus“, ließ Eichberg verlautbaren und nährte damit weitere Spekulationen um einen erneuten Trainer-Rausschmiss und seinen eigenen Rücktritt.
Wie aber sollte es weiter gehen? Rudi Assauer wusch seinen Spielern den Kopf, nachdem Helmut Schulte sein letztes Training auf Schalke geleitet hatte. Über Schalke grollte der Himmel. Dem Donnergrollen folgte der Rausschmiss. Eine Überraschung war dies freilich nicht, stand Schulte doch schon lange im Kreuzfeuer der Kritik. Neuer Chef-Trainer wurde Jörg Berger, der in der letzten Saison beim 1. FC Köln entlassen worden war.
Wieder ein glückliches Händchen von Rudi Assauer, wie sich noch zeigen sollte. Jörg Berger erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 1994 - so lange war eigentlich auch Helmut Schulte an den Verein gebunden. „Wenn man da unten drinsteckt, muss man die Ärmel hochkrempeln“, floskelte der gebürtige Sachse, der sich in der Vergangenheit auch schon bei Eintracht Frankfurt den Ruf eines „Feuerwehrmanns“ verdient hatte.
Der neue Mann arbeitete zunächst ohne Co-Trainer, da Schalke 04 auch Jupp Koitka beurlaubt hatte. Später wurde ihm Hubert Neu zur Seite gestellt. Jörg Bergers Einstieg stand unter keinem guten Stern. In Leverkusen gab es bei der 1:5-Klatsche deftige Prügel. Jens Lehmann wurde nach dem 3:0 zum Buhmann der Fans. Mit „Lehmann raus“ und „Gehrke rein“ forderten die zahlreichen Schalker Anhänger einen Torwartwechsel. Trainer Berger reagierte zur Pause, ließ Lehmann in der Kabine und brachte Gehrke. „Ich wollte Lehmann schützen vor den Rufen der Zuschauer, seine Nerven waren sehr angespannt“, begründete der Coach seine Auswechslung. Jens Lehmann war fix und alle und fuhr noch vor dem Abpfiff mit der S-Bahn nach Hause.
Florida-Boy
Aber die eigentliche Bombe platzte einen Tag nach der Niederlage: Am Sonntag trat Präsident Günter Eichberg von seinem Amt zurück, das er seit dem 16. Januar 1989 inne hatte. Ausschlaggebend für diesen überraschenden Schritt war nicht die sportlich prekäre Situation des Altmeisters, sondern - wie es in der Pressemitteilung des Vereins hieß - vielmehr geschäftliche Gründe. Danach fehle Eichberg zukünftig die Zeit, das Amt des Präsidenten auszufüllen. Er wollte seine geschäftlichen Aktivitäten künftig ins Ausland verlagern und flog noch am selben Tag nach Palm Beach, Florida.
„Ich trete als Präsident zurück, aber ich stehe bis zu einer außerordentlichen Versammlung, die für Januar angesetzt ist, in einem zeitlich begrenzten Rahmen weiterhin zur Verfügung“, erklärte Eichberg. Seine Entscheidung fiel dabei nicht erst an diesem Wochenende, vielmehr hatte er seine engsten Mitarbeiter - da runter Rudi Assauer und Rüdiger Höffken - schon im Vorfeld über seinem Entschluss informiert.
Der Kapitän ging von Bord und hinterließ unter allen Schalke-Fans große Verunsicherung. Seine Verdienste waren unbestritten: Er hatte nach seiner Wahl das Feuer wieder entfacht und in einer Situation das Ruder übernommen, als Schalke sogar ins Amateurlager abzurutschen drohte. Er steigerte die Mitgliederzahl auf 17.000, der Zuschauerschnitt schnellte auf über 40.000 empor. Deutliche Belege, die sich auch sportlich niederschlugen. Mit Millionen-Investitionen erzwang der Präsident die Rückkehr in die erste Bundesliga, doch dann stockte der Fahrstuhl nach oben.
Ein Nachfolger war noch nicht in Sicht. Jürgen W. Möllemann wurde zwar ins Gespräch gebracht, lehnte aber dankend ab. Das Nervenkostüm der Mannschaft war sichtlich angeschlagen. Und so war es auch kein Wunder, dass gegen Dynamo Dresden gerade mal ein 0:0 heraussprang.

Der „Spiegel“-Report
Ein Berg von Schulden und dazu noch Steuerbetrug, Finanztricks, Pfändungen, ungedeckte Bürgschaften, Lizenzerschleichung und Schiedsrichterbestechung - eine Woche nach dem Rücktritt seines Präsidenten Günter Eichberg sah sich der FC Schalke 04 mit einer Flut von massiven Vorwürfen des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ konfrontiert. Verantwortlich für das Chaos beim Tabellenletzten sollte laut „Spiegel“ der „Scharlatan“ Günter Eichberg sein, der Verbindlichkeiten in Höhe von 100 Millionen Mark zwischen dem Verein, der inzwischen aufgelösten Marketing-GmbH und seinen Kliniken hin- und hergeschoben und Schalke in den finanziellen Ruin getrieben haben soll.
Günter Eichberg erklärte zu den Vorwürfen: „Ich bin völlig geschockt. Das ist eine Katastrophe. Durch diese Vorwürfe entsteht ein Schaden im Hinblick auf den Verkauf meiner Kliniken. Ich werde gegen diese ungeheuren Anschuldigungen vorgehen. Der Wahrheitsgehalt liegt unter zehn Prozent.“ Rudi Assauer wies die Anschuldigungen ebenfalls zurück: „Alles Quatsch.“ Geschäftsführer Peter Peters versuchte die Vorwürfe Punkt für Punkt zu entkräften: „Auf Schalke geht auch in wirtschaftlicher Sicht nicht das Licht aus, wenn Günter Eichberg nicht mehr für einen zweistelligen Millionenbetrag bürgen kann.“
Unter der Regie von Eichberg sollte Schalke sich zudem die Lizenz vom DFB erschlichen haben, indem der Club-Boss zunächst Spieler aus eigener Tasche finanziert und damit die DFB-Auflagen umgangen, sein Geld jedoch später aus der Marketing-GmbH zurückgeholt hätte. Höffken bestritt dieses Vorgehen auch nicht: „Unsere Verpflichtungen sind in die Marketing-GmbH eingeflossen und übernommen worden. Darüber war auch der DFB informiert.“
DFB-Liga-Direktor Wilfried Straub kündigte eine genaue Untersuchung an. Dem Vorwurf der Schiedsrichter-Bestechung - Referee Manfred Neuner aus Leimen soll zu seinem 100. Spiel ein Jagdgewehr im Wert von 30.000 Mark erhalten haben - wurde ebenfalls widersprochen: „Ein normaler Vorgang, von dem der DFB unterrichtet war. Das Gewehr kostete auch nur 3000 bis 4000 Mark.“
Die „Spiegel“-Vorwürfe hatten die Verunsicherung auf Schalke über die sportliche und wirtschaftliche Zukunft des Vereins ins Unermessliche wachsen lassen. Man wartete nun sehnsüchtig auf Günter Eichberg, der in den nächsten Tagen aus den USA zurück erwartet wurde. Schalke nahm sich den „Spiegel-Report“ Stück für Stück vor. Ex-Schalker Antoine Hey, den der Verein inzwischen an TeBe Berlin losgeworden war, hatte darin von „ungedeckten Schecks“ gesprochen.
Dem entgegnete Holger Gehrke: „Ich habe zehn Jahre lang bei BW 90 Berlin mein Geld nicht pünktlich erhalten. In Schalke herrschen dagegen paradiesische Zustände. Wenn die anderen Teile des Berichts ähnlich recherchiert sind, dann gute Nacht.“ „Antoine Hey wird von nun an keine Ruhe mehr vor uns haben“, kündigte Assauer eine Klage an. Rückendeckung beim Vorwurf der Lizenzerschleichung erhielt der Verein von DFB-Präsident Egidius Braun: „Wir haben seitens des DFB alles Menschenmögliche getan, damit die Prüfung der Schalker Lizenz niet- und nagelfest ist.“
Noch war offen, wer den „Spiegel“ informierte hatte. Helmut Kremers bestritt, der Zeitschrift Auskunft erteilt zu haben. Schalke wehrte sich jedenfalls mit Händen und Füßen. Eine fünfseitige Dokumentation wurde verfasst und notariell beglaubigt. Der „Spiegel“ aber blieb bei seiner Darstellung und lehnte eine Gegendarstellung ab.
Die Spitze des Eichbergs
Die Schalker Mannschaft hatte indes nichts mehr zu verlieren, doch selbst das letzte Aufbäumen half nicht: 0:3 in Stuttgart. Neue Veröffentlichungen des „Spiegel“ hatten die Banken veranlasst, sich um Einsicht in die Geschäfte der aufgelösten Marketing-GmbH zu bemühen. Ein Funktionär kalauerte gegenüber dem „Spiegel“: „Wir kennen nur die Spitze des Eichbergs.“
Günter Eichberg, der mit seinen Krampfader-Kliniken ein gut gehendes Geschäft betrieb, war mittlerweile hoch verschuldet. Bei seinen deutschen Bankiers hatte er sich knapp 90 Millionen Mark gepumpt, so der „Spiegel“. Alle Versuche, seine Kliniken zu verkaufen, waren bislang gescheitert. Und: „Vermutlich zwischen 15 und 20 Millionen Mark hat er in Schalke gelassen.“ Die Schalker Marketing-GmbH sei die „Treuhand vom Revier“ gewesen.
Nach neuen „Spiegel“-Informationen lägen die Verbindlichkeiten des Clubs bei 13,2 Millionen Mark. Schalkes Verwaltungsrat (Vorsitzender Jürgen Möllemann) trüge dabei erhebliche Mitschuld an den Verfehlungen des zurückgetretenen Präsidenten - die Kontrollorgane des Vereins hätten versag, hieß es in dem Bericht. Der Verwaltungsrat sei es gewesen, der am 10. Juli 1991 auf Eichbergs Druck die Kompetenzen der Marketing-GmbH entscheidend ausweitete. Die Schalker Aufseher hätten dem Treiben des Finanzjongleurs Eichberg zugesehen, obwohl Insider die Funktionäre mehrfach vor Eichbergs Machenschaften gewarnt hätten. Die Bücher wurden geführt „wie beim Taubenzüchterverein“, so ein Verwaltungsratsmitglied gegenüber dem „Spiegel“.
Letzter Strohhalm
Jörg Berger redete eindringlich auf seine Spieler ein: „Jungs, die Existenz steht auf dem Spiel“. Schalke ergriff den letzten Strohhalm und gewann mit 3:1 gegen den VfB Leipzig. Es fiel gehörig Ballast von den Schalker Spielern, alles wartete nun gespannt auf den Auftritt von Günter Eichberg im aktuellen Sportstudio. Dort erklärte er, dass er frühestens in zwei Wochen aus den USA zurückkehren werde, um die Affäre um Schalke und seine Person zu bereinigen: „Ich werde mich bis dahin sehr intensiv um meine Geschäfte kümmern. Nachdem ein Geschäft mit einem holländischen Partner geplatzt ist, bin ich bestrebt, die Angelegenheit mit meinem neuen Geschäftspartner in den USA in Ordnung zu bringen.“
Die Vorwürfe des Nachrichtenmagazins wies er erneut zurück, sagte aber, dass die Marketing-GmbH gegründet worden sei, um finanzielle Mittel für Transfers bereit zu stellen. Es sei zwischen dem Verein und der GmbH vereinbart gewesen, dass die Gelder durch Werbeeinnahmen an die GmbH zurückfließen. Zudem habe er persönlich die Transferrechte für Radmilo Mihajlovic, Bent Christensen und Uwe Scherr ohne Rückzahlung an den Verein abgetreten. Dabei habe er zwölf Millionen Mark aus eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt. Beim nächsten Auswärtsspiel wieder ein 0:1-Dämpfer und das, obwohl in der Schlussphase Duisburgs Tor unter Dauerdruck stand.
Umso schöner, dass Youri Mulder beim 1:1 drei Minuten vor Schluss gegen die Bayern traf. Noch schöner, dass Schalke so langsam wieder Selbstvertrauen tankte, was die Mannschaft beim 4:1 über Wattenscheid eindrucksvoll unter Beweis stellte. Die Schalker Spieler hatten so langsam Jörg Bergers Lektion verstanden. Besonders setzte Berger dabei auf Freistoß-Varianten, von denen gleich zwei beim Spiel gegen Wattenscheid zum Erfolg führten.
Vor dem Revier-Derby gegen den BVB meldete sich Günter Eichberg zurück. Über den möglichen Verkauf seiner Kliniken wollte er aber keine Auskünfte erteilen. „Als wir gehört haben, dass Eichberg wieder im Lande ist, haben wir ihn zu einer Vorstands- und Verwaltungsratssitzung eingeladen“, erklärte Möllemann. Darin ging es aber weniger um die „Spiegel“-Affäre, sondern vielmehr um einen Präsidentschaftsnachfolger. Als
Kandidaten waren im Spiel: Bernd Tönnies, Fleisch- und Wurstfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück, und der Textilfabrikant Walther Seinsch.
„Wir haben zum ersten Mal in diesem Jahr eine kleine Serie gestartet“, gab sich Berger nach dem 1:1 über den Reviernachbarn optimistisch. Drei Spiele hintereinander unbesiegt - das war ein Anfang. Peter Sendscheid hatte Schalke in Führung gebracht, doch Sammer hatte mit einem Solo-Lauf zum 1:1 noch ausgleichen können.
Gegendarstellung
Am darauffolgenden Montag dann die nächste Bombe: Günter Eichberg lud zur Pressekonferenz und wollte den Spieß umdrehen. Er kündigte an, den „Spiegel“ auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe zu verklagen. Die Höhe des Schmerzensgeldes sollte nach den Vorstellungen seines Anwalts, Dr. Reinhard Rauball, zwischen 50 und 100 Millionen Dollar liegen. Diese Klage sollte in den USA geführt werden, weil dort die Erfolgsaussichten und die Summen in Sachen Schmerzensgeld größer als in der Bundesrepublik sind. Zusätzlich sollte in Deutschland eine Klage auf Schadenersatz geführt werden.
Weiter wies er alle Vorwürfe des Hamburger Magazins zurück, das am Tag zuvor die gerichtliche Auflage der vom FC Schalke 04 durchgesetzten Gegendarstellung erfüllte. Eichberg betonte: „Die Kernvorwürfe der unehrenhaften Tätigkeit und der persönlichen Bereicherung sind nicht aufrechtzuerhalten!“ Dazu verlas Dr. Rauball eine vom Gelsenkirchener Notar Klaus Speich beglaubigte Urkunde, in der die Ergebnisse der auf Eichbergs Veranlassung von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfungsunternehmen überprüften Geschäftsverbindungen zwischen dem FC Schalke 04, der Schalker Marketing-GmbH und Eichbergs Kliniken festgehalten worden waren und in der es hieß, dass die vom Spiegel erhobenen Vorwürfe absolut haltlos seien.
Der Gerichtsclinch zwischen dem FC Schalke 04 und dem „Spiegel“ erhielt eine weitere Fortsetzung. Der Verein klagte erneut. Nachdem in der letzten Ausgabe der Zeitschrift nach wochenlangem Ringen die Gegendarstellung des Vereins gedruckt worden war, konnte es sich die Redaktion nicht verkneifen, diese durch eine Anmerkung zu ergänzen. In dieser hieß es sinngemäß: Der Schalker Verwaltungsrat habe in einem internen Papier das Fazit gezogen, dass der Verein überschuldet sei und eigentlich Konkurs anmelden müsse. Gegen diese Behauptung wollten die Schalker eine erneute Gegendarstellung und eine Unterlassungsverpflichtungserklärung erwirken.
Später sollte der „Spiegel“ veranlasst werden, einen Widerruf zu drucken. „Dieses interne Papier, von dem im Magazin die Rede ist, war der Diskussionsbeitrag eines Verwaltungsratsmitglieds und stellte zu keiner Zeit die Meinung des gesamten Gremiums dar“, erklärte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters. Die Schalker Mannschaft hatte sich indes gefangen, mit einem 1:0 über den HSV ging man in die Winterpause. Die Auseinandersetzungen zwischen dem „Spiegel“ und Günter Eichberg schienen kein Ende zu nehmen.
In seiner neuen Ausgabe erhob das Magazin trotz einer von Eichberg angekündigten Millionen-Schadensersatzklage unter dem Titel „Zaubern in der Grauzone“ neue Vorwürfe und berichtete, Eichberg habe mittlerweile Schulden in Höhe von insgesamt 140 Millionen Mark bei verschiedenen Banken und „ehemaligen Freunden wie Schalkes Schatzmeister Rüdiger Höffken oder seiner einstigen Lebensgefährtin Christa Paas“ aufgetürmt. Der „Spiegel“ berief sich dabei auf Berechnungen, die auf ein Treffen von Schuldnern und Gläubigern am vorausgegangenen Montag zurückgingen. Angeführt sei die Gläubigerversammlung gewesen von Vertretern der Westdeutschen Landesbank (WestLB) und dem Hamburger Bankhaus „Marcard, Stein & Co“. Berechnungen hätten ergeben, dass Eichberg bei elf Banken mit 110 Millionen Mark in der Kreide stünde.
Weitere 30 Millionen schulde er „ehemaligen Freunden“ wie Höffken und Paas. Die Geldhäuser plage die Ungewissheit, „ob Eichberg noch ein paar private Schulden in den USA oder sonstwo in der Welt hat“.
Weiter berichtet der „Spiegel“, dass am Mittwoch ein „Moratorium“ für Eichberg und sein Vermögen beschlossen werden soll: „Bis zum 31. März nächsten Jahres wird die Zahlung von Zins und Tilgung ausgesetzt. In dieser Zeit soll Eichberg im Gegenzug seine Krampfaderkliniken verkaufen.“ In der Gläubiger-Versammlung sei ein potentieller Käufer genannt worden, der das „wacklige Klinik-Imperium für 80 Millionen Mark kaufen möchte“.
Manche Bankiers würden jedoch nicht mehr daran glauben, dass Eichberg seine gesamten Schulden jemals zurückzahlen kann. Auch Eichbergs Dementis und seine Erklärung vom 6. Dezember wurden vom „Spiegel“ aufs Korn genommen: „Das Zaubern in der Grauzone ist seit jeher Eichbergs Spezialität.
Meisterhaft verstand er es, auf seiner Rehabilitations-Pressekonferenz im Schalker Klubhaus mit vielen Worten und wenig Fakten die konkreten Vorwürfe des Spiegel zu verharmlosen, um statt dessen Anschuldigungen zu entkräften, die überhaupt nicht erhoben wurden“, hieß es.
Mit Eichberg war es aus. Auch die einstweilige Verfügung gegen den „Spiegel“ musste aufgehoben werden. Die Schalker Fans hatte keinerlei Vertrauen mehr in den Mann, er schuldet dem Verein wahrscheinlich noch bis heute einen einstelligen Millionenbetrag. Doch so genau weiß das wohl keiner. Schalke am Ende? Schalke steht immer wieder auf! Dieses und vieles mehr in der nächsten Ausgabe des SCHALKE UNSER.
„Schalke ist eine heilige Kuh“
(rk) Ein einfacher Versprecher hat ihr Leben verändert. „Schalke 05“ - ein simpler Verdreher - und nichts blieb mehr so wie es war. SCHALKE UNSER sprach mit der Geschäftsführerin der „1. ModerationsAkademie für Medien und Wirtschaft“, Carmen Thomas, über die unterschiedlichsten Folgen dieses „unmöglichen“ Versprechers für sie als Journalistin, als Coach und Bestseller-Autorin, über die Macht der Bild-Zeitung und das Benutzen und Gurgeln von Eigenurin.
SCHALKE UNSER:
Frau Thomas, Schalke ist im letzten Jahr einhundert Jahre alt geworden. Wäre es nach Ihnen gegangen, so würden wir dieses Jubiläum erst in diesem Jahr feiern.
CARMEN THOMAS:
Aber nicht doch. Vor einiger Zeit hat mir ein Zuschauer ein Fußball-Vereins-Blättchen aus dem Jahre 1949 zugeschickt. Schon damals stand dort ebenfalls „Schalke 05“ geschrieben. Sie sehen, die alleinige Urheberschaft besitze ich nicht. Vielleicht lohnt es ja, das Gründungsdatum noch mal zu überprüfen.
SCHALKE UNSER:
Der Versprecher ist nun fast 32 Jahre her, trotzdem ist er allen noch gut in Erinnerung, weil es sich wohl um den bekanntesten Lapsus der deutschen Sport-Journaille handelt. Wie oft werden Sie heute noch darauf angesprochen?
CARMEN THOMAS:
Praktisch Woche für Woche. Wo immer ich bin. Ob als Touristin verkleidet oder im Beruf: „Schalke“ begleitet mein Leben. Eine Geschichte war, als ich mir ein Visum bei der Botschaft von Tansania in Bonn besorgen wollte. Bei dem tiefschwarzen Pförtner dachte ich so bei mir, ob ich ihn überhaupt auf deutsch ansprechen kann. Doch noch bevor ich den Mund aufmachen konnte, lächelte er mich mit einer Perlenkette von ca. 54 Zähnen strahlend an und sagte: „Ooh, Schalke 05“. Das war schon unerwartet komisch.
SCHALKE UNSER:
Das hat ja etwas von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Empfinden Sie „Schalke 05“ als zweiten Schatten?
CARMEN THOMAS:
Aber nein. Im Gegenteil. Ich verdanke diesem Versprecher besonders viel Sonne in Form von wichtigen Einsichten, die seit 25 Jahren vor allem zu meinem unöffentlichen 2. Berufsbein, dem Coaching für interne und externe Kommunikation gehören.
Wenn es sich damals tatsächlich um eine echte, und damit mir selbst peinliche Wissenslücke gehandelt hätte, wäre ich früher sicher nicht so locker und unbefangen damit umgegangen. Aber Schalke! Das wusste und weiß doch jeder. Und natürlich wusste auch jeder, selbst die ärgsten Feinde, dass ich es wusste. Das Ganze war ja nur ein simpler Dreher: Am 21. Juli 1973 verlor Schalke in der Intertoto-Runde gegen Standard Lüttich sein letztes Spiel in der Glückauf-Kampfbahn. Im Aktuellen Sportstudio warf ich einen Blick auf meine Moderationskarte: „Fünf Vereine heute in der Intertoto-Runde“ stand da, und „Schalke“. Aber im Geiste war ich schon beim Schalker Gegner. Und da ist es halt passiert: „Schalke 05“.
Ich selbst habe den Versprecher gar nicht bemerkt. Die Regie machte mich erst während des Beitrags darauf aufmerksam. Ich korrigierte dann wenig demütig, dass die echten Fans jetzt wieder aus ihrer Ohnmacht erwachen könnten. Ich hielt das Ganze für eine Lappalie. Dass diese Einschätzung richtig war, erkennen Sie daran, dass auch in den Medien 14 Tage lang gar nichts passierte.
SCHALKE UNSER:
Bis dann die Bild-Zeitung auf der ersten Seite groß aufmachte.
CARMEN THOMAS:
Genau. Alles war zunächst ganz ruhig. Keine echten Zuschauerreaktionen. Nicht einmal der Verein Schalke reagierte. Es sah so aus, als sei die „Fünf“ niemandem besonders aufgefallen. Dann jedoch, gut zwei Wochen später, titelte die Bild: „Carmen Thomas im ZDF-Sportstudio gescheitert.“
SCHALKE UNSER:
Welche Interessen hatte die Bild-Zeitung dabei?
CARMEN THOMAS:
Die haben einfach Spaß an Macht und wollten mit Politik machen. Denn dahinter steckte in Wahrheit ein ganz anderer Kampf: der um die Hauptabteilungs-Leitung Sport, um Enttäuschte und um die Philosophie des neuen Chefs: Hajo Friedrichs, eigentlich Politik- Redakteur, machte keinen Hehl daraus, was er vom „1:0-Journalismus“ - so nannte er Kollegen mit ausschließlich engem Fachverstand - hielt. Er wollte dem Sportstudio einen neuen Touch geben. Er wollte - Zitat - „Fußball mit Intelligenz gepaart“. Das aber schien manchem eine Ohrfeige und eine Bedrohung.
An meinen fachfremden Nachfolgern können Sie ja auch sehen, dass Friedrichs das Angedrohte nicht nur mit mir wahr machte. Und vergessen Sie nicht: Anfang der 70er Jahre waren auch diese enormen politischen Umbruchzeiten. Die „Bild“ stand im Kreuzfeuer der Kritik. Und da war es mir doch drei Monate zuvor vergönnt gewesen, die „BamS“ frisch beim Lügen zu überführen: Bereits nach meiner ersten Sendung hatte offenkundig jemand aus der Anti-Friedrichs-Liga den Auftrag gegeben, die Neue im Sportstudio „kaputtzuschreiben“, wie das so nett bei Journalistens heißt. Denn die Kritik, die ich zu Beginn der zweiten Sendung verlas, war bereits mittwochs im Andruck und Samstag eine Stunde vor Sendebeginn am Kiosk zu kaufen. Also nutzen sie dann das „05“ - ungenierlich zeitverzögert - um erstens „den Sack (die Moderatorin) zu hauen, obwohl der Esel (der Hauptabteilungsleiter Friedrichs) gemeint war“ und zweitens konnten sie sich für die Bloßstellung vom März 1973 noch nachträglich rächen.
Hinzu kam noch - für ihre jüngeren Leser - erst ab 1974 durfte die erste Frau Nachrichten im WDR-Hörfunk vorlesen. Erst 1986 durfte die erste Frau das WDR-Hörfunk-Mittagsmagazin moderieren. Und ich rede hier von 1986 und nicht 1886. Als mich Hanns-Joachim Friedrichs zum Aktuellen Sport-Studio empfahl und mich der damalige Leiter Kurt Meinicke für die erste Sendung holte, war ich 26 Jahre alt. Geplant war ich ursprünglich als Nachfolgerin von Wim Thoelke. Denn das ist ein beliebtes Muster: Frauen dürfen am ehesten in wirklich wichtige Positionen, wenn sie auf besonders „herausragende“ Männer folgen, deren Schlagschatten Männern selbst zu groß ist. Beispiele: Angela Merkel auf Helmut Kohl, Sandra Maischberger auf Alfred Biolek, Anke Engelkes auf Harald Schmidt, und - bei den Tagesthemen - Sabine Christiansen auf Hajo Friedrichs. Es ließen sich noch viele Beispiele nennen. Und so was macht die Sache in Wahrheit ja nicht gerade leichter.
SCHALKE UNSER:
Es wird auch heute noch kolportiert, dass Sie wegen des Versprechers „Schalke 05“ das Sportstudio verlassen mussten, obwohl Sie danach noch eineinhalb Jahre das Sportstudio moderiert haben. Warum meinen Sie, hält sich dieses hartnäckige Gerücht bis heute?
CARMEN THOMAS:
Vermutlich lag das Gerücht auch im Zeitgeist des gesellschaftlichen Interesses: die letzte Männer-Bastion. Ein Bereich mal ohne Frauen. Und das war ganz einfach fremd und eine echte Störung von geliebten Gepflogenheiten.
Und dann noch plötzlich so ein Frauen-Typ ohne Netzstrümpfe und Lider-Klappern. Eine, die das anders als gewohnt machte, und der auch anzumerken war, dass sie - durch ihren eigenen sportlichen Hintergrund - ein ziemlich kritisches Verhältnis zum Leistungssport und zu mancher Art von Funktionären hatte.
Und außerdem bewahrheitete sich, dass Gedrucktes sehr viel mächtiger sein kann als alles Gesendete. (Deswegen waren Moses und Luther vermutlich auch so erfolgreich.) Denn nach der Schlagzeile war die Wirklichkeit unwichtig: Ich galt als weg, und es störte die Legende nicht, dass ich noch zehn weitere Sendungen lang da war.
SCHALKE UNSER:
Dieser Versprecher hat sich geradezu in das Gedächtnis der Leute eingebrannt. Sie haben selbst mal den Vergleich gezogen, dass ein „VfB Bochum“ oder „1. FC Stuttgart“ niemals solche Ausmaße angenommen hätte.
CARMEN THOMAS:
Ja klar. Das liegt natürlich in erster Linie an der Prominenz vom FC Schalke. Schalke ist eine heilige Kuh und hat schließlich eine Gemeinde und keine Anhängerschaft.
Die Spiele auf Schalke kommen ja eher einem Gottesdienst gleich als einem normalen Fußballmatch. Der Name Ihres Magazins zielt ja genau in dieselbe Richtung. Ich habe richtig laut gelacht, als ich den Titel das erste Mal gelesen habe.
SCHALKE UNSER:
Im Rückblick: Hat Ihnen der Versprecher mehr genützt oder mehr geschadet?
CARMEN THOMAS:
Mal ganz ehrlich: Dieses eigenartige Reduzieren auf 05, das erstaunt und nervt manchmal etwas, wenn Sie sich überlegen, was für ungewöhnlich spannende Themen und Aufgaben mein Leben für das Publikum bietet.
Aber sonst - ganz eindeutig: „Schalke 05“ hat ausschließlich genützt. „Schalke 05“ ist es mit zu verdanken, dass die Erinnerung an die Moderation des Sportstudios permanent medienpräsent ist - in den merkwürdigsten Zusammenhängen. Denn ich selbst bin ja 1994 aus der Sendung „Hallo Ü-Wagen“ - nach auf den Tag genau zwanzig Jahren - und damit aus der größeren Öffentlichkeit ausgestiegen.
Auch der Anfangs-Erfolg von „Hallo Ü-Wagen“ hatte sicher etwas mit dem Versprecher zu tun. Denn zu Beginn war das Publikum ja enorm scheu.
Und da war für manche ein Motiv, sich die Frau, die „Schalke 05“ gesagt hat, mal aus der Nähe anzuschauen. Und wenn die sich versprochen hat, „dann versteht die einen auch, wenn man sich selbst verspricht“. Jawoll, das stimmt auch genau. Das Geheimnis: nur keine falsche Scheu.

SCHALKE UNSER:
Und das hat Sie auch mit dazu gebracht, Bücher über so eigenartige Themen zu schreiben wie über den Umgang mit Leichen und das Benutzen und Gurgeln von Eigenurin?
CARMEN THOMAS:
Insgesamt habe ich 14 Bücher geschrieben, von denen nur vier solche „eigenartigen“ Themen behandeln. Aber solche Themen sind auch nur solange eigenartig, bis man sich eingehender mit ihnen beschäftigt. Die anderen sind sehr ordentliche und hilfreiche Werke für alle, die sicher auftreten, Gruppen leiten und professioneller kommunizieren wollen. Und in Wahrheit handeln alle diese Bücher immer nur von einem Thema: „Wie gehen Menschen mit sich selbst um, und wie gehen sie mit anderen Menschen um?“
Dass ich überhaupt mit Bücher-Schreiben anfing, hat in der Tat mit der „05“-Erfahrung und mit der Macht des Gedruckten zu tun. Auch die Verleger, die sich an diese Tabu-Themen rantrauten, waren natürlich gerade durch die „05“-Folgen ermutigt.
Auch für viele Prominente und Spitzen-Kräfte aus Politik und Wirtschaft, die ich seit 1980 coache, spielte das „05“ oft eine äußerst vertrauensbildende Rolle, nach dem Motto: „Die weiß, wie es ist“. Bis heute profitieren alle in den Coachings und Seminaren von den „05“-Erfahrungen, weil Interessierte dort systematisch lernen können, wie sie: „aus jedem Fleck ein Blümchen, aus Schrott Steigbügel und - mit Gewinn - aus Dung Dünger machen können“. Und dass die „ModerationsAkademie“ sich mitten im Wort mit einem großen A schreibt, stammt auch aus der „05“-Erkenntnis, dass Falsches merkbarer ist als Richtiges. Vergleiche: „Ich habe fertig“.
SCHALKE UNSER:
Haben Sie heute noch weiteren Kontakt zum FC Schalke 04?
CARMEN THOMAS:
Im letzten Sommer war ich das allererste Mal „auf Schalke“. Rudi Assauer hatte mich im Rahmen der 100-Jahr-Feier eingeladen. Von dem enormen Stadion mit seinen Finessen, seiner tollen Atmosphäre und den treuen Fans war ich total beeindruckt. Der Stadionsprecher hat mich gemeinsam mit Assauer vor 61.000 interviewt. Das war schon ein Erlebnis.
Schade, leider wurde das Heimspiel gegen Hansa Rostock verloren. Und ich dachte schon, ich könnte als Glücksbringerin fungieren. Aber das hat leider nicht geklappt. Im Gegenteil: Ailton wurde wie ich finde, irrtümlich gesperrt, weil er eine südamerikanisch-übliche, unaggressive Handbewegung an eine Gegner-Wange gemacht hat, die ihm deutsch als Übergriff interpretiert wurde.
SCHALKE UNSER:
Man soll die Hoffnung bekanntlich nicht aufgehen, vielleicht klappt es bei Ihrem nächsten Besuch in der Arena, Sie sind auf jeden Fall gern gesehen. Vielen Dank für das Gespräch und Glückauf.
Terminal
(dr) Nein, es geht hier nicht um Oscars, Hollywood und Schauspielerei. Doch was sich rund um Schalkes UEFA-CupAuftritt bei den Hearts of Midlothian abspielte, liefert genug Stoff für eine Neuauflage des Films „Terminal“ oder auch „Fußball ist unser Leben, Teil II“. Wenn Schalke-Fans durch Europa reisen, erleben mehrere Gruppen - stets individuell reisend - ihre ganz persönlichen Abenteuer. Beleuchten wir doch mal die Erlebnisse von einigen Schalker Originalen.
Wir schreiben den 2.11.2004, als die User des Westline-Forums „Wuppi2“ und „Caipirinha“ sich früh morgens auf dem Weg zum Flughafen Haan entschließen, erst mal in Ruhe zu frühstücken, weil bis zum Hinflug „ja noch genug Zeit sei“.
Währenddessen werden unweit der verbotenen Stadt Abschiedsszenen von der Familie geprobt. Enatz, Jason, Guido und Raphael verabschieden sich von Kind und Kegel, um gemeinsam ein Schalke-Spiel auf der Insel zu sehen. Der Flug geht erst am anderen Morgen - natürlich kehrt man am Abend vorher bereits in einer zünftigen Gaststätte ein, um sich ordnungsgemäß auf die Tour einzustimmen.
In Altenberge packen die Mitglieder des ortsansässigen Fanclubs auch schon die Rucksäcke. Vom Flughafen Lüdenscheid geht es dann morgens, zusammen mit den Westlinern „Heo“, „youri“ und „Lofoten.de“ zunächst Richtung London. Wie sich schnell herausstellte, war es aber mit der Pünktlichkeit am Flughafen so eine Sache. Guido und Ele fanden den Weg aus der Kneipe leider nicht rechtzeitig, und auch „Wuppi 2“ und „Caipirinha“ waren zu spät in Haan. Die Anmerkung während des Frühstücks, „in einer Stunde sind wir in der Luft“ ließ die beiden zig Kilometer vor dem Eifelflughafen zwar schnell wach werden, doch Raynair hatte die Flüge eine Stunde vor Abflug bereits verkauft.

So ergab es sich dann, dass man auf harten Fliesen in der Abfertigungshalle schlafen musste. Guido und Raphael dagegen hatten Glück mit Easyjet. Man wurde einfach in die nächste Maschine gesetzt und war somit pünktlich auf der Insel.
Beim Zwischenstopp in Luton wurden allerdings drei weitere Schalker, deren Namen bis heute unbekannt sind, vor eine große Aufgabe gestellt. Aus „wait in lounge“ schlossen die drei, dass man nun die Wahl habe, am Gate zu warten oder noch mal essen zu gehen. Zitat: „Wait or Lunch!“ Ich muss jetzt nicht groß erwähnen, dass der eingelegte Lunch das Verpassen des Fliegers zur Folge hatte.
In Edinburgh angekommen, trafen dennoch alle besagten Personen recht schnell zusammen. Die Kneipen am Grass- und Haymarket waren recht schnell bevölkert und an Völkerverständigung ließ man es auch nicht fehlen. Nach dem Spiel tat sich hier besonders der Fanclub Altenberge/Buer hervor, der auf Grund seiner stimmungsvollen Einlagen von jedem Gast der Kneipe persönlich und per Handschlag verabschiedet wurde.

Auch der Royal Mail Service, der die Abrechnungen der täglichen Nachnahmesendungen gern bei vier bis fünf Pints in einer Kneipe macht, hatte Verständnis für die Souvenirsammelleidenschaft der Altenberger und schenkte den Jungs direkt ein paar rote Posttaschen, die kurzerhand auf dem Boden der Kneipe entleert worden waren. So trug es sich zu, dass die Jungs am Abflugtag natürlich völlig betrunken, in Heartstrikots und bewaffnet mit roten Posttaschen und abmontierten Parkverbotsschildern im Terminal eintrafen.
Raphael und der bissige Guido, die ja bereits den Hinflug verpasst hatten, wurden mit viel Beifall am Flughafen empfangen. Dass die beiden es geschafft hatten, pünktlich zum Flughafen zu kommen, grenzte eigentlich an ein Wunder. „Heo“ über die beiden: „Die zwei machen aus jeder Auswärtsfahrt einen Abenteuerurlaub. Die verlaufen sich auch in einer Telefonzelle. Der einzige Pluspunkt für die beiden ist ihr Organisationstalent. Kippen und Bier können die überall und in jeder Sprache schnorren.“
So wunderte es niemanden, als die beiden beim Zwischenstopp in Luton die versammelte Gruppe 15 Minuten vor Abflug fragte, ob man nicht mal langsam einchecken solle. Wieder hagelte es Beifall - nur kam diesmal noch Gelächter hinzu, denn alle anderen hatten bereits eingecheckt. Guido, dies zu seiner Entschuldigung, wollte seiner Tochter noch ein Souvenir kaufen. Erst als der Flieger abgehoben hatte, und die beiden nicht durch Anwesenheit glänzten, wurde den Kumpels Jason und Enatz bewusst, dass sie das gleich, in nicht wirklich nüchternem Zustand, den wartenden Frauen und Kindern am Flughafen in Lüdenscheid beizubringen hatten.
Und wenn es das nächste Mal heißt: „Wait in lounge“, nehmt besser keinen Imbiss. Ihr könntet etwas verpassen.

