Nummer 52 - 2006/11

Auszüge aus dieser Ausgabe:

„Schalke ist Motivation genug“ - Interview mit Kevin Kuranyi
Mit grün-blauer Regenjacke zum Pokal
Beraten und verkauft
„Rogon ist kein Problem“ - Interview mit Andreas Müller
Männerversteher



„Schalke ist Motivation genug“

SCHALKE UNSER:
Hast du Verständnis für Pfiffe aus den Reihen der Fans nach Spielen wie in Nancy und Leverkusen?

KEVIN KURANYI:
Es ist für uns Spieler schwer zu verstehen, wenn die Pfiffe schon kommen, obwohl das Spiel noch nicht vorbei ist, sondern weil ein Tor für den Gegner gefallen ist. Wenn wir so ein wichtiges Spiel wie in Nancy verlieren, kann ich das verstehen, weil wir nicht gezeigt haben, was wir wirklich können.

SCHALKE UNSER:
Wie steckt ihr denn so eine Niederlage weg? Ihr habt es doch in der Hand gehabt, es anders zu machen.

KEVIN KURANYI:
Das auf jeden Fall. Aber wir sind keine Maschinen. Es kommt vor, dass wir einfach einen schlechten Tag haben. Aber das ist natürlich keine Entschuldigung, wir müssen besser spielen und auf dem Platz zusammenhalten.

SCHALKE UNSER:
Der Verein hat hohe Erwartungen aufgebaut, spricht von „totaler Dominanz“ und hat einen Motivationstrainer engagiert. Bringt das in deinen Augen was, und wie nehmt ihr Spieler das an?

KEVIN KURANYI:
Der Slogan galt nur für das Trainingslager. Jeder hat seine Meinung darüber, man kann sich aber auch viel selbst motivieren. Ich glaube, wenn man hier auf Schalke ins Stadion einläuft und so viele Fans da sind - das ist Motivation genug.

SCHALKE UNSER:
In deiner Karriere hast du schon manches Mal ein Formtief gehabt: Nach glänzendem Start beim VfB Stuttgart waren deine Leistungen eher mäßig, du saßt zuweilen im Regionalliga-Team nur auf der Ersatzbank. Der Kicker hat sogar aufgelistet: 2003 waren es 579 Minuten ohne Tor, 2004: 798, 2005: 567. Jetzt aber, obwohl du triffst, ist von einer Krise die Rede.

KEVIN KURANYI:
Der Druck hier ist besonders groß, und man sucht immer einen Schuldigen. Bei der Ablöse, die Schalke für mich bezahlt hat, sind die Erwartungen sehr groß. Und diese Erwartungen muss ich erfüllen. Ich hoffe, dass mir das in dieser Saison gelingt.

SCHALKE UNSER:
Der größte Rückschlag war vermutlich, als Klinsmann angerufen hat und dir gesagt hat, dass du bei der WM nicht mitspielen wirst. Bist darüber hinweg?

KEVIN KURANYI:
Ja, es gibt gute und schlechte Zeiten. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich und schwer zu verarbeiten, aber ich habe es weggesteckt.

SCHALKE UNSER:
Wie ist das für dich, wenn jetzt die Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation wieder ohne dich spielt?

KEVIN KURANYI:
Ehrlich gesagt, habe ich nicht geguckt, sondern versucht, so wenig wie möglich zu sehen. Ich freue mich natürlich für das Team, weil dort viele Mannschaftskollegen sind, mit denen ich mich gut verstehe. Aber natürlich wäre ich schon gerne dabei.

SCHALKE UNSER:
Du bist Christ, hilft dir dein Glaube, über solche Rückschläge hinweg zu kommen?

KEVIN KURANYI:
Der Glaube hilft immer. Ich versuche jeden Tag zu beten und Hilfe bei Gott zu finden. Er gibt mir immer mehr Kraft, solche Sachen zu verarbeiten.

SCHALKE UNSER:
Einige Schalker Spieler treffen sich ja auch zu einem Bibelkreis.

KEVIN KURANYI:
Wir beten oft vor dem Spiel zusammen, dass kein Spieler - auch kein Gegenspieler - sich verletzt.

SCHALKE UNSER:
Wie stehst du zu dem Begriff „Fußballgott“?

KEVIN KURANYI:
Es gibt nur einen Gott, es gibt keinen Fußballgott, Tennisgott oder sowas. Wer weiß, vielleicht mag er Fußball, aber das heißt nicht, dass es einen Fußballgott gibt.

SCHALKE UNSER:
Seid ihr ein gut funktionierendes Team?

KEVIN KURANYI:
Es gibt Partien, in denen wir super zusammenspielen und sich jeder mit jedem versteht. Aber es gibt auch wieder kleine Probleme, die nicht gut für eine Mannschaft sind.

SCHALKE UNSER:
Beim Training haben wir vorhin gesehen, dass die Brasilianer der Mannschaft noch weiter trainiert haben.

KEVIN KURANYI:
Das hat nichts damit zu tun, dass wir Brasilianer sind. Es war übrigens auch ein junger deutscher Spieler dabei, der mehr machen wollte. An anderen Tagen trainieren deutsche Spieler, oder woher auch immer sie kommen, länger.

SCHALKE UNSER:
Sprecht ihr über Dinge, die von der Presse über euch geschrieben werden?

KEVIN KURANYI:
Nicht so oft, aber natürlich bekommt man das mit. Dann spricht man kurz darüber, aber wir versuchen, dem nicht zuviel Bedeutung beizumessen, weil immer wieder etwas Neues geschrieben wird.

SCHALKE UNSER:
Du hast gesagt, deine erste Saison auf Schalke sei schwierig gewesen.

KEVIN KURANYI:
Die Umstellung ist immer schwer. In Stuttgart habe ich viele Leute gekannt und meine Familie gehabt. Das musste sich erst ändern, ich musste die Leute kennenlernen und sehen, wie die Leute denken, was sie gut finden und was nicht.

SCHALKE UNSER:
Es hat eine Weile gedauert, bis du nach Schalke gekommen bist. Du hattest den Vertrag in Stuttgart noch verlängert, dann Kritik an der VfB-Vereinsführung geäußert und bist dann auf Schalke gekommen.

KEVIN KURANYI:
Es ging nicht um Kritik, dort sind Dinge passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Im Grunde war ich mit dem Verein im Reinen, aber ich habe mich gefreut, einen Schritt nach vorne machen zu können und mich weiterzuentwickeln.

SCHALKE UNSER:
Du hast dich neulich noch als „Stuttgarter Jung“ bezeichnet. Bist du jetzt auf Schalke angekommen?

KEVIN KURANYI:
Was heißt schon „Stuttgarter Jung“? Mein Vater ist Stuttgarter, ich habe dort lange gelebt. Man muss wissen, woher man kommt und was man dort Gutes bekommen hat. Das muss ich mir hier auch erarbeiten.

SCHALKE UNSER:
Aber du fährst angeblich nach wie vor zu deiner Friseurin nach Stuttgart.

KEVIN KURANYI:
Die ist immer die gleiche geblieben - aber jetzt ist sie nach Frankfurt gezogen. Deshalb fahre ich nicht mehr nach Stuttgart, sondern dahin.

SCHALKE UNSER:
Es gibt die Fotos im „Player“­Magazin, es ist viel über deinen Kinnbart geschrieben worden, den du pflegst. Ein Reporter zog gar einen bösen Vergleich und nannte dich die „Anna Kournikova der Bundesliga“: ein Spieler, der besser aussehe, als er Fußball spiele. Viele halten dich für eitel, bist du das?

KEVIN KURANYI:
Der Vergleich, den ihr da zitiert, hat mich damals sehr getroffen, weil er sehr ungerecht und respektlos war. Ich habe den betreffenden Journalisten zur Rede gestellt und er hat sich bei mir entschuldigt. Ja, ich bin eitel, und ich mag es, mich zu pflegen. Jeder hat seine persönliche Art und das ist meine. Aber jetzt sprechen wir nicht über den Fußballer, sondern über den Privatmenschen Kuranyi.

SCHALKE UNSER:
Von deinem Privatleben bekommt man sonst kaum etwas mit. Funktioniert das wirklich?

KEVIN KURANYI:
Natürlich ist es sehr schwer, wenig vom Privatleben preiszugeben. Die Leute wollen immer viel wissen und beschäftigen sich sehr damit, was man macht, wenn man nicht Fußball spielt. Ich versuche aber schon, so wenig wie möglich Einblick zu gewähren, weil ich denke, ein wenig Privatsphäre muss man in seinem Leben haben. Ich möchte damit meine Familie schützen.

SCHALKE UNSER:
Während der WM hast du ein Internet-Tagebuch für Microsoft geschrieben.

KEVIN KURANYI:
Das WM-Tagebuch dufte ich nicht schreiben, weil ich ja nicht dabei war.

SCHALKE UNSER:
Da gibt es aber auch noch das Gerücht, dass das ein Grund hätte sein können, dass du bei der WM nicht teilnehmen durftest, weil der DFB nicht wollte, dass das gemacht wird.

KEVIN KURANYI:
Entscheidend sollte doch die Leistung eines Spielers sein, oder? Ich hoffe nicht, dass das ein Grund war, gesagt hat mir das zumindest keiner.

SCHALKE UNSER:
Weißt du, wann Schalke das letzte Mal Meister war?

KEVIN KURANYI:
1958.

SCHALKE UNSER:
In deinem Tagebuch steht nämlich 1959.

KEVIN KURANYI:
Das war ein Fehler desjenigen, der das für mich schreibt. Ich telefoniere mit ihm und er formuliert meine Gedanken für mich. Damals hat er wohl diesen Fehler gemacht, der ihm sehr peinlich war.

SCHALKE UNSER:
Und warum ist der nicht korrigiert worden?

KEVIN KURANYI:
Doch inzwischen schon. Solche Sachen dürfen nämlich nicht passieren.

SCHALKE UNSER:
Vielen Dank für das Gespräch und wir hoffen mit dir und auch für uns, dass die Kritik an dir verstummt und wir im Mai zusammen die Meisterschaft feiern. Glück auf!


Mit grün-blauer Regenjacke zum Pokal

Wer erinnert sich nicht daran: „Wir werden in der 90. Minute Deutscher Meister sein!“ Dieser Satz flog am 19. Mai 2001 durch’s Parkstadion. Und wirklich, in der 90. waren wir Meister - und den Rest kennt Ihr. Aber es zeigt die Macht der Wünsche, der Träume, der Rituale … und die möchten wir gerne in einer neuen Serie im SCHALKE UNSER vorstellen: die Glücksbringer, die Rituale vor dem und während des Spiels.

Diesmal berichtet Manni von seiner Regenjacke, die ihn bis zum Gewinn des Uefa-Pokals begleitet. Selten, ganz selten gibt der Fußballgott oder wer auch immer ein Zeichen. Ein Zeichen, dass diese Saison eine ganz besondere sein wird. So ein Zeichen gab es in der magischen Saison, in der Schalke nach 19 Jahren Abstinenz wieder auf der europäischen Bühne spielte. Dass dabei ausgerechnet meine Regenjacke eine Rolle spielen sollte, habe ich erst spät kapiert.

Es war das Heimspiel gegen Roda, das wir mit 3:0 gewannen, als das Ungewöhnliche passierte. Nach dem Schlusspfiff lief plötzlich alles wie in Zeitlupe und seltsam gedämpft. Das Flattern der Fahnen im Wind, die strahlenden Gesichter um einen herum, die Mannschaft, die sich feiern ließ ­ alles in Zeitlupe und wie durch einen Schleier.

Und dann dieses Gefühl, dass es der Beginn von etwas ganz Beonderem ist. Einfach unbeschreiblich, ein Gänsehautgefühl, für einen kurzen Moment ganz allein umringt von tausend Anderen, und glücklich. Europa, wir kommen. Die Schmuddelkinder aus dem Ruhrpott.

Ja, an diesem Tag hatte ich sie an, meine grün-blaue Regenjacke von Tchibo. Nein, es regnete an diesem Tag nicht. Aber irgendwie sah es danach aus. Und ich hatte mir schon ziemlich oft einen nassen Ar… in der Nordkurve geholt.

Gegen Trabzon goss es aus Eimern und meine dünne Regenjacke war schon nach wenigen Minuten durch. Es war ein Wahnsinnsspiel mit türkischen Fans, die das Spiel für Trabzon fast zum Heimspiel machten. Mit 1:0 hatten wir das glückliche Ende für uns. Und auch beim 3:3 im Rückspiel war meine Regenjacke dabei. Die Auswärtsspiele guckte ich zusammen mit Freunden in der Kneipe „Franz Kantina“. Da ich zu den merkwürdigen Typen gehöre, die auch in Kneipen ihre Jacken anlassen, schaute ich dieses Spiel eben in meiner Regenjacke. Warum ich sie anhatte, das weiß ich gar nicht mehr. Wie das Wetter beim Rückspiel war? Keine Ahnung.

Jedenfalls gegen Brügge - Hin- und Rückspiel - war die Jacke dabei. Und auch gegen Valencia und Teneriffa. Irgendwann mal sagte jemand zu mir „Mensch Manni, zieh doch mal die Jacke aus. Oder willst du schon gehen?“ Bei welchem Spiel? Ich weiß es nicht mehr. Aber vielleicht war es der Moment, wo mir langsam dämmerte, dass diese Jacke eine wichtige Rolle spielte. Vor allem, weil noch irgendwer sagte, dass ich sie bisher immer anhatte.

Ich habe sowieso einen kleinen Aberglaubentick. Beim letzten Mal ’ne Bratwurst gegessen, und es lief gut? Na ja, dann kann man ja auch bei diesem Spiel in die Bratwurst beißen. Vor allem, wenn man eh Hunger hat. Geholfen haben alle diese Marotten dann schlussendlich doch nicht. Aber man weiß ja nie. Also blieb die Jacke an, und ich beschloss sie unabhängig vom Wetter bei den Uefa-Cup-Spielen zu tragen.

Damit mich niemand missversteht: Ich nehme mich nicht so wichtig, dass allein meine Angewohnheiten und Ticks über den Ausgang von Spielen entscheidet. Die Sache ist viel komplizierter. Es müssen die Ticks, Angewohnheiten, Marotten, Maskottchen und der Aberglaube von tausenden von Fans zusammenkommen und sich in einem glücklichen Moment auf wundersame Weise zu einem Ganzen fügen.

Dann und nur dann wirkt der Zauber. Und es ist der Zauber des Augenblicks, einer ganz besonderen Saison und deshalb nicht beliebig zu wiederholen. Und sollte das Schicksal, der Fußballgott, der Zufall oder ich weiß nicht was beschlossen haben, dass meine Jacke eine Rolle spielen soll, dann durfte ich jetzt nichts vermasseln! Also blieb die Jacke mein ständiger Begleiter - bis zum Finale.

Und, oh Wunder! Das Finale kam. Damals gab es ja noch ein Hin- und Rückspiel und dass die Jacke im Parkstadion dabei sein musste, stand außer Frage. Willi das Kampfschwein, beflügelt von der Kraft der magischen Jacke und tausenden anderen Ritualen und Glücksbringern machte das 1:0. Die Null ­ sie stand auch diesmal wieder. So nah dran, so unglaublich nah, nach 19 Jahren des Wartens und trostlosen Jahren in der zweiten Liga. Jetzt musste der Pott her!

Also ging es am Tag des Finales wieder zu Franz Kantina. Rappelvoll der Laden, kaum ein Fuß auf den Boden zu bekommen. Die Jacke bleibt an, hätte sie auch nicht ausziehen können, wenn ich es gewollt hätte. Die Spiele hatten ihre Spuren auf der Jacke hinterlassen. Mal war es der Biersegen von oben, mal der Senf der Bratwurst. Aber solange diese Jacke nicht ihr Werk vollendet hatte, war an Waschen nicht zu denken. Nach kürzester Zeit war ich schweißgebadet. Das Spiel, die Aufregung, die Hitze in der unglaublich stickigen Luft der Kneipe. Verdammt, wir fingen uns das Tor. War jetzt alles zu spät? Sollte es kommen, wie es kommen muss? Groß schlägt klein? Schießt Geld doch Tore? Der Zweifel begann zu nagen, als ich hörte: „Manni, du hast einen hochroten Kopf. Du kippst gleich um. Zieh die Jacke aus.“ Da war er, der Wink der höheren Macht. Jetzt standhaft bleiben, jetzt ein Zeichen setzen. Die Jacke - bislang stand sie offen. Also machte ich sie zu. Schwitzte und bibberte gleichermaßen, starrte auf die Leinwand und sah, wie Lehmann abtauchte …

Noch heute muss ich mir ganz schnell eine Träne verdrücken, wenn ich irgendwo Manni Breuckmann höre: „Lehmann hält, gegen Zamorano.“

Die Jacke habe ich nie wieder angezogen. Aber ich habe sie noch, aus Dankbarkeit und weil es vielleicht irgendwann einmal wieder ein Zeichen gibt.
Gibt es ein Kleidungsstück, das unbedingt mit, ein Zaun, der unbedingt angepinkelt, ein Bier, das ausgekippt werden muss? Schreibt es auf und schickt es an: schalke-unser@fan-ini.de.


Beraten und verkauft

(rk) Fußballprofis rücken heutzutage zu Vertragsverhandlungen nur noch mit großem Gefolge an. Spielerberater handeln die Verträge und Gehälter ihrer Schützlinge aus - wobei für Spieler und Berater ein gleichermaßen lukratives Geschäft winkt. Doch was passiert eigentlich, wenn sich ein Verein mehr oder weniger von einem einzigen Berater abhängig macht? So geschehen nun beim FC Schalke 04.

Von keinem Jungprofi muss man erwarten, dass er das juristische „Kleingedruckte“ in den Verträgen versteht - geschweige denn selbst aushandeln kann. Keine Frage, die heutigen Profis benötigen professionelle Unterstützung bei den Vertragsverhandlungen, wenn sie von den Vereinen nicht über den Tisch gezogen werden möchten.

Was passieren kann, wenn Profis auf den Dienst eines Beraters verzichten, kann man an vielen Beispielen sehen. Der ehemalige Stürmer Uwe Leifeld etwa - früher in den Diensten des VfL Bochum und des FC Schalke 04 - war schlecht beraten, als er dem Ex-Bundesligaspieler Ansgar Brinkmann blind vertraute, der ihn in dubiose Immobiliengeschäfte verwickelte. Uwe Leifeld verlor sein Vermögen, musste seine Lotto-Annahmestelle zwischenzeitlich schließen, seine Frau verließ ihn mit den beiden Kindern. Sein Leben gleicht einem Trümmerhaufen.

Wir sind uns also einig: Spielerberater müssen sein. Beim FC Schalke 04 zeigt sich aber zuletzt ein ganz besonderer Fall. Roger Wittmann - Gründer und Geschäftsführer der Agentur Rogon GmbH und Co KG und seines Zeichens Schwager von Mario Basler - bzw. seine Mitarbeiter, die Ex-Profis Wolfgang Fahrian, Karl-Heinz Förster und Bernd Cullmann, gehen inzwischen auf der Schalker Geschäftsstelle ein und aus. Dabei geht es in aller Regel um Geld - um viel Geld.

Kuranyi, Bordon, Lincoln, Rafinha, Ernst, Baumjohann, Özil, Pektürk und Halil Altintop stehen allesamt bei Rogon unter Vertrag. Eine auffällige Häufung - insbesondere wenn man sich die Neuzugänge der jüngsten Vergangenheit anschaut. Bei Halils Zwillingsbruder dürfte es lediglich eine Frage der Zeit sein, wann auch er unter die Fittiche von Rogon gerät.

Gerald Asamoah stand zuletzt gleich zweimal unter Beschuss: Einmal von Seiten der Rostocker Fans, die ihn übelst beschimpften, und das andere Mal hagelte es eine Suspendierung für das Spiel bei Hertha BSC Berlin.

Das Thema ist in der Presse ausgiebig behandelt worden: Angeblich soll aus der Mannschaft heraus die Aussage von Gerald Asamoah, dass er gegen den Trainer Mirko Slomka „schießen“ würde, wenn er keinen Stammplatz erhielte, an einen Berater weitergeleitet worden sein. Der Berater - ein Mitarbeiter von Rogon - soll dann wiederum die Angelegenheit an den Verein weiter getragen haben, dem quasi nichts anderes übrig blieb, als Asamoah für ein Spiel freizustellen.

Zum Glück, muss man sagen, hat in dieser Auseinandersetzung (zunächst) die Vernunft gesiegt. Gerald Asamoah und sein Berater Jürgen Milewski konnten in einem gemeinsamen Gespräch mit Andy Müller und Mirko Slomka die Wogen glätten. Eine sehr komplexe und schwierige Situation, in der man sich als Fan fragen muss, wer da nun wieder welche Interessen vertritt. Sind das etwa die adäquaten Mittel, um seine eigenen Klienten auf den Platz zu bekommen? Sind wir schon soweit, dass sportliche Gründe nicht mehr den Ausschlag geben, ob der eine oder der andere Spieler für den Verein aufläuft? Money makes the world go round - aber der Kampf mit dem Ellenbogen wird auch im Fußball immer noch mit einem Freistoß geahndet.

Die Situation zeigt aber auch auf, dass es ein labiles Terrain ist, auf das sich der FC Schalke 04 begibt. Spielerberater - und hier insbesondere die Firma Rogon - gewinnen anscheinend immer mehr an Einfluss.

Aktuell ist Rogon also so etwas wie der Haus- und Hoflieferant des FC Schalke 04. Auch wenn wir dafür keine Garantie übernehmen möchten, aber wer bereits heute schauen möchte, welcher Spieler eventuell in der kommenden Saison an den Schalker Markt wechselt, sollte mal einen Blick auf die Liste der Spieler werfen, die bei Rogon unter Vertrag stehen (siehe www.rogon.tv).

So ganz abwegig scheint diese Vermutung nicht zu sein. Übrigens: Auch der italienische Tenor, der beim Abschiedsspiel von Ebbe Sand „Time to say Goodbye“ trällerte, steht bei Roger Wittmann unter Vertrag, der mit der früheren Weltklasse-Tennisspielerin Anke Huber liiert ist und zwei Kinder hat.

Berühmt - und auch berüchtigt - wurde Rogon bereits früher durch eine hohe Konzentration von Spielern bei jeweils einem Verein. So war die Agentur beim 1. FC Saarbrücken, Waldhof Mannheim, Wormatia Worms, Jahn Regensburg und dem 1. FC Kaiserslautern tätig. Vereine, die später in große finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Bis heute eilt den Leuten von Rogon der Ruf voraus, sie würden sich mitunter massiv in die Politik der betroffenen Vereine einmischen.

Spricht man heute mit den Fans dieser Vereine, so wünschen durchweg alle der Rogon-Agentur die Pest an den Hals. Die Fans des 1. FC Saarbrücken etwa können noch heute ein Klagelied singen. Nach dem Weggang von Trainer Klaus Toppmöller zu Bayer Leverkusen Ende 2000 wurde Thomas von Heesen sein Nachfolger, der bis dahin für Rogon auf den Gebieten Internet-Sportangebot und Nachwuchs-Konzepte arbeitete.

Schon wenige Tage nach der Vorstellung des neuen Trainers konnte der erste Neuzugang präsentiert werden. Für damals 600.000 Mark kam Thomas Winklhofer von Austria Salzburg nach Saarbrücken. Den Transfer eingefädelt hatte wiederum Roger Wittmann. Sieben Spieler hatte der Mannheimer Wittmann zwischenzeitlich beim 1. FC Saarbrücken unter Vertrag - darunter Sven Scheuer, Johnny Akpoborie, Ante Covic und Rüdiger Rehm. Weitere ehemalige Mitarbeiter von Rogon folgten mit Sportdirektor Lorenz Savelsberg und Marketing-Chef Dirk Schroer. Die Spekulationen um den „FC Rogon“ machten die Runde.

Mit anderen Spielern, die bei dem Berater Michael Becker unter Vertrag standen, zum Beispiel der Nigerianer Stephen Musa oder der Rumäne Leo Grozavu, wurde nicht mehr geredet. Grozavu sagte etwas traurig: „Ich weiß nicht, warum ich hier keine Chance mehr bekomme. Mit mir hat niemand gesprochen.“

Aber auch die Ehe mit Thomas von Heesen hielt nicht lange. Nach vier erfolglosen Partien zu Beginn der Saison 2001/02 wurde der Trainer panikartig entlassen. Den Hintergrund enthüllte von Heesen in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung, in dem er angab, dem Verein mitgeteilt zu haben, dass er keine weiteren Rogon-Spieler verpflichten wolle, das ganze sei „ausgeufert“. Verpflichtet wurde aber daraufhin Heribert Weber als neuer Trainer, der seit einem Jahr aus dem Geschäft war und die Zweite Liga überhaupt nicht kannte. Vermittelt wurde der neue Trainer wiederum von Roger Wittmann.

Beim 1. FC Kaiserslautern hatte Rogon zeitweise zwölf seiner Klienten unter Vertrag, die allesamt mit außergewöhnlich hoch dotierten Verträgen ausgestattet waren. Dazu sollen horrende Provisionen gezahlt worden sein. Wittmann soll, bevor René C. Jäggi den Vereinsvorsitz übernahm, statt der branchenüblichen zehn bis zwölf Prozent eines Jahresgehalts oft den doppelten Honorarsatz abgerechnet haben. Für drei sehr mittelmäßige Spieler soll Rogon rund 1,5 Millionen Euro erhalten haben.

Jäggi hatte bald nach seinem Amtsantritt im September 2002 die Zahl der Rogon-Spieler reduziert und wollte so den Einfluss der Firma einschränken. Vor allem Jäggis Vorgänger, Jürgen „Atze“ Friedrich hatte mit Wittmann Geschäfte gemacht. Auf der FCK-Mitgliederversammlung 2002, die den Abgang von Friedrich und Co. perfekt machte, prangerte Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig als Aufsichtsrat die Provisionen für Wittmann an. Die Gefahr, die eine solche Häufung in sich birgt, brachte Andreas Reinke, früher Torhüter beim 1. FC Kaiserslautern und heute bei Werder Bremen, auf den Punkt: „Die Wittmann-Spieler laufen beim Training rum und sagen anderen, sie sollen lieber zu Wittmann gehen, damit sie hier Fußball spielen können. Vor allem Mario Basler macht das. Das finde ich schon ein bisschen merkwürdig.“

Merkwürdig ist hier sowieso die Rolle von „Super-Mario“ Basler: Die Verbindung zwischen der alten FCK-Führung und Wittmann hatte 1999 neuen Schwung erhalten, als Basler vom FC Bayern in seine Pfälzer Heimat zurückkehrte. Die Münchener „Abendzeitung“ kommentierte damals, ein „geschäftstüchtiger Händler“ habe „die unbedarften Pfälzer mit Durchschnittskickern zugemüllt“.

Und Basler macht auch heute noch mächtig Politik für den Mann, der der Bruder seiner Ehefrau Iris ist: In der Bild-Kolumne testete er zu Saisonbeginn zusammen mit Max Merkel die Bundesligamannschaften. Sehr auffällig: Alle Spieler, die bei Wittmann unter Vertrag sind, werden von Schwager Mario Basler über den grünen Klee gelobt („Denk an meine Worte: Kuranyi wird wieder der Mann! Dazu kommt die Vereinigung der Altintop-Zwillinge. Der Halil hat ja schon in Lautern zwanzig Buden gemacht. Und mit Hamit ist er noch stärker.“).

Andere Spieler hingegen, die bei ihm in Ungnade gefallen sind, wie etwa Mike Hanke, werden als „Anti-Fußballer“ bezeichnet. Schon während der WM hat Basler, Stammtischbruder im DSF-Talk, beharrlich auf Mike Hanke geschimpft; für Basler war die Nominierung Hankes trotz Halbfinaleinzug der Deutschen das WM-Thema Nummer eins. Immer wieder, noch heute, moniert er die Ausbootung Kuranyis durch Jürgen Klinsmann.

Macht da etwa jemand Werbung für eigene Spieler unter dem Mantel des Schein-Journalismus? Jedenfalls bezeichneten ihn die Macher der Fußball-Presseschau auf www.indirekter-freistoss.de bereits als „Rogon-Pressesprecher“.

Und eine weitere pikante Geschichte hängt Rogon an: Anfang Dezember 2005 verkündete die Sportrechte-Agentur Sportfive den Abschluss eines Vertrages zwischen Kevin Kuranyi und dem Software-Unternehmen Microsoft. Es ging um ein Internet-Tagebuch des Schalke-Profis während der WM 2006 auf dem Microsoft-Internet-Portal MSN. Microsoft sah in Kevin Kuranyi die ideale deutsche Werbe-Lokomotive. Der Schalker stehe für „Leistung, Fotogenität und Lifestyle“, so eine Pressemitteilung von Sportfive. Neben weiteren Fußball-Größen wie Ronaldinho, Michael Owen, Edgar Davids und Gianluigi Buffon sollte Kevin Kuranyi seine Erlebnisse während der WM der Internet-Welt offenbaren. Von 300.000 bis 400.000 US-Dollar Honorar war die Rede; eingestielt hatte den Deal wiederum Roger Wittmann. Was dabei zunächst verschwiegen wurde: Angeblich soll der Vertrag bereits zuvor Michael Ballack, Oliver Kahn und Lukas Podolski angeboten worden sein. Doch diese lehnten nach Rücksprache mit ihren Beratern ab, da der Deal direkt mit den Interessen des DFB-Hauptsponsors Deutsche Telekom und dessen Tochterfirma T-Com kollidierte. „Wir haben ohne Nachfrage Abstand genommen, weil es ein eindeutiger Interessenskonflikt ist. Zudem ist es immer suspekt, während einer WM ein Tagebuch zu schreiben“, sagte Kon Schramm von Podolskis Agentur „ans“. DFB-Pressesprecher Harald Stenger teilte mit: „Jürgen Klinsmann und Manager Bierhoff haben Internet-Tagebücher während der WM untersagt. Diese Anweisung ist auch Herrn Kuranyi bekannt.“

Eine vernünftige Argumentation seitens des DFB, die aber Roger Wittmann nicht davon abhielt, der englischen Agentur „sfx“, die von Microsoft mit der Suche von sieben Nationalspielern aus verschiedenen Ländern für das Tagebuch beauftragt worden war, seinen Schützling Kevin Kuranyi anzubieten, der dankend annahm, ohne wohl die weiteren Folgen bedacht zu haben. Die Frage muss daher erlaubt sein: Ist Kevin Kuranyi von Jürgen Klinsmann allein aus sportlichen Gründen nicht bei der WM im eigenen Lande berücksichtigt worden oder spielten auch noch andere Faktoren eine Rolle? Der Verdacht drängt sich jedenfalls auf, dass hier die Rogon-Berater eher eigene Interessen als die ihres Klienten verfolgten.

Dass Spieler ihre Internet-Tagebücher in aller Regel nicht selbst schreiben, sondern ein „Ghostwriter“ dies für sie erledigt, hoffen wir auch im Fall von Kevin Kuranyi. Denn auf seiner Seite auf http://worldcup-de.spaces.live.com finden sich so einige inhaltliche Fehler. Zum Beispiel schreibt Kuranyi (bzw. sein Ghostwriter), dass Schalke 04 zum letzten Mal im Jahre 1959 Deutscher Meister wurde. Stimmt nicht ganz, wie wir alle wissen, der Eintrag wurde aber lange Zeit nicht korrigiert.

Zur Ehrenrettung der Schalker Verantwortlichen sei gesagt, dass das Fußballgeschäft eben brutal ist. Jeder Verein schaut, wie er möglichst günstig an erstklassige Spieler kommen kann, unter Umständen muss dabei auch die eine oder andere Kröte - sprich Spielerberater - geschluckt werden. Die bisherigen Verpflichtungen über Rogon sind zumindest überwiegend Leistungsträger geworden, überteuerte Durchschnittsspieler befinden sich nicht auf der Liste. Wichtig aber ist, dass sich Schalke nicht abhängig von einem einzigen Spielerberater macht. Sollte dieser eines Tages seine Macht ausspielen wollen, könnte es finster werden. Also, liebe Geschäftsführung: Augen auf beim Spielerkauf!


„Rogon ist kein Problem“

(rk) Dem Spielerberater Roger Wittmann, bzw. seiner Agentur Rogon, eilt der Ruf voraus, dass er sich massiv in die Politik der Vereine einmischt, bei denen seine Klienten unter Vertrag sind, so geschehen etwa beim 1. FC Saarbrücken oder beim 1. FC Kaiserslautern.

SCHALKE UNSER:
Roger Wittmann hat gleich acht seiner Spieler aus dem Profikader beim FC Schalke 04 vertraglich gebunden. Wie kommt es zu dieser Häufung? Sieht der FC Schalke 04 die Gefahr, dass man sich hier einer Abhängigkeit unterwirft, die bei Vereinen wie Saarbrücken und Kaiserlautern schon zu Problemen geführt hat?

ANDREAS MÜLLER:
Ich kenne die Strukturen anderer Vereine nicht im Detail - aber ich kenne die Strukturen bei Schalke 04. Und die sind so, dass sich ein Spielerberater gar nicht in die Vereinspolitik einmischen kann. Für uns sind bei einem Transfer zwei Dinge entscheidend: Passt der Spieler sportlich zu uns und ist er wirtschaftlich finanzierbar? Erst danach schauen wir uns an, mit wem wir über einen möglichen Wechsel sprechen müssen. Rogon hat sehr viele hochklassige Spieler für sich gewinnen können, die sportlich zu uns passen, deswegen haben sich unsere Wege in den vergangenen Jahren häufiger gekreuzt.

Zur Zahl von acht Spielern möchte ich bemerken: Marcelo Bordon und Lincoln hatten wir schon im Auge, als sie noch nicht von Rogon beraten wurden, Mesut Özil und Alexander Baumjohann sind aus unserem Jugendbereich hervorgegangen und haben sich aus freien Stücken erst vor kurzer Zeit für Rogon entschieden.

SCHALKE UNSER:
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Kevin Kuranyi nicht nur aus sportlichen Gründen bei der WM von Jürgen Klinsmann nicht berücksichtigt worden sei. Hintergrund ist, dass Kuranyi einen Vertrag mit Microsoft geschlossen hat, der vorsah, ein WM-Internet-Tagebuch zu schreiben.

Der DFB sah hier einen eindeutigen Interessenskonflikt mit seinem Hauptsponsor Deutsche Telekom bzw. dessen Konzerntochter T-Com. Kann es also sein, dass Kevin Kuranyi hier von Rogon falsch beraten wurde und der Microsoft-Deal mit ein Grund war, Kevin Kuranyi nicht zur WM einzuladen und stattdessen den für zwei Spiele gesperrten Mike Hanke zu nominieren?

ANDREAS MÜLLER:
Ich habe von mehreren Gerüchten im Zusammenhang mit der Nicht-Nominierung von Kevin für die WM gehört, aber diese sind bislang alle unbestätigt, deswegen möchte ich sie nicht kommentieren. Jürgen Klinsmann hat mir damals seine Entscheidung mitgeteilt, die wir zu respektieren hatten. Begründet hat er sie nicht.

Ich war aus sportlicher Sicht bestürzt, weil an Kevins Stelle Angreifer nominiert worden sind, die in der vergangenen Saison weniger Tore erzielten, und sich im Gegensatz zu Kevin nicht auf der internationalen Bühne in der Champions League bewiesen haben oder im Halbfinale des Uefa-Cups vertreten waren. Ich hätte mir da mehr Loyalität zu einem Stürmer gewünscht, der Klinsmann gerade im ersten Jahr seiner Amtszeit mit vielen Toren einen guten Start verschafft hat.

SCHALKE UNSER:
Es gab zuletzt viel Aufregung um Gerald Asamoah und dessen anschließende Suspendierung für das Spiel gegen Hertha BSC. Auch hier gab es Presseberichte, in denen behauptetet wurde, dass Rogon die Aussage von Gerald Asamoah, gegen den Trainer zu „schießen“, wenn er keinen Stammplatz erhalte, an die Vereinsverantwortlichen weitergetragen hat. Welche Rolle spielt also Rogon in dieser Angelegenheit?

ANDREAS MÜLLER:
Gar keine, denn in dieser Sache hat sich Rogon nicht einmal bei uns gemeldet. Bei Gerald Asamoah gab es Vorgeschichten zur bekannten Aussage, er werde dem Trainer Probleme bereiten, die es erforderlich machten, so zu handeln.

SCHALKE UNSER:
Auch wenn Rogon an der Suspendierung von Gerald Asamoah nicht beteiligt war, muss die Frage erlaubt sein, ob der Teamgeist der Schalker Mannschaft durch die vielen Rogon-Verträge gefährdet ist. Seht Ihr die Gefahr, dass die Rogon-Berater im Schalker Team für Unruhe sorgen könnten?

ANDREAS MÜLLER:
Nein, diese Gefahr gab es nie und wird es auch in Zukunft nicht geben. Es ist das gute Recht eines jeden Beraters, sich um die Belange seiner Spieler zu kümmern, aber die Entscheidungen im sportlichen Bereich gehören nicht dazu. Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass es hier in früheren Zeiten Probleme gab, die nach außen gedrungen sind, als noch kein einziger Spieler hier war, der bei Rogon unter Vertrag stand. Damals wurden wir zweimal in Folge Siebter. Zur Saison 2004/05 holten wir erstmals Spieler, die von Rogon vertreten wurden. Seitdem sind wir Vizemeister und Vierter geworden, haben in der Champions League gespielt und das Halbfinale des Uefa-Cups erreicht.

Aber auch sonst gibt es keinen Einfluss auf sportliche Entscheidungen. Wenn z. B. Rafinha, der von Rogon beraten wird, sich in einem kleinen Tief befindet, setzt ihn der Trainer auch mal auf die Bank, ebenso wurde Kevin Kuranyi aus taktischen Gründen in Aachen zur Halbzeit ausgewechselt. Umgekehrt hat Gerald Asamoah - kein Spieler von Rogon - auch nach unserem überragenden Spiel gegen Werder Bremen den Sprung ins Team geschafft, weil es dafür gute sportliche Gründe gab und uns seine Aussagen in der Kabine zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt waren.

SCHALKE UNSER:
Vielen Dank für das Interview, haltet die Augen auf, Glückauf!

Wir haben auch ein Statement von Roger Wittmann einzuholen versucht. Sein Büro hat uns mitgeteilt, dass er derzeit in Brasilien weilt, weswegen uns seine Stellungnahme bis Redaktionsschluss leider nicht vorlag. Erhalten wir sie nachträglich, werden wir sie in der kommenden Ausgabe veröffentlichen.


Männerversteher

(usu) „Fußball, Ficken, Alkohol“ - frei nach diesem Motto scheint der Flughafen Münster-Osnabrück seine Werbung für den Videowürfel in der Arena zu gestalten. Anders ist es schwer zu erklären, wie das Bild eines Dekolletes mit dem Text, „Schalker, wollt ihr mehr sehen“, der Beginn der Flughafenwerbung sein kann.

Gut, ich glaube schon, dass viele der anwesenden Männer das oben erwähnte Motto und auch die Möglichkeit, mehr zu sehen, spitze finden.

Trotzdem ist eine Marketingabteilung, die auf diese Weise versucht, Aufmerksamkeit für ihr Produkt zu erreichen, arm dran - oder reich an einfach strukturierten Männern.

Zusätzlich ärgert es, dass auch die Marketingabteilung von Schalke wohl keine Probleme mit dieser Art von Werbung hat. Zeigte sich dies doch auch schon letzte Saison schon mit der Langnesewerbung - genau, dies ist der Hersteller, der seinen Namen für den „Familienblock“ hergibt. Dazu kommt dann noch die ach-so-lustige Frau-ist-zu-blöd-einen-Bohrer-zu­-bedienen-Victoriawerbung.

Victoria war übrigens bei den Römern die Siegesgöttin. Gerüchten zu Folge, ist sie mit dem Fußballgott liiert.

Es wäre also sinnvoll, weder die eine noch den anderen zu verärgern. Wir wollen doch diese Saison Deutscher Meister werden, und dafür brauchen wir beide.

Und falls dann Fortuna, die Glücksgöttin, auch noch mit ins Boot bzw. an den Ball kommt, könnte es wohl klappen.


Wir machen Druck