Mein erstes Mal – Lebenshilfe (Teil 1)

Littbarski sei Dank

SCHALKE UNSER schildert in aufwühlenden Tatsachenberichten die Entdeckung der Leidenschaft. Mitmenschen brechen das Schweigen. Sie berichten von Euphorie und Ekstase ebenso wie von Abhängigkeit und Apathie. Sie sind hörig – dem S04. Eine Serie voller Schicksale. Mitten aus dem Leben. Ungeschminkt. Ihr seid nicht allein. Und schreibt uns, wie es Euch erging beim ersten Mal…

Manch ein Freund von mir hat schon mal behauptet, ich wäre nicht ganz knusprig, weil ich, gebürtiger Engländer, jedes Wochenende quer durch Deutschland fahre, um unsere Göttlichen spielen zu sehen. „Ja gut“, sag‘ ich in bester Knut-Reinhardt-Manier, „was soll ich dazu sagen?“ Waren die etwa in Leverkusen beim grandiosen 1:6? Haben die sich schon mal an einem kalten Freitagabend mit 12.000 anderen Bekloppten in Bremen heiser geschrien? Wahrscheinlich nicht. Die werden es nie begreifen, was für ein Gefühl es ist, ein Schalkeholiker zu sein.

Wie kam ich nun auf Schalke? Na ja, 11 Jahre ist es her. Ich habe 6 Monate an der Uni Duisburg „Deutsch für Ausländer“ studiert. Als mich mein Lehrer fragte, ob ich mit zum Fußball will, war die Antwort klar: „Ist der Papst katholisch? Sicher doch!“ In England war ich jeden Samstag mit Manchester United unterwegs. Für mich war ein Samstag ohne Fußball wie Pommes ohne Essig – unvorstellbar – also nichts wie hin. Aber wohin? Rein zufällig war Schalke gegen Köln die Partie. Schalke kannte ich gar nicht, dafür aber Pierre Littbarski. Er hatte ein paar Wochen vorher die englische Nationalelf in Wembley schwindelig gespielt – was aber auch nicht allzu schwer ist. Also: Littbarski sei Dank, er ist schließlich schuld daran, daß ich Schalker geworden bin.

Das Spiel ging 1:4 aus. Viel von dem Spiel habe ich nicht mehr in Erinnerung, außer daß Littbarski ein Traumtor schoß und Schalke eine miserable Leistung bot. Wie beim anderen „ersten Mal“ war ich ziemlich enttäuscht. Aber es wurde besser! Das zweite Mal auf Schalke werde ich nie vergessen. Es war das Relegationsspiel gegen die Uerdinger.

Unvergeßlich war die Begeisterung im Parkstadion, als Schalke alles daran setzte, den Rückstand vom ersten Spiel wieder wettzumachen. Unvergeßlich auch die Szenen nach dem 1:1, womit der Schalker Abstieg besiegelt war. Gestandene Mannsleute lagen sich in den Armen und weinten wie kleine Kinder. Spätestens da wußte ich, trotz Abstieg: Das ist der Verein für dich! Ein paar Wochen später mußte ich zurück auf die Insel, im Reisegepäck befand sich schon ein Schalke-Trikot.

Heute ist Schalke ein Teil meines Lebens, auf den ich nicht verzichten kann. Mein Traum: Einmal Schalke gegen United sehen. Das Spiel geht 4:4 aus, und die Fans beider Teams verbrüdern sich bei einer tollen Party nach dem Spiel. Also, Herr Assauer, übernehmen Sie!

Stuart Dykes
1. Vors. Schalke Fan-Club „Altmeister“ Krefeld 1983 e.V.