Liebesgrüße aus London

Die Football Supporters Association (FSA) aus England hat den Kampf um die Stehplätze verloren. Aber ihre Argumente sind immer noch aktuell. Wir zitieren auszugsweise aus dem Grußwort der FSA an die Teilnehmer der Genf-Demo.

Reine Sitzplatzstadien haben eine Menge Nachteile:

Gewaltige Preiserhöhungen. Von sechs bis sieben Pfund 1990 sind die Preise auf 15 bis 20 Pfund (bis 44 Mark) gestiegen. Zum ersten Mal werden diejenigen, die nur über ein kleines oder gar kein Einkommen verfügen, aus den Stadien verdrängt.

Reduzierte Kapazitäten. Mehr Spiele sind ausverkauft, die Fans müssen oft zwei Wege machen – einen, um eine Eintrittskarte zu kaufen und noch einen, um das Spiel zu besuchen.

Trennung von Freunden und Familien. Gleichgesinnte können sich nicht mehr spontan im Stadion finden und dort zusammen stehen. Nun müssen sie sich vorher absprechen und ihre Tickets alle zur gleichen Zeit kaufen.
Keine höhere Sicherheit. Bei Ausschreitungen werden Sitze zu Waffen und Wurfgeschossen und, im Notfall, zu riskanten Hindernissen. Stehplätze sind nur dann gefährlich, wenn sich vor ihnen ein Zaun befindet und wenn Polizei und Ordner inkompetent sind.

Schlechtere Atmosphäre. Schon jetzt ist es in unseren Stadien so, daß, wenn Leute aufstehen, weil irgendetwas Aufregendes passiert, andere Leute „Hinsetzen!“ rufen. Die ruhigsten und langweiligsten Fans bestimmen maßgeblich das Verhalten im Stadion.

Viele Fans wollen stehen. Aber zu viele Mittelklassebürger mittleren Alters mit zuviel Macht versuchen uns zu diktieren, wie wir unseren Spielen zuzuschauen haben. Manche von ihnen befinden sich im UEFA-Gebäude, Ihr steht heute davor. Steht auf Euer Recht zu stehen.

The Football Supporters Association, September 1995