Monopoly, Monopoly

(bm) … wir sind nur die Randfigur in einem schlechtem Spiel. Bekommt Ihr das noch alles mit? Welche Firma kauft welchen Verein und warum? Wer macht bei wem das Merchandising und die Rechtevermarktung? Wer sichert sich die Übertragungsrechte und bekommt wieviel Geld dafür? Alles uninteressant?

In der letzten Ausgabe des SCHALKE UNSER haben wir auf die Gefahren einer Aktiengesellschaft hingewiesen. Die Umwandlung eines Vereins in eine AG stellt in unseren Augen eine Auslieferung des Vereins an ökonomische Interessen dar. Eine weitere Form der Geldbeschaffung ist der Verkauf von Vermarktungs- und TV-Rechten der Vereine. Zur Zeit wird von der EU-Wettbewerbskommision entschieden, ob eine Zentralvermarktung der Vereine durch den DFB weiterhin zulässig ist. Sollte die dezentrale Vermarktung erlaubt werden, werden über kurz oder lang viele Vereine ihre TV-Rechte an UFA Sports GmbH, ISPR, Kinowelt Medien AG, tm3 oder an SportA verkaufen. Wer sind nun diese Firmen und welche Interessen haben sie?

UFA Sports GmbH

Die UFA Sports GmbH in Hamburg gehört zur CTL-UFA aus Luxemburg, Europas größtem Unternehmen der elektronischen Unterhaltungsindustrie. Der CTL-UFA gehören 40 Rundfunk- und Fernsehsender in Europa. In Deutschland sind dies RTL, RTL2, Vox und der Pay-TV-Sender Premiere (zusammen mit der Kirch-Gruppe, siehe ISPR). An diesem Unternehmen besitzen Bertelsmann aus Gütersloh (das zweitgrößte Medienunternehmen der Welt) und die WAZ aus Essen 50 Prozent der Anteile. Die UFA Sports bezeichnet sich selbst als Europas führender Vermarkter von Fernseh- und Werberechten bei Sportveranstaltungen. Im Fußball hat die UFA weltweit etwa 250 Vereine und 50 Nationalmannschaften unter Vertrag. Zu diesen Vereinen gehört auch der BVB/NL, der kürzlich seine Rechte für 50 Millionen Mark verkaufte. Auch für weitere Bundesligavereine, darunter der HSV, Hertha BSC und der FCN, vermarktet die UFA die Rechte der Klubs.

Am weitesten reicht der Einfluß der UFA beim HSV und der Hertha. Hier sitzen oder saßen führende Mitarbeiter aus dem Bertelsmann-Konzern im Aufsichtsrat der Vereine. Im April beschloß der DFB, daß Mitarbeiter von Unternehmen, die sich bei mehreren Klubs engagieren, nur in Vorständen und Kontrollorganen eines Klubs sitzen dürfen. Sofort wackelte die Lizenzierung beider Klubs. Ebenso macht der DFB die Vorgabe, daß der Mutterverein 51% der Aktien halten muß. Die Abhängigkeit der Klubs von der UFA ist schon jetzt immens. Beim HSV wurde der Kredit für das neue Stadion (180 Millionen Mark), gegen Gewährung der Rechte selbstverständlich, von der UFA bereitgestellt.

ISPR

Die Internationale Sportrechte-Verwertungsgesellschaft gehört mit 400 Millionen Mark Umsatz zu den großen Sportrechteagenturen in Europa. Sie ist in 180 Ländern aktiv und arbeitet mit mehr als 200 TV-Sendern zusammen. Die ISPR besitzt zur Zeit nicht nur die Fußball-Fernsehrechte (erste und zweite Liga), sondern auch die von anderen Sportarten wie Tennis (US Open) und die der schwedischen Eishockey-Liga. Darüber hinaus vermarktet sie ganze Vereine wie Werder Bremen oder Einzelathleten wie Lothar Matthäus oder Oliver Bierhoff. Besitzer der ISPR sind der Axel Springer Verlag („Bild“, „Die Welt“ usw.) und die Kirch-Gruppe (z.B. Sat1, Pro7) mit je 50 Prozent. Die ISPR ist ein Verfechter der zentralen Vermarktung. Beim FC Schalke 04 ist die ISPR „Partner“ beim Arenabau.

Des weiteren ist das Digital-Fernsehen DF1, wie DSF ein Tochterunternehmen der KirchGruppe, seit der letzten Rückrunde Sponsor der Königsblauen. Interessant ist die Zusammenarbeit von BSkyB und DF1. Der britische Pay-TV-Betreiber Britisch Sky Broadcasting Group (BskyB) hat sich im Juli 1996 zu 49 Prozent an DF1 beteiligt. Hinter BskyB steckt kein geringerer als Rupert Murdoch, der kürzlich in Deutschland den „Frauenkanal“ tm3 bekannt machte – Stichwort: Champions League.

Kinowelt Medien AG

Die Kinowelt Medien AG mit rund 110 Millionen Mark Umsatz besitzt die Rechte an 12.000 Filmen und unterhält 25 Kinos. In den letzten Monaten sicherte sich das Unternehmen die Übertragungsrechte für Top-Fußballspiele, insbesondere von Traditionsvereinen aus der zweiten und dritten Liga wie Union Berlin, Dynamo Dresden, FC Sachsen Leipzig, Waldhof Mannheim, Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen. Weitere Vereine befinden sich zur Zeit in Gesprächen mit der Kinowelt. Die Kinowelt hat somit großes Interesse an der dezentralen Vermarktung.

SportA

Die SportA ist die Vermarktungsgesellschaft der öffentlich-rechtlichen Anstalten (ARD und ZDF). Die SportA ist wie Sat1 auch an den Vermarktungsrechten (Erstrechte) der Bundesliga interessiert. Sollte die dezentrale Vermarktung möglich werden, hat SportA schon mit folgenden Klubs Verträge abgeschlossen: Hansa Rostock, 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg, Arminia Bielefeld und 1. FC Köln.

tm3

Kaum einer konnte es glauben, als bekannt wurde, daß tm3 (weniger als 1 Prozent Marktanteil) für ca. 200 Millionen Mark pro Saison die Rechte an der Champions League erworben hatte. Dieser Vertrag gilt von September 1999 bis 2003. Dem australischen Medienmogul Rupert Murdoch gehört tm3 zu 66 Prozent durch seine Firma News Corporation. Rupert Murdoch (geschätztes Vermögen 16 Milliarden Mark, 26.000 Mitarbeiter) hatte tm3 1995 erworben. Eine weitere Beteiligung besitzt Murdoch am Fernsehsender Vox.