Kapitulation vor den Rassisten

Die rassistischen Auswüchse im italienischen Fußball haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem die Fans von Lazio Rom schon des öfteren mit rassistischen Sprechchören gegen farbige Spieler negativ aufgefallen waren (SCHALKE UNSER berichtete), hat sich nun Hellas Verona selbst ein Armutszeugnis ausgestellt.

Mit Hellas Verona beugte sich erstmals ein Verein dem Willen seiner rechtsradikalen Anhänger. „Einen Farbigen kann ich wegen dieser Fans nicht holen“, erklärte der Präsident des italienischen Erstligisten, Gianbattista Pastorello, als er auf die mögliche Verpflichtung des beim Ligakonkurrenten AC Parma spielenden Nationalspielers Patrick Mboma aus Kamerun angesprochen wurde.

Die Aussagen des Präsidenten lösten in ganz Italien heftige Kritik aus. „Wenn das stimmt, schließen wir das Stadion“, drohte Veronas Bürgermeisterin Michela Sironi Mariotti. Italiens Sportministerin Giovanna Melandri drückte in einem Brief an den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni), Gianni Petrucci, ihre „Missbilligung und Bestürzung aus“. Das Ganze sei „eine Schande“. Pastorello schade den Bemühungen der Regierung und des Fußball-Verbands, den Rassismus in den Stadien zu bekämpfen. Die Fifa setzte nach dem Eklat umgehend eine Anti-Rassismus-Konferenz für den 6. Juli in Buenos Aires an. Hellas Verona gilt neben Lazio Rom als Hochburg rechtsradikaler Fans in Italien. Die Hellas-Anhänger beleidigten im Spiel gegen Parma den französischen Welt- und Europameister Lilian Thuram. Der Vereinskollege Mbomas wurde bei jedem Ballkontakt mit Pfiffen bedacht und musste über die gesamte Spielzeit übelste Schmährufe ertragen.

Besonders makaber waren die Angriffe, nachdem in Verona wie bei allen Spielen in Italien an diesem Wochenende vor dem Anpfiff in Gedenken an die Opfer des Holocaust eine Schweigeminute eingelegt worden war. Die Regierung hatte auf Grund des zunehmenden Rassismus in italienischen Stadien ein Dekret verabschiedet: Sobald auf den Rängen Spruchbänder mit rassistischen Parolen gezeigt werden, ist ein Spielabbruch vorgesehen. Bislang wurde die Maßnahme jedoch noch nie umgesetzt. Allerdings zeigte ausgerechnet Mboma, der mit Kamerun Olympia-Gold in Sydney gewann und Afrikas Fußballer des Jahres ist, mit Blick auf die 5000 Mitglieder starke Ultra-Gruppe Verständnis für den Hellas-Präsidenten: „Er hat nur die Wahrheit gesagt: Verona hat ein gravierendes Rassismus-Problem. Pastorello trifft keine Schuld.“

Weniger mild reagierten andere Spieler. Liliam Thuram fordert bei anhaltenden Anfeindungen eine Unterbrechung oder gar Abbruch. Fabio Liverani, Italo-Somalier vom AC Perugia, droht sogar mit einem unbefristeten Streik. Liverani folgte damit einer Aufforderung des dunkelhäutigen Basketball-Stars Carlton Myers, der bei Olympia in Sydney Italiens Mannschaft als Fahnenträger angeführt hatte. Für die neuerlichen rassistischer Anfeindungen hat der italienische Fußball-Verband Hellas Verona mittlerweile zu einer Geldstrafe von umgerechnet 40.000 Mark verurteilt. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Hellas 16.000 Mark zahlen müssen, nachdem seine Anhänger beim Spiel gegen Inter Mailand den niederländischen Mittelfeldstar Clarence Seedorf ausgepfiffen und beleidigt hatten.