Fanclubportrait „Blau-Weißer Stachel“

(aw) Die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) war schuld. Dort muss wohl ein ekelhaftes, ganz offensichtlich sadistisch veranlagtes Individuum seine Brötchen verdienen. Diese Person hat also dafür gesorgt, dass es mich ins Feindesland versprengte. Günstige Wohnungen gab es damals nur in der Dortmunder Nordstadt. Dass es sich bei diesem Viertel um kein besonders beliebtes handelt, wird dem Unwissenden sofort klar, wenn er hört, dass der Borsigplatz im Norden liegt. Die allgegenwärtige Präsenz des BVB und seiner Anhänger ließ einem kaum die Luft zum Atmen. Jeder Schritt außerhalb der eigenen vier Wände wurde zur Qual. Bei jeder Party kam die Frage, wie ich es denn aushalten könne, dort zu wohnen? Das Schlimme war, dass ich keine Antwort hatte. Der Mensch ist leidensfähiger als man denkt. Einzig und allein die sportlichen Erfolge des S04 gaben mir die Kraft auszuhalten. In dieser Zeit strich ich hin und wieder siegestrunken um die Häuser und bepflasterte Laternen, Toiletten und Schaufenster mit Schalke-Spuckis (Danke dafür an die Fan-Initiative). Eines Tages hatte jemand „Kontakt“ zu mir aufgenommen und über einen Spucki eine Nachricht geklebt. Originaltext: „Du Sau. Ich krich dich. Du bist ein toter Mann.“

Das war die Initialzündung! Die Nachbarschaft nahm Notiz von mir. Ich beschloss, in die Offensive zu gehen und eine subversive Zelle zu gründen, die die Keimzelle des Guten inmitten des Bösen werden sollte. Im Zug zu den Heimspielen lernte ich auch direkt zwei Leidensgenossen kennen, die von meiner Idee begeistert waren. Aktivist Peter und Aktivist Hans (aus verständlichen Gründen können hier nur die Vornamen genannt werden) schlossen sich an, später auch noch Aktivist Gerd.

So haben wir zum Beispiel die Kneipe „Zum Borsigplatz“ während einer Live-Übertragung unter Wasser gesetzt. Außerdem verbesserten wir unsere Zeiten im Mittelstreckenlauf schlagartig, als wir inmitten von 230 Jahren Knasterfahrung saßen und ein Spiel unserer Lieblinge verfolgten. Aufgrund des Publikums in der Kneipe traten wir inkognito auf, übersäten das Klo nichtsdestotrotz mit Spuckis, konnten unserer Freude aber keinen Einhalt mehr gebieten, als Jens das legendäre 2:2 köpfte. Lähmendes Entsetzen und gleichzeitig einsetzender Hass um uns herum veranlassten uns direkt, den Ort des Geschehens im Sprint zu verlassen.

Im Moment ist es unser Ziel, alle Autobahn-Hinweisschilder „Richtung Dortmund“ durch „Richtung GE-Schalke“ zu ersetzen (siehe Foto). Außerdem kämpfen wir dafür, dass es in der Halbzeit wieder „Reifen Tanski“-Werbung zu bestaunen gibt. Warum? Weil es sich um einen echten Klassiker handelt und wir den unsäglichen „Ford-Mohag“-Spot verbannt wissen wollen. Im Stadion halten wir uns standesgemäß in der Südkurve auf.