Der Indianer ist tot!

(bob) Ein mit allen Wassern gewaschener Schalker vor dem Herrn und jahrelanger Stadionfreund gibt seinen Abschied von seinem Herzensclub. Nicht für lange, für ein paar Jahre vielleicht, aber wer weiß das schon: Clive, einer, der oft vor dem Ehrenrat von Schalke stand. Der Erfinder von „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“, der beim UEFA­Cup­Spiel 1997 im portugiesischen Braga das erste Mal blank zog, der nie vergessen konnte, dass Möller einst ein Weichei war, und dem diese Einstellung sehr viel Ärger einbrachte – eben der geht nach Nottingham, des Studiums zum Mediengestalter wegen.

So etwas muss natürlich einen gebührlichen Abschluss haben. Wenn Olaf Thon ein Abschiedsspiel bekommt, sollte etwas in der Art auch von seinen Kumpels möglich sein. Es musste halt für Clive etwas Besonderes her. So wurde kurzerhand beschlossen, einen Themenabend bei einem Schalker Spiel zu propagieren. Motto, man war sich schnell einig, sollte beim Auswärtsspiel in der ersten Pokalrunde gegen die Bayern-Amateure „Indianer“ sein. Das Spiel war Samstag abends, und so traf man sich schon Freitag mittags in Köln, um genug Zeit für die Anreise zu haben.

Was Clive nicht wusste, die Kollegen pfiffen auf die Absprache und kamen geschlossen in Clives neuem Wahlheimatdress. Vier Robin Hoods und ein Bruder Tuck treffen also einen Tag vor dem Abschiedsspiel auf einen verdutzten Indianer, um danach gemeinsam die 600 Kilometer weite Anreise anzutreten. Auf dem Weg in den Süden fiel die Entscheidung, ob man sich das Pokalmatch Schweinfurt gegen Union Berlin angucken wolle, 100 Meter vor der Autobahn-Ausfahrt „Schweinfurt“: Einer fragte, ob man gucken wolle, alle brüllten innerhalb von fünf Sekunden „ja“ und schon war man von der Autobahn runter.

Dann wurden die erstbesten Vertreter der Grünen Minna gefragt, wie man am schnellsten zum Ground komme, das Match lief ja bereits: So ging es also mit Eskorte zum Stadion-Sondereingang. Wer will schon für ein unterklassiges Spiel Eintritt zahlen?

Robin Hoods: „Hallo, wir sind der Trupp für die Pause.“

Ordner: „Aha!“, und schaut auf vier Robin Hoods, einen Bruder Tuck und einen Indianer.

Robin Hoods: „Wir machen eine Performance in der Pause.“

Ordner: „Aha, da funk ich mal den Stadionsprecher an.“

Stadionsprecher: „Ich weiß von nichts, bei mir auf dem Zettel steht nichts.“

Robin Hoods: „Ja, was ist das denn? Wir sollen hier in der Pause eine Aktion gegen Rassismus machen. Und wir sind extra bestellt worden, oder meinen Sie, wir gehen, so wie wir aussehen, zum Fußball?“

Stadionsprecher: „Ja, wenn das so ist, kommt mal rein Jungs. Nix für ungut, man kann ja nicht alles wissen.“

Mit solch einer Begründung kommst du heute in jedes Stadion, murrte einer der Hoods. Das Spiel plätscherte dahin, ein paar Biere auch. Zum Glück hatte man auch die entsprechende musikalische Untermalung dabei, hatte man doch die Clannad-CD mit „Robin, the hooded man“ (dem Soundtrack der alten Fernsehserie) für die Fahrt mitgenommen.

Plötzlich lief das Ding über die Stadionlautsprecher ­ der Auftritt! Der Stadionsprecher öffnet der vermeintlichen Showtruppe das Absperrtor der Kurve hinaus aufs Spielfeld: Die Performance beginnt! Vier – die Akteure sahen zu diesem Zeitpunkt aber bereits acht – Robin Hoods und ein Bruder Tuck jagen einen Indianer über das ganze Spielfeld. Der tat so, als ob er getroffen worden sei, und wurde vom Platz getragen.

Halbzeit-Performance in Schweinfurt

Bruder Tuck wollte den Konflikt der Kulturen schlichten und stellte sich als Mann Gottes schützend vor die Rothaut. Leider gab es nur einen Pfeil und Bogen und mangels Übung des Schützen geschah es, dass der Pfeil direkt unter Bruder Tucks Auge traf, der regte sich auf und fiel erst nach Aufforderung durch die interne Regie um und wurde weggetragen. Pfiffe aus der Schweinfurt-Kurve, die Bierbechertreffer sind verbürgt.

Die Haupttribüne empfing die Akteure jedoch mit Applaus und so setzte man sich erst einmal hin und sah sich den Union­Sieg nach Verlängerung an. Ins VIP-Zelt kam man anschließend allerdings nicht, man wurde mit den Worten „Uns ist zu Ohren gekommen, Sie seien gar nicht offiziell engagiert worden.“ begrüßt. Es erfolgte ein überaus zügiger taktischer Rückzug, zurück blieb ein verdutzter Stadionsprecher. In München wurde Bruder Tuck, der in einer original Kapuziner-Mönchskutte auflief, wegen „Verunglimpfung einer Religion“ sofort verhaftet. Gerüchten zufolge sitzt er jetzt in irgendeinem Camp auf Kuba.

Auf der Rückfahrt am Sonntag war die Truppe dann übrigens noch mit derselben Nummer beim Bonner SC gegen Fortuna Düsseldorf, dem Oberliga-Nordrhein-Spitzenspiel, wieder umsonst drin. Hat eine Menge Aufsehen bei den Ordnern erregt, die dann eine halbe Stunde lang jemanden gesucht haben, der mit Pfeil und Bogen im Stadion ist.

Mach’s gut, Clive, und komm bald wieder!