Sterbe so, wie du gelebt hast

(rk) Fanzine schreiben macht einsam. Vor allen Dingen, wenn die Leute, die früher total eifrig mitgeholfen haben, plötzlich ganz andere Dinge im Sinn haben: neue Freundin, neuer Freund, Job, Familie, Kinder etc. Das ist der Lauf des Lebens. Oder wie es Volker Goll, Gründer des Offenbacher Kickers-Fanzine „Erwin“, sagte: „Wir werden alt und grau. Du willst einfach nicht ewig vor dem Stadion stehen und Fanzines verkaufen.“ Es fehlt der echte Fanzine-Nachwuchs.

Viele der Fanzine-Pioniere sind in die Jahre gekommen. Die „Jungspunde“ zieht es mehr in die Ultra-Szene. Wir wollen das keineswegs verteufeln, aber es ist wirklich schade, dass die Fanzine-Szene darunter leiden muss. Letztes „Opfer“ war oben genannter „Erwin“, benannt nach der Kickers-Legende Erwin Kostedde. Ein absolutes Kult-Fanzine in Kennerkreisen. Der „Erwin“ hat nun aufgegeben ­ wie viele andere Fanzines vor ihm. Mal war der eigene Verein der Schuldige (Verkaufsverbot am Stadion), mal die persönlichen Aspekte. Es steckt eben sehr viel Herzblut und vor allem Arbeit darin, ein solches Magazin regelmäßig zu erstellen, die auch in irgendeiner Weise honoriert werden möchten.

Dies wurde überdeutlich bei der letztjährigen Wahl zum „Fanzine des Jahres 2006“, den der St. Pauli-Klassiker „Der Übersteiger“ für sich entscheiden konnte. Es gibt zwar etliche neue Fan-Magazine bei den erst- und zweitklassigen Vereinen,­ meist haben diese aber eine Auflage, die kaum erwähnenswert ist. Mit 200 Exemplaren kann man nicht wirklich die Fan-Szene erreichen geschweige denn die eigene Vereinspolitik in irgendeiner Art beeinflussen. Zudem ist zu beobachten, dass Online-Fanzines überproportional zunehmen. Die eigenen Texte zu drucken und am Stadion zu verkaufen, diese Bereitschaft geht immer mehr zurück. Es bleiben nur noch wenige alteingesessene Fanzines übrig: „Fan geht vor“ (Eintracht Frankfurt), „Der Übersteiger“ (FC St. Pauli), „Notbremse“ (Hannover 96), Supporters-News (HSV). Nach weiteren auflagenstarken Fan-Magazinen in der 1. Liga sucht man vergebens.

Kurze Beruhigung: Das SCHALKE UNSER macht natürlich weiter -­ auch wenn die Wochenenden manchmal durchaus auch anders verplant werden könnten.

Hier die offiziellen Ergebnisse der Wahl zum „Fanzine des Jahres 2006“. Allerdings haben sich gerade einmal 15 Fan­Magazine beteiligt.

Bestes Fanzine allgemein:
1. Der Übersteiger (FC St. Pauli)
2. Erwin (Kickers Offenbach)
3. Im Zeichen des Brustrings (VfB Stuttgart)
4. SCHALKE UNSER (FC Schalke 04)
5. Notbremse (Hannover 96)

Newcomer:
1. Flaschenpost (Hansa Rostock)
2. Unserhaching (Unterhaching)
3. Drohnbüttel (HSV)

Fan-Szene:
1. Fan geht vor (Eintracht Frankfurt)
2. SCHALKE UNSER (FC Schalke 04)
3. Im Zeichen des Brustrings (VfB Stuttgart)

Hopper:
1. Hopp Hard
2. Beziehungskiste
3. Kick off

Kultzine:
1. Erwin (Kickers Offenbach)
2. Fan geht vor (Eintracht Frankfurt)
3. Homer (Lippstadt)