Viel kriegen, ohne viel dafür zu kriegen

Liebe Schalke-Fans,

ich muss mich erst einmal vorstellen. Ich heiße Nikita Sergejewitsch und will Euch in meinen Briefen an dieser Stelle in unregelmäßiger Folge ein wenig über mein Heimatland und vom Wirken Eures neuen mächtigen Partners berichten.

Da habt Ihr ja wirklich großes Glück gehabt, denn mit einem so starken Freund an der Seite werdet Ihr die T-Com-Leute aus Bayern schon packen und Meister werden! Schon aus Rache, denn Euer Verfassungsschutz hat ja was dagegen, dass wir Russen bei Eurer Telekom einsteigen.

Obwohl, so richtig glatt gelaufen ist hier ja leider auch nicht alles in der letzten Zeit. Ihr werdet ja wissen, dass wir in Russland ziemlich viel Öl und Gas haben. Ganz viel Gas liegt zum Beispiel im Feld von Schtokman. Nur leider kommen wir da nicht immer so ohne weiteres ran.

Und da hat Euer Sponsor Gazprom sich dann ein paar amerikanische und andere Ölfirmen aus dem Westen ausgesucht, die ihm bei der Förderung helfen sollten. Als die Amerikaner dann aber immer wieder Ärger mit der Aufnahme unseres Landes in die Welthandels­organisation gemacht haben, da hat es Gazprom und unserem Präsidenten Putin ­ – was ja so ungefähr dasselbe ist -­ gereicht: Im letzten Herbst hat erst Gazprom gesagt, dass wir unser Gas jetzt alleine aus dem Boden holen werden.

Und dann hat unser Präsident Eurer Bundeskanzlerin angeboten, dass sie ja jetzt das ganze Gas, das bisher für die Amis vorgesehen gewesen war, kriegen kann. Und gehofft, dass Ihr Deutschen uns dann so ein bisschen bei den technischen Problemen helfen könntet. Aber Eure Angela hat aufgepasst und das nicht mitgemacht.

Prima war dagegen die Sache mit Sachalin im äußersten Nordosten Russlands. Auch da gibt’s jede Menge Gas unter Wasser. Leider haben wir da schon vor ein paar Jahren Shell erlaubt, das Gas zu fördern. Dass die die Umweltauflagen nicht so richtig eingehalten haben, hat bis auf die Grauwale und ein paar verrückte Umweltschützer niemanden gestört. Auch unsere Gerichte fanden alles okay.

Bis unser Präsident die Idee hatte, dass eigentlich nur russische Firmen an unsere Bodenschätze sollten. Und da hat man sich die Grauwale dann im letzten Sommer noch mal genau angeguckt und herausgefunden, dass es ihnen eigentlich ganz dreckig geht. Die Leute von Shell mussten ihr Projekt stoppen. Sie haben dann kurz vor Weihnachten Eurem Sponsor die Mehrheit an dem Projekt gegeben und nun kann’s weitergehen. Und die Wale? Können ja schließlich woanders hinschwimmen.

Das sind Tricks, die vielleicht auch Eurem Kollektiv nutzen können! Denkt mal drüber nach. Und wenn die Presseheinis darüber schlecht schreiben ­ macht nichts. Gazprom hat jetzt einen neuen Mann für die Öffentlichkeitsarbeit eingestellt. Der hat früher für die Atom-Industrie in England gearbeitet und kennt sich mit so was gut aus. Der hilft Euch dann bestimmt.

So das war’s für heute! Für’s neue Jahr wünsche ich uns allen ­ wie man bei uns in Russland sagt, dass wir im neuen Jahr möglichst viel kriegen, ohne viel dafür zu kriegen*, wenn Ihr mich versteht!

Doswidanje!

Euer Nikita

* Redewendung, mit der zum Ausdruck gebracht werden soll, dass man für rechtswidrig erlangte Vermögensvorteile möglichst nicht belangt werden möchte (Anmerkung des Übersetzers)