Brief aus dem Sponsorenland

Guckt Euch mal die Kollegen von Zenit Petersburg an

St. Petersburg, den 31. Januar 2008

Liebe Schalke-Fans,

nun habe ich mich fast ein Jahr nicht mehr bei Euch gemeldet. Tut mir leid, Leute, aber – um ehrlich zu sein – ich war auch ganz schön enttäuscht, dass Ihr das in der letzten Saison mit dem Titel nun wieder nicht hingekriegt habt. Mit dem Sponsor im Rücken war das ja schon ein Kunststück! Guckt Euch mal die Kollegen von Zenit Petersburg an: Mit Gasprom auf der Brust ist man Meister geworden. So geht das! Aber immerhin sind ja die T-Home-Leute aus München hinter Euch geblieben, das hat uns in Russland ja dann doch wieder etwas versöhnt. Und vielleicht wird es ja in diesem Jahr, obwohl ….

Aber lassen wir das. Geduld und Arbeit sind das beste Mahlwerk, wie man bei uns sagt. Und eigentlich wollte ich Euch ja aus dem Gasprom-Land berichten. Da ist es in dieser Saison ganz schön spannend, denn immer wieder wird gewählt. Erst das Parlament und jetzt im Frühjahr der Präsident. Natürlich sind die Wahlen nicht so wild wie bei Euch, wo man hinterher manchmal gar nicht weiß, wer denn nun eigentlich regieren soll. Nein, schön kontrolliert läuft das Ganze hier ab, wie in einem kultivierten Fußballspiel. Oder „souverän“, wie die Leute aus dem Kreml das nennen. Und die paar Störenfriede wie Kasparow, die das ganze System noch nicht verstanden haben, sollen doch wieder Schach spielen gehen.

Euer Sponsor passt auf alles gut auf, da könnt Ihr ganz ruhig sein. So bleibt es im Winter schön warm bei Euch und es rollen auch weiter Rubel in Eure Vereinskasse. Für alle ist es deshalb auch das Beste, wenn ein hohes Tier von Gasprom unser nächster Präsident wird. Dmitri Anatoljewitsch Medwedew heißt der Mann und war vorher Aufsichtsratsvorsitzender bei Gasprom. Der muss zwar noch gewählt werden, aber das ist reine Formsache, macht Euch keine Sorgen.

Und damit auch wirklich nichts schief gehen kann, nimmt er auch nicht an Fernsehdebatten mit seinen Konkurrenten teil. Hat einfach zuviel zu tun, heißt es. Wisst Ihr, der Mann ist einfach eine andere Liga! Ihr kickt ja auch nicht mit Fortuna Düsseldorf um Punkte. Ist auch ein echt lockerer Typ, der Dmitri. Natürlich eingefleischter Fan von Zenit! Und Rockfan dazu. Vielleicht können ja dann auch Eure Scorpions mal wieder was in Moskau vorspielen, wie neulich unseren Geheimdienstlern. Die waren ja ganz begeistert, als Klaus Meine & Co. am „Tag der Sicherheitsdienste“ am 20. Dezember gerockt haben. Die Scorpions hatten gemeint, zu einem Weihnachtskonzert aufzuspielen. Dabei wurde die Gründung der bolschewistischen Geheimpolizei vor 90 Jahren gefeiert! Nastarowje!

Zuletzt aber doch noch ein ehrliches Wort: Das mit dem Meistertitel solltet Ihr spätestens in der nächsten Saison gebacken kriegen, sonst gibt’s Stress mit dem Sponsor. Im Vertrauen: Bei uns möchte man noch mehr als bei Euch immer auf der Gewinnerseite stehen. Deshalb werden bei uns gerade die Geschichtsbücher überarbeitet. Ist einfach noch viel zu viel negativer Stalin drin, hat unser Putin gesagt. Stolz sollen die Schüler auf ihr Land sein! Wer spielt schon gerne bei einem Abstiegskandidaten mit? Verstanden? Also dann ran an den Speck, auf eine gute Rückrunde!

Mit solidarischen Grüßen

Euer

Nikita Sergejewitsch