Keine Bagatellisierung!

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SCHALKE UNSER 102

0:3 verlor der glorreiche S04 gegen den 1. FC Köln. Besonders unglücklich sah dabei Alex Nübel aus.

Mindestens ein Tor ging auf die Kappe des jungen Keepers, der uns bald in Richtung Süden verlassen wird. Häme, Pfiffe und „Nübel raus“-Rufe waren die Quittung von vielen Blau-Weißen. Sportvorstand Jochen Schneider formulierte nach dem Spiel: „Vor zehn Jahren war das Thema Robert Enke so groß – und wir übergießen einen 23-jährigen Jungen, der einen Fehler macht, mit dieser Art von Häme.“

Wo will man bei dieser Aussage anfangen? „Enke“ war kein „Thema“ – er war ein Mensch, der sich in Folge seiner schweren Erkrankung umgebracht hat. Enke starb nicht aufgrund von Pfiffen oder übertriebener Kritik. Enke brachte sich um, weil seine Depression seine Sicht auf die Dinge verzerrte.

Wer Kritik mit dem Verweis auf den Enkes Suizid kritisiert, der bagatellisiert eine schwere Krankheit. Wer sich bei Pfiffen gegen einen Spieler auf Enke beruft, der instrumentalisiert einen Toten, der sich nicht wehren kann. Wer einen Spieler seines Teams auf diese Art schützen will, der mag zwar eine gute Absicht haben, aber er erweckt dennoch den Eindruck, dass es reicht, einfach nur netter zu sein, um Depressionen zu verhindern. Ein brandgefährliches Spiel.

Ronald Reng, Autor und Freund Enkes, nannte solch Verhalten in einer Kolumne „gefährlich“. Es banalisiere Depressionen. Wenn Ihr oder jemand in Eurem Umfeld an Depression leidet, könnt Ihr Hilfe von der Telefonseelsorge bekommen. Sie ist online und unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 zu erreichen.

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