(su) Auf kaltem, nein, kältestem Wege hat der Verein ein Format abgeschafft, das die versprochene Transparenz den Mitgliedern gegenüber hätte einhalten können: das „mitGEredet“. In vielerlei Hinsicht ein Rückschritt in der Vereinsdemokratie.
„Offene, transparente Kommunikation und gesunder, konstruktiver Austausch für unsere Mitglieder.” Der ist offensichtlich nicht mehr gewünscht. Zu den Gründen verwies der Verein auf Anfrage des SCHALKE UNSER auf seine Homepage. Dort verweist der Verein darauf, dass nach der Änderung von Hybridveranstaltung die Nutzendenzahlen „mäßig” gewesen seien und zwei Drittel der Mitglieder ihre Wahlentscheidung erst bei der Versammlung träfen. Damit bliebe das andere Drittel, deren Stimmen durchaus ausschlaggebend sein könnten. Grundlage seien „mehrere Mitgliederumfragen” gewesen, die der Verein jedoch schon länger gar nicht mehr durchführt. Darüber hinaus wäre der logischere Schritt gewesen, die Veranstaltung wieder hybrid durchzuführen. Dieses Verfahren sei „effizient, transparent und im Sinne einer lebendigen Mitgestaltung unseres Vereins”. Nur: Genau diese Transparenz wird schon im Vorfeld der Mitgliederversammlung bezweifelt. Schon bei „mitGEredet“ klagten viele Teilnehmer auf den sozialen Medien, dass ihre – ggf. unangenehme Frage – einfach nicht drangenommen worden ist. Mag die Auswahl eine redaktionelle (der Verein ist aber keine zur Objektivität verpflichtete Redaktion) sein, so blieb schon bisher ein „Geschmäckle”. Aufgewogen wurde es bisher dadurch, dass die – zugegeben wenigen – Teilnehmer vor Ort ungefiltert ihre Fragen in den Raum werfen konnten.
So ein Verfahren ist dazu auch vereinsdemokratisch schwierig: Da die Fragen von Schalke-Mitarbeitern ausgesucht werden, entstehen Zweifel, ob der Verein / der Vorstand Einfluss auf die Wahl nehmen: Zweifel, ob „genehme” Kandidaten – die dem Vorstand ggf. wenigstmöglich widersprechen, nicht so genau hinsehen oder wenig „Arbeit machen” – eher „Servicefragen” bekommen, während andere Kandidaten tendenziell mit unangenehmen Fragen konfrontiert werden. Das unterstellt das SCHALKE UNSER dem Vorstand zunächst nicht – nur werden sich solche Theorien niemals aus dem Weg räumen lassen, wenn es keine Möglichkeit gibt, den Kandidaten ungefiltert Fragen stellen zu können. Im schlimmsten Fall könnte dies sogar zur Anfechtung einer Wahl führen, wenn auch nur der Eindruck entsteht, einige Kandidaten würden bevorzugt.
Dazu hat das SCHALKE UNSER dem Verein einen Fragenkatalog übermittelt. Der Verein verwies in seiner Antwort schlicht auf die Veröffentlichung im Internet. Auf unsere Fragen zu Mitwirkungsrechten sowie zu Auswahl und Vorfilterung der Fragen ist der Verein nicht eingegangen. Was jedoch bei Schalkes Vereinsmitgliedern als bittere Erkenntnis ankommen dürfte: Am ehesten „spart” ein selbsterklärt basisdemokratischer Verein mit mehr als 200.000 Mitgliedern aus Nützlichkeitserwägungen an Mitwirkungsmöglichkeiten, sofern die aktive Wahrnehmung dieser Errungenschaften aus scheinbarem Desinteresse ausbleibt.
Regere Beteiligung an unserer Vereinspolitik wäre also im Umkehrschluss die beste Absicherung gegen den gewöhnungsbedürftigen Gedankengang, das Ding mit der Mitwirkung sei nicht zeitgemäß, nicht erwünscht, koste nur unnötig Geld und könne weg. Demokratie darf Geld kosten – man sie sich nur leisten wollen. Und wenn es um die Anleihe geht, dann kann man sich auch mal ein interaktives Format gönnen – da geht es plötzlich.

