Eine Frage des Charakters

(rk) Der FC Schalke 04 droht seine sportlichen Ziele in dieser Saison komplett zu verfehlen. In der Liga graues Mittelfeld, spätestens seit dem Desaster in Darmstadt eher mit dem Blick nach unten als nach oben. Im DFB-Pokal ausgeschieden. In der Euro League wurde den Schalkern von der Ajax-Truppe der Spiegel vorgezeigt. So wären wir gern: Enthusiastisch vorgetragener Offensivfußball und ein begeistertes Publikum, das den früheren Ajax-Spieler Klaas-Jan Huntelaar sehr sympathisch wieder „zu Hause“ willkommen hieß.

Und wie reagiert der FC Schalke 04 darauf?

Eigentlich wie immer. Der Trainer wird an den Pranger gestellt, er wird von einer Allianz aus BILD-Zeitung und Funke-Gruppe so angezählt, dass den „Verantwortlichen“ nach dem vermeintlich vorprogrammierten Viertelfinal-Aus am kommenden Donnerstag nur noch wenig anderes übrig bleiben wird, als zu handeln. So wird man es wohl darstellen.

Die sportliche Situation ist mehr als bescheiden. Und natürlich trägt auch ein Trainerteam seinen Teil dazu bei. Und selbstverständlich wird es immer wieder mal – auch auf Schalke – Trainerentlassungen geben. Der Umgang mit solchen Situationen ist aber auf Schalke traditionell so: Der Trainer wird systematisch abgefertigt, Presse und Medien geleiten ihn zur Schlachtbank.

Nochmal zur Erinnerung: Vor dieser Saison wurde ein Umbruch mit großen Versprechungen angekündigt. Christian Heidel kam als neuer Sport-Vorstand und holte für etwa 4 Millionen Euro Ablöse den vermeintlich besten zur Verfügung stehenden Trainer. Markus Weinzierl bekam Vorschusslorbeeren – von Christian Heidel und von Clemens Tönnies. Mit ihm würde alles besser. Und viele Schalke-Fans hegten die gleiche Hoffnung. Es konnte ja kaum noch schlechter werden, dachten sicher viele. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Markus Weinzierl ist ein junger Trainer. Es muss allen klar gewesen sein, dass nicht alles rund laufen wird, dafür fehlt ihm ganz einfach die Erfahrung – grad in einem solch stürmischen Klub wie dem FC Schalke 04. Es bestand also von vornherein ein ziemliches Risiko. Dieses Risiko realisiert sich nun.

Aber statt Charakter zu zeigen, sich selbst auch mal einzugestehen, einen Fehler gemacht zu haben, wird ein Sündenbock gesucht. Und das passiert nicht nur intern, sondern „vor laufender Kamera“. Der Schalke-Präsident Clemens Tönnies gibt dazu ein Interview und die Sport-Redaktionen von BILD und Funke-Gruppe sind sich wundersam einig: „Der Trainer muss weg!“

Welche Konsequenz ergibt sich daraus für den FC Schalke 04?

Der Umgang der „höchsten Etage“ mit dem selbst eingestellten und dann doch wieder „zum Teufel geschickten“ Führungspersonal – egal ob noch vor einem Jahr Horst Heldt und Andre Breitenreiter oder nun Markus Weinzierl – wird es schwer und schwerer machen, neue Führungspersönlichkeiten an den Schalker Markt zu locken, die noch richtig Bock auf Schalke haben. Mit Geld – mit viel Geld – wird man zwar immer noch Trainer und Spieler bekommen, Schalke 04 wandelt sich damit aber vom jetzt schon überbeanspruchten Prädikat eines „Kumpel- und Malocherklubs“ hin zum Söldnerverein.

Von dem Charakter, wie er bei Ajax Amsterdam herrscht, sind wir jedenfalls meilenweit entfernt und entfernen uns immer mehr.

(Foto: Torsten Mannek)

2 Gedanken zu „Eine Frage des Charakters

  • 18. April 2017 um 23:04
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    der letzte Satz sagt es, Zitat:
    “ Von dem Charakter, …………………….., sind wir jedenfalls meilenweit entfernt und entfernen uns immer mehr.“

    und ihr seit schon meilen weit weg vom S04
    vom „schalke unser“ kommt nur dann was wenn es nicht läuft,
    ihr bereitet doch den medien den boden für zwietracht und aktionismus

    ich hab von euch noch keinen positiven bericht gelesen

    Antwort
    • 19. April 2017 um 06:39
      Permalink

      Hallo Peter, vielen Dank für Deinen Kommentar, auf den ich gern antworten möchte.

      Zunächst einmal ist es richtig, dass wir der aktuellen Situation wenig Positives abgewinnen können. Das liegt aber irgendwie auch in der Natur der Sache. Schau Dir mal andere Nachrichtenportale an, berichtet wird da selten von den Überlebenden im Straßenverkehr, sondern meist über Getötete und Verletzte. Und es ist nicht so, dass wir nicht auch gern über sportliche Erfolge berichten würden.

      Wenn wir aber eines mal positiv erwähnen möchten, dann, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies wirklich mal ziemlich lange zurückgehalten hat. Sein Interview in der Bild nun in der vergangenen Woche war aber aus unserer Sicht kontraproduktiv und hat in erster Linie dem Trainer geschadet. Nun kann man immer sagen, dass der Trainer auch vielleicht die größte Verantwortung für die sportliche Situation hat und daher auch bei sportlichem Misserfolg kritisiert werden darf. Ja, sicher, darf er das. Wenn dies aber vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats nicht intern abläuft, sondern in einem Interview, dann muss man sich auch Gedanken über die Intention machen dürfen.

      Insofern kritisieren wir ja grad auch das Verhalten der großen Medien. Dass wir hier „den Medien den Boden bereiten für Zwietracht und Aktionismus“ ist daher absurd, weil wir ja grad genau das kritisieren.

      Wir hoffen, schon bald mal wieder einen positiven Bericht veröffentlichen zu können. Vielleicht ja schon am Donnerstag, wenn wir Ajax Amsterdam nach Hause schicken.

      Glückauf, Roman

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