87 Verletzte sind anscheinend okay

15. September 2013  |  Veröffentlicht in Attacke, News  |  9 Comments

Manchmal sagt man etwas im Eifer des Gefechts ziemlich scharf und bedauert es dann. Genau das hat Schalke getan - und liegt damit jetzt erst falsch.

Die Kritik an dem Polizeieinsatz beim Paok-Spiel sei “in Wortwahl und Tenor” zu scharf gewesen, heißt es jetzt in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Innenminister, der diese gemeinsame Erklärung auch einen Tag später noch nicht veröffentlicht hat. Wäre spannend zu erfahren, ob auch der Einsatz in “Schlagstockwahl und Pfeffereinsatz” zu scharf gewesen ist. Wir lesen nur den “Fehler” des Vereins. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier soll es um unseren Verein, besser, seine Führung gehen. Er hat gut daran getan, den Einsatz der Polizei scharf zu verurteilen. Wie kann man 87 Verletzte, davon eine in einer lebensbedrohlichen Situation, “ein bisschen scharf” verurteilen? Wann wäre Schalkes Ton angemessen gewesen - bei 88 Verletzten, 89, 90, wer bietet mehr? Was hat der “Pfeffer- und Knüppelclub” noch zu bieten, der jetzt wieder ins Stadion will? Hat er jetzt den Segen des Vereins, bis zu 87 Menschen zu verletzen, nur eben nicht mehr?

Es ist gut, dass Polizei und Verein wieder aufeinander zugehen. Der Kindergarten darf so nicht weitergehen. Vielleicht hat der Verein an dem Tag auch einen Fehler gemacht, vielleicht nicht. In jedem Fall keinen so großen wie die Polizei. Das ist aufzuarbeiten. Aber für die Wortwahl muss der Verein sich nicht entschuldigen. Unrecht darf man nicht schönreden. Niemals. Sonst macht man sich mitschuldig.

SCHALKE UNSER bleibt bei seiner Darstellung - unsere wirtschaftlichen Interessen sind von der Polizei auch nicht berührt, und selbst wenn, wäre es uns egal. Einer unserer Redakteure hat gesehen, wie ein Beamter einem achtjährigen Kind Pfefferspray ins Gesicht packte - und es hat ihn nicht angegriffen. Einem unserer Autoren wurde mit dem Schlagstock die Kamera aus dem Arm geschlagen - weil er seiner Bürgerpflicht nachkam, eine Straftat, diesmal die eines Beamten, zu filmen. Ein anderer Redakteur hat gesehen, wie Beamte Schalkern auf dem Rückzug das biologische Kampfmittel Pfefferspray hinterhersprühten, von hinten mit Schlagstöcken angriffen und wie Beamte Sanitäter außer Gefecht gesetzt haben. Und das ist nur das, was wir als Redaktion selbst bezeugen können und jederzeit werden. Und damit sind und bleiben Tenor und Wortwahl unserer Berichterstattung klar.

Responses

  1. MUMay says:

    September 15th, 2013 at 14:03 (#)

    Das ich als alter Herthaner mal mit Gelsenkirchen 04 einer Meinung bin hätte ich auch nicht gedacht. Respekt für diesen Artikel.

    Blau (das richtige Blau ;-) )-Weiße Grüße

    Uwe

  2. Wührer says:

    September 15th, 2013 at 15:14 (#)

    Pfefferspray ist ein Chemischer Kampfstoff! Und für den Einsatz Chemischer Kampfstoffe möchte die USA doch in Syrien bei der ein oder anderen Abreissarbeite, mittels Marschflugkörper und Raketen helfen ;)
    Ansonsten schöner Kommentar

  3. Maddin says:

    September 16th, 2013 at 06:37 (#)

    Das Einknicken und Kuschen vor einer inkompetenten Polizeiführung und einem Amok laufenden Innenminister ist ein Schlag ins Gesicht aller aktiven Schalke-Fans und ganz besonders der Opfer des rechtswidrigen (erst Volksverhetzung, dann Putativgefahr Platzsturm als Begründung; falsche Störerauswahl/Nicht-Störer u.a.) und völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes.

    Aber als Schalke-Fan weiß man auch wieder wo man dran ist: Von den S04-Verantwortlichen, inbes. den Herren Peters und Beckers-Schwarz wird man als Fan - wie gewohnt - verleugnet. Herr Beckers-Schwarz hat laut Einsatzleiter Sitzer zu der Polizei unmittelbar vor dem Einsatz sogar gesagt “wann geht ihr da endlich rein … ihr müsst da (in der friedlichen Nordkurve!) für Ruhe sorgen”. Es wird klar, dass weder Polizei noch die genannten Schalke-Verantwortlichen ein Interesse an einer Aufkärung haben.

    Da auch den auf Schalke tätigen Sportjournalisten keine Aufklärung zuzutrauen ist, werden die Schalker Fans die Dummen sein. Man muss vor diesem Hintergrund kein Prophet sein um vorauszusagen, dass das Klima zwischen vielen aktiven Fans auf der einen Seite und der Polizei und den S04-Verantwortlichen auf der anderen Seite in Zukunft total vergiftet sein und zunehmend eskalieren wird.

  4. Pfälzer says:

    September 16th, 2013 at 12:23 (#)

    Es ist ein Skandal was sich unsere Polizei da geleistet hat. Und noch schlimmer ist das die Staatsmacht ihren Fehler nicht einsieht!
    Was wäre gewesen, es wäre Panik ausgebrochen und es hätte TOTE gegeben!!

    Eine Frechheit hoch 3 von kampfwütigen Polizisten, die auf kosten friedlicher Fans ihren Frust abbauen!

    Schande über Euch….

  5. Links anne Ruhr (17.09.2013) » Pottblog says:

    September 18th, 2013 at 05:49 (#)

    [...] 87 Verletzte sind anscheinend okay (SCHALKE UNSER) – Manchmal sagt man etwas im Eifer des Gefechts ziemlich scharf und bedauert es dann. Genau das hat Schalke getan – und liegt damit jetzt erst falsch. [...]

  6. Treibgut 18.9. | .::: derMattn.de :::. says:

    September 18th, 2013 at 14:21 (#)

    [...] schwatzgelb.de: Unsa Senf – Demokratische Leerstunde. Noch einmal zu Schalke mit guten Kommentaren und Links zum Schalker Fanzine “Schalker Unser“. [...]

  7. Harry says:

    September 18th, 2013 at 14:35 (#)

    Man sollte wirklich meinen, dass die SPD in ihrer Geschichte genug Erfahrung mit Polizeigewalt gemacht hat und sie nicht so unkritisch auch noch rechtfertigt.
    Ich hab mir mal den Spaß gemacht, das Wahlprogramm der SPD zu dem Thema durchzusehen:
    “Die Polizei leistet unverzichtbare Arbeit für unser Gemeinwohl. Ein friedliches Zusammenleben braucht professionelle und permanent gut geschulte Polizistinnen und Polizisten, die vor Ort präsent sind und die, wo sinnvoll, in Sicherheitspartnerschaften eingebunden sind. Die Arbeit der Polizei muss anerkannt und angemessen ausgestaltet sein. Eine Privatisierung von Sicherheitsaufgaben lehnen wir ab”.

    “Polizei vor Ort”, “Privatisierung wird abgelehnt” steht da. Und dann die beleidigten Drohungen des Herrn Jäger. Gegen den war Gauweiler ja ein Linker.
    Mittlerweile muss man seine Kinder im Stadion nicht mehr vor Hools, sondern vor der Polizei warnen. Und die Politik klatscht Beifall. Da denkt man schon an Beispiele aus unserer Geschichte…

  8. Schalke Unser: Eiertanz ums Goldene Kalb says:

    September 27th, 2013 at 13:29 (#)

    [...] dass Verein und NRW-Polizeiminister Ralf Jäger ihre Streitigkeiten in einer angeblich gemeinsamen, aber doch sehr einseitigen Erklärung beigelegt haben. Das jedoch ändere nichts an der Haltung des Vereins, betonte der Verein auf [...]

  9. Stunde der Wahrheit says:

    Juli 8th, 2015 at 08:10 (#)

    [...] ja nur wegen der Form gewesen. 87 Verletzte sind irgendwie halt nicht in Ordnung, nur soll man das nicht zu deutlich sagen. Aber dagegen ist man irgendwie [...]

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