Fischers Auferstehung

(rk) Legendäre Spiele von gestern und vorgestern der Knappen vom Schalker Markt. Heute führt uns die Reise ins Jahr 1973. Der Bundesliga-Skandal hing immer noch grau und schwer am Himmel.

Schalke war weit unter seinen Möglichkeiten geblieben und schlecht in die Saison 73/74 gestartet. Pleiten gegen den VfB Stuttgart (0:3), Hamburger SV (2:5), Kickers Offenbach (0:2), Hertha BSC Berlin (0:1) und Mönchengladbach (0:6) brachten das Schalker Team in arge Bedrängnis. Doch am 6. Oktober ging ein bereits erloschen geglaubter Stern ein zweites Mal am Fußball-Himmel auf.

Klaus Fischer hatte ein Horrorjahr hinter sich. Wegen seiner Verwicklung in den Bundesligaskandal drohte ihm eine lebenslange Sperre, im Herbst 1973 wurde er aber begnadigt. Zum Glück. Denn nach dem 4:2-Sieg über den Wuppertaler SV am 6.10.73 bestand kein Zweifel mehr: Klaus Fischer was back!

Nach 13monatiger Verbannung aus dem Spielbetrieb begann der nunmehr 23jährige Mittelstürmer seine zweite Fußballer-Laufbahn – mit drei Toren, davon zwei Kopfball-Torpedos (zum 1:0 und 4:2) und einem kaltblütig herausgespielten Tor zur 2:0-Führung. 50 000 Zuschauer im Parkstadion dankten und gratulierten mit blau-weißen Ovationen.

Der Sieg brachte Schalke zunächst auf den 14. Platz. Trainer Ivica Horvat war überglücklich: „Mit dem Einsatz von Klaus Fischer ist unser Mittelstürmer-Problem gelöst. Die Mannschaft wird von Spiel zu Spiel stärker.“

Trainer-Assistent Friedel Rausch, der Fischer während der Sperre fit gehalten hatte, sagte: „Der Klaus ist in bester Verfassung. Ich kenne keinen zweiten deutschen Spieler, der so kopfballstark ist.“

Wuppertals Trainer Horst Buhtz schmeckte der Kaffee gar nicht: „Die Schalker haben eigentlich kein großes Spiel geliefert, aber sie besitzen einen großartigen Mittelstürmer, der von Fehlern der Abwehr profitiert.“ Sein Lob für Erwin Kremers tat sich auch ganz gut an: „Der Erwin ist doch nur mit Fouls zu stoppen, und ich hätte mich als ehemaliger Profi wirklich gefreut, wenn er bei seinem Alleingang zum 3:0 am Trikot festgehalten worden wäre.“

Auch Bruderherz Helmut wußte zu überzeugen, und so erhielten beide eine Einladung zu den Länderspielen gegen Österreich in Hannover und gegen Frankreich in Gelsenkirchen.

Nach dem 3:0 begann allerdings noch einmal das große Bangen, als der WSV die Pannen in der Schalker Abwehr zu zwei Treffern nutzen konnte. Doch der kurzzeitig aufkeimenden Hoffnung bei den Wuppertalern bereitete Fischer mit seinem Kopfball-Knaller zum 4:2 den Garaus.

Die tiefe Talsohle schien überwunden, und tatsächlich ging es wieder aufwärts. Vor allem in der Rückrunde spielte der FC Schalke gekonnt auf. Nach einer Niederlage im ersten Spiel der Rückrunde gegen Stuttgart gelangen 23:3 Punkte in Serie.

Am Ende der Saison belegte Schalke einen achtbaren siebten Platz und Klaus Fischer hätte heutzutage mit seinen 21 Saisontreffern die Torjägerkanone sicher gehabt. 1974 mußten sich diese Gerd Müller und Jupp Heynckes mit jeweils 30 Treffern teilen. Wenn man bedenkt, daß Klaus Fischer noch die ersten neun Ligaspiele gesperrt war, wäre es unter normalen Bedingungen durchaus möglich gewesen, daß man die Kanone mindestens hätte dritteln müssen.

Beifall und Kritik ernteten beim FC Schalke 04:

Helmut Pabst, Ulrich van den Berg, Helmut Kremers, Hartmut Huhse, Jürgen Sobieray, Klaus Beverungen, Paul Holz, Klaus Scheer, Peter Ehmke (ab 46. Franz Krauthausen), Klaus Fischer, Erwin Kremers

Und beim Wuppertaler SV: Müller, Kohle, Neuberger, Miss (65. Georg Jung), Reichert, Cremer, Stöckl, Lömm, Hermes, Gustl Jung, Pröpper

Schiedsrichter:

Frickel (München)