Weisse noch?!

Die SCHALKE UNSER-Zeitreise geht heute mal etwas weiter zurück in die Vergangenheit – ungefähr siebeneinhalb Millionen Jahre. In seinem Roman „Das Restaurant am Ende des Universums“ beschreibt Douglas Adams, was damals geschah: Das Universum war gerade erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. Da das Universum schon damals so verwirrend war, wurde ständig nach Erklärungen gesucht. Ein Volk hyperintelligenter, pandimensionaler Wesen baute zu dieser Zeit einen riesenhaften Supercomputer namens Deep Thought, der ein für allemal die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem übrigen herausfinden sollte. Siebeneinhalb Millionen Jahre rechnete Deep Thought und schließlich verkündete er, die Antwort laute:

Zweiundvierzig

Daraufhin mußte ein neuer, noch größerer Supercomputer gebaut werden, der herausfinden sollte, wie denn die Frage überhaupt gelautet hatte. Dieser Rechner steht in der SCHALKE UNSER-Redaktion.

Am 11.8.1957, also vor zweiundvierzig Jahren, begannen die Schalker die damalige Oberligasaison mit einem 5:0-Auswärtssieg bei Hamborn 07. Eine Vorentscheidung fiel am 24. Spieltag, als die furios gestartete und fast enteilte Alemannia aus Aachen in der Glückauf-Kampfbahn antreten mußte und mit 4:0 nach Hause geschickte wurde. Am 30. und letzten Spieltag am 13.4.1958 langte der 1:0-Sieg beim SV Sodingen knapp zur Westmeisterschaft, dem 1. FC Köln blieb bei einem Punkt Rückstand nur der zweite Platz. Schalke durfte als Meister der Oberliga West an den Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen.

Da die Weltmeisterschaft in Schweden vor der Tür stand, wurde die Vorrunde aus Zeitgründen in einer einfachen Runde auf neutralen Plätzen ausgetragen. Dem 4:1 gegen Eintracht Braunschweig folgte das 9:0 gegen Tennis Borussia Berlin. Damit kam es am 10.5.1958 in Hamburg gegen den bis dahin ebenfalls ungeschlagenen Karlsruher SC zu einem echten Gruppenendspiel, bei dem die Knappen deutlich mit 3:0 die Oberhand behielten. In der anderen Gruppe hatte der Hamburger SV mit dem damals 18jährigen Uwe Seeler in seinen Reihen ebenfalls ohne Niederlage die Oberhand behalten. Am 18.5.1958 trafen sich beide Mannschaften vor 80.000 Zuschauern in Hannover, um den Deutschen Meister 1957/1958 zu ermitteln.

Zweiundvierzig Jahre und zwei Tage vor dem letzten Spieltag der Saison 1999/2000, bei siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit erscheint uns diese Abweichung akzeptabel.

Die Schalker Mannschaft, die gegen den hohen Favoriten aus Hamburg im Niedersachsenstadion auflief, hatte ein Durchschnittsalter von 22,5 Jahren. Manni Orzessek im Tor sowie die beiden harten Verteidiger Helmut „Catcher“ Sadlowski und Günter Brocker sorgten damals dafür, „daß die Null stand“. Als Stopper ergänzte der aus der eigenen Jugend gekommene Otto Laszig die Defensive, zusammen mit Günter „Ille“ Karnhof und Karl Borutta bildete er die Mittelreihe.

Ebenfalls aus der eigenen Jugend stammte der auf der rechten Seite spielende Willi „Der Schwatte“ Koslowski. Auf der linken Seite organisierte Berni Klodt den Angriff und brachte immer neue Ideen ins Spiel. Heiner Kördell und Manni Kreuz auf den beiden Halbpositionen in der Offensive unterstützten den Mittelstürmer Günter „Forelle“ Siebert. Ebenfalls zum Kader gehörten damals unter anderem Strafstoß­Spezialist Paul Matzkowski, Hansi Krämer und Jackel Jagielski. Besonders bitter traf es Spielmacher Willy Soya, der in 28 Oberliga-Spielen 17 Tore schoß, sich aber in der Vorrunde gegen Braunschweig schwer verletzte und ausgerechnet im Endspiel nicht dabei sein konnte. Vierzehn Tage später vor dem letzten Gruppenspiel gegen Karlsruhe brach sich Verteidiger Helmut Laszig den Knöchel.

Schon nach fünf Minuten brachte Mannschaftskapitän Berni Klodt, mit 31 Jahren der älteste im Team, die Königsblauen in Hannover mit einem Flugkopfball in Führung, noch vor der Pause sorgte sein 2:0 für die Vorentscheidung. Manni Kreuz, im Zivilberuf Steuerbeamter, sorgte mit einem für ihn typischen Gewaltschuß in der 75. Minute für den 3:0-Endstand. Damit ging die Meisterschaft zum siebten Mal an den Schalker Markt – der Rekord des Clubs aus Nürnberg war eingestellt.

Die Ankunft der Mannschaft in Gelsenkirchen wurde im Regionalfernsehen übertragen, das Haus von Berni Klodt war vollständig mit Girlanden geschmückt. Zwei Brauereien schenkten Freibier aus, ein Gastwirt hatte seine ganze Kneipe blau-weiß angestrichen und die örtliche Industrie einen Triumphbogen aufgebaut. 50.000 Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz und 300.000 auf den den Gelsenkirchener Straßen feierten den neuen Deutschen Meister. Ernst Kuzorra stellte lapidar fest: „So haben sie uns 1942(!) nicht empfangen.“