Weisse Noch?!

Bei der Eröffnung der „Arena auf Schalke“ am 13.8.2001 waren fast alle, die diese Zeilen lesen, dabei. Bei der Eröffnung des Parkstadions am 1.8.1973 waren es schon einige weniger. Noch weniger Leser können noch von der Eröffnung der Glückauf­Kampfbahn berichten. Wie lief die vorletzte Stadioneröffnung vor 75 Jahren ab?

Glückauf

„Leibesübung ist Bürgerpflicht und sichert uns die Gesunderhaltung des Volkes und fördert Tatkraft, Gemeinsinn, Manneszucht und Mut. Eigenschaften, welche die Grundlage jedes gesunden Staatswesens bilden. Möge die neue Kampfbahn eine Stätte ritterlichen Kampfes werden und zur tiefen Verinnerlichung des Sportgedankens beitragen.“ Mit diesem Geleitwort des Reichspräsidenten Paul Hindenburg begann am 29.8.1928 die Platzweihe der neu erbauten Glückauf-Kampfbahn. Bis dahin hatten die Knappen auf dem alten Aschenplatz an der Grenzstraße mit seinem Holzzaun und den primitiven Umkleidekabinen gekickt.

Am 19.6.1927 beschloss die Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Präsidenten Fritz Unkel den Bau eines neuen Stadions mit Aschenbahn, sanitären Anlagen, Umkleidekabinen und einer Tribüne. Die Zeche Consolidation überließ das Gelände, und auch die Stadt Gelsenkirchen half dem Verein Schalke 04 nach Kräften. Schalke 04 benannte sich aus Dank anschließend in Gelsenkirchen-Schalke 04 um, was allerdings zwecklos war. Kein Mensch sprach von Gelsenkirchen-Schalke 04, sondern nur von Schalke 04.

Am 1.8.1927 wurde der erste Spatenstich für die neue Schalker Spielstätte vollzogen und bei der feierlichen Grundsteinlegung am 8.8.1927 blieb wie auch bei manch späterer Grundsteinlegungen kaum eine Kehle trocken. Vereinsgeschäftsführer Krause verlas die Urkunde, die von den Werkleuten der Baufirma danach in eine Urne eingelegt und mit ihr eingemauert wurde.

Ursprünglich sollte das neue Stadion „Fritz-Unkel-Kampfbahn“ heißen, dann entschied man sich doch für den offiziellen Namen „Kampfbahn Glückauf“, nicht zuletzt, um ein Bekenntnis zur Verbundenheit mit der heimischen Industrie abzulegen. Der schlichte Bergmannsgruß sollte eine Ermunterung und ein glückliches Omen für die Zukunft des Vereins sein.

Zwölf Monate später war die neue Arena fertiggestellt, am 29.8.1928 war der Haupttag der mehrtägigen Feierlichkeiten. Um 13:45 Uhr begann auf dem Hauptfeld das Handballspiel des Kölner Clubs für Rasenspiele gegen die erste Handballmannschaft des FC Gelsenkirchen-Schalke 04. Um 15:00 Uhr spielte die Kapelle der Zeche Consolidation auf, und der Einmarsch der Aktiven begann. 2000 Brieftauben wurden aufgelassen, der Männergesangsverein „Einigkeit“ und der Schalker Sängerbund sorgten für das musikalische Rahmenprogramm, und „Papa“ Unkel erklärte die neue Arena feierlich für eröffnet.

Nachdem ein Flieger den Ball für das Eröffnungsspiel abgeworfen hatte, begann um 16:15 Uhr das Eröffnungsspiel gegen die Berliner Veilchen von Tennis Borussia Berlin, das die Schalker mit 3:2 gewannen. In der Halbzeitpause lieferten sich die Leichtathletikstaffeln von Schwarz-Weiß Essen, BV Altenessen 06, BV Buer 07, Castrop 02 und Schalke 04 Duelle über 200, 400 und 800 Meter.

Finanziert wurde der Bau der Glückauf­Kampfbahn über Wechsel, die Finanzobmann Willi Nier und Vereinskassierer Rainer Lütterforst auf eigenen Namen unterschrieben. Diese Wechsel wurden von Spiel zu Spiel, wenn Einnahmen flossen, verlängert und auf die Restsummen neu ausgestellt. Mit jedem Schalker Spiel verbesserte sich so die finanzielle Basis des Vereins.

45 Jahre lang wurde in der Glückauf-Kampfbahn gespielt, der Abschied fand am Samstag, den 21.7.1973, vor der bescheidenen Kulisse von 4000 Zuschauern beim Intertoto-Cup gegen den belgischen Vizemeister Standard Lüttich statt. Klaus Scheer sorgte mit seinem Kopfball zum 1:0 in der 14. Minute für den letzten Schalker Treffer in der Glückauf-Kampfbahn, Takac in der 65. und Henrotay in der 87. Minute sorgten für den 1:2-Endstand zugunsten der Belgier.