„Georgien ist mein Land und meine Liebe“

(axt) Georgien hat immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt: Levan Kobiashvili hat 73 Länderspiele für das Land im Kaukasus bestritten, das jetzt auf einmal Schlagzeilen macht – nur nicht in fußballerischer Hinsicht. Kobiashvili wurde zweimal Georgiens „Spieler des Jahres“. SCHALKE UNSER fragte den altgedienten Schalker kurz vor dem Saisonstart nach seiner Heimat, seinen Freunden und Verwandten dort, aber auch nach seinen Plänen für die Zukunft.

SCHALKE UNSER:
Hast du noch Kontakt in deine Heimat Georgien?

LEVAN KOBIASHVILI:
Meine Eltern, mein Bruder und meine Freunde leben dort und wir telefonieren fast jeden Tag.

SCHALKE UNSER:
Warst du in letzter Zeit in Sorge um sie?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ja klar. Die letzten Tage waren für mich sehr schwer, weil meine Frau und meine Kinder dort gewesen sind. Sie sind jetzt in Deutschland gelandet. Ich hatte in der letzten Zeit kaum geschlafen. Das war schlimm. Ich habe die Bilder von dort gesehen.

SCHALKE UNSER:
Bist du häufiger in Georgien?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ich bin in der Winterpause dort – und natürlich mit der georgischen Nationalmannschaft.

SCHALKE UNSER:
Hierzulande hört man wenig über den georgischen Fußball Wie sieht es denn damit aus?

LEVAN KOBIASHVILI:
Nicht besonders gut. Die georgische Liga ist schwach. Letztes Jahr spielten dort 16 Mannschaften. Dieses Jahr sollten es zwölf sein, aber eine Mannschaft ist pleite, so dass nur elf geblieben sind. Das zeigt, dass kein Geld da ist, das man in die Mannschaften investieren und mit dem man Spieler aus dem Ausland holen könnte. Bei der Nationalmannschaft ist es ein bisschen anders. Das ganze Land glaubt immer noch, dass wir etwas erreichen. Wir hatten gute Trainer wie Klaus Toppmöller oder den ehemaligen französischen Nationalspieler Alain Giresse. Jetzt ist Héctor Cúper aus Argentinien neuer Trainer bei uns. Das zeigt, dass sich der Fußball weiterentwickelt. Ich hoffe, dass wir in den nächsten paar Jahren einen Schritt nach vorne machen.

SCHALKE UNSER:
Du hast auch den zweiten Levan auf Schalke, Levan Kenia, „entdeckt“?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ich kenne seinen Vater und seinen Onkel sehr gut. Ich habe ein paar Spiele von ihm in Georgien gesehen als er noch jünger war und kenne auch Leute in Tiflis, die ihn beobachtet und mir berichtet haben, was er so macht. Viele Vereine wollten ihn, und ich habe Schalke gesagt: Warum spielt er nicht bei uns? Ich bin überzeugt, dass er ein ganz Großer wird. Ob das passt oder nicht passt, das weiß jetzt noch keiner, das wird die Zukunft zeigen. Ich glaube aber, das war der richtige Schritt. Für ihn ist es natürlich viel einfacher, mit mir hier zu sein, nicht nur wegen der Sprache. Das kenne ich aus eigener Erfahrung aus Freiburg: Wenn du in ein Land kommst, dessen Sprache du nicht sprichst und das du nicht kennst, ist es viel einfacher, wenn jemand da ist, den du kennst.

SCHALKE UNSER:
Freiburg hat dir und zwei anderen Georgiern – Iaschwili und Zkitischwili – eine Heimstatt geboten. Was war dort das Besondere?

LEVAN KOBIASHVILI:
Das ist für jeden von uns einfacher gewesen. Dort waren die Georgier mit ihren Familien und Kindern, das ist einfach menschlich angenehm und eine schöne Zeit gewesen – auch zum Spielen: Es ist einfacher, wenn du mit zwanzig Jahren nach Deutschland kommst – ob nun nach Schalke oder nach Freiburg. Auf Schalke herrscht ein größerer Druck als in Freiburg, was für einen jungen Spieler nicht einfach ist.

SCHALKE UNSER:
Betrachtest du dich als eine Art „großer Bruder“ für den jüngeren Levan?

LEVAN KOBIASHVILI:
Die einen sagen, „großer Bruder“, die anderen „Vater“. So richtig trifft es das nicht. „Freund“ ist auch ein bisschen schwierig, weil ich 31 bin und er 17.

Wichtig ist doch: Ich werde ihm bei seinen Schritten helfen, denn ich habe das alles schon hinter mir und weiß genau, wie das läuft.

SCHALKE UNSER:
Was würdest du denn als „alter Hase“ dem jungen Levan mit auf den Weg geben?

LEVAN KOBIASHVILI:
Er soll einfach Spaß haben an dem Job, den er hier macht. Er soll darauf hören, was die Leute ihm hier sagen. Als junger Spieler denkt man oft, „alles ist so locker“, aber es ist nicht so. Er muss einfach seinen Job mit Spaß machen, alles andere kommt von alleine.

SCHALKE UNSER:
Versteht ihr euch denn auch auf dem Platz gut?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ja. Wir haben in der georgischen Nationalmannschaft einige Spiele zusammen gemacht und von daher ist das für uns kein Problem, zusammen zu spielen. Er ist technisch sehr stark, und ich glaube, dass er ein sehr guter Fußballer ist.

SCHALKE UNSER:
Teilt er denn mit dir ein Zimmer?

LEVAN KOBIASHVILI:
Im Trainingslager sind wir zusammen auf einem Zimmer gewesen.

SCHALKE UNSER:
Andere haben sich ja beschwert, dass du es immer die Heizung bis auf 30 Grad drehst. Kaum einer will noch mit dir auf’s Zimmer, heißt es.
LEVAN KOBIASHVILI:
Bisher hat Levan nicht gemeckert, dass es zu warm ist. Aber abwarten – vielleicht kommt das noch.

SCHALKE UNSER:
Was sind denn die Ereignisse, an die du dich auf Schalke am meisten erinnerst?

LEVAN KOBIASHVILI:
Da gibt es viele. Dass ich überhaupt hierhin gekommen bin, war für mich als Spieler eine tolle Sache. Ich kann mich eigentlich an jeden Tag hier auf Schalke gut erinnern, es macht mir Spaß, hier zu sein. Jedes Spiel, jedes Heimspiel, so ein tolles Stadion zu haben – ich bin sehr zufrieden hier.

SCHALKE UNSER:
Du hast auch im November 2006 das Tor in der 19. Minute geschossen, just dann, als die Schweigeaktion der Fans endete.

LEVAN KOBIASHVILI:
Daran erinnere ich mich natürlich gerne, auch an das Champions-League-Spiel, in dem ich drei Tore erzielt habe. Da gibt es einige gute Momente, an die ich mich gerne erinnere. Aber, wie gesagt, ich bin sehr zufrieden, hier zu sein und freue mich über jedes Training und an jedem Tag, dass ich hier bin.

SCHALKE UNSER:
Du hast einmal gesagt, „Georgien ist mein Land, Tiflis meine Stadt“. Willst du nach deiner Karriere wieder dahin zurückkehren?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ja, ich möchte dahin zurückkehren, das ist meine Liebe. Das ist mein Land und meine Eltern, meine Brüder und meine Freunde sind dort. Andererseits ist es auch für meinen Sohn nicht einfach, wenn ich ihn nach Georgien mitnehme, weil er hier seine Freunde hat. Einfach sagen, „wir gehen jetzt nach Georgien“, ist für ihn auch nicht ohne. Ich mache mir darüber viele Gedanken, zum Glück habe ich noch Zeit bis dahin.

SCHALKE UNSER:
Zu deinen Freiburger Zeiten hast du noch Geschichte studiert.

LEVAN KOBIASHVILI:
Ich habe das in Georgien studiert, und auch während ich noch in Freiburg war, aber ich konnte das nicht zu Ende bringen, weil ich zum Schluss kaum noch Zeit hatte.

SCHALKE UNSER:
Und was willst du nach deiner Karriere als aktiver Fußballer machen?

LEVAN KOBIASHVILI:
Ich kann mir vieles vorstellen, aber eines ist klar: Ich möchte kein Trainer werden.

SCHALKE UNSER:
Vielen Dank für das Gespräch. Glückauf.