Moralischer Ausverkauf

Cover SCHALKE UNSER 94
SCHALKE UNSER 94

„Geschichtsträchtig“ werde der Auftritt der „Böhsen Onkelz“ sein, schreiben die Marketingausverkäufer im „Schalker Kreisel“. „Geschichtsträchtig“ ist da sicher das richtige Wort. Wir denken da an die Zeit zwischen 1933 und 1945.

„Die sind doch gar nicht mehr rechts, lasst es doch auch einmal gut sein“, heißt es von Verteidigern der einst stramm rechten Band. „Die kokettieren doch nur aus Marketinggründen noch damit.“ Das macht es aber nicht besser. „Kokettieren“ mit unzählbarem Leid? Welches Leid das Nazi-Regime über die Welt gebracht hat, wie viele Menschen bestialisch ermordet worden sind, gefoltert wurden, am Hunger starben, im Krieg gefallen sind, wie viele Familien zerrissen, wie viele Lebensläufe zerstört – das alles weiß man eigentlich. Das lernt man in der Schule. Selbst in der „Schalke Marketing Business School for Applied Ignorance“ sollte das im Lehrplan stehen. Sollte.

Doch wenn es um die ganz große Kohle geht, dann kann man seine Maßstäbe auch mal verbiegen. Wird auch eigentlich das Banner „gegen Rassismus“, das unter dem Arenadach hängt, zu diesem Zweck abgehängt oder mit brauner Farbe übertüncht?

Früher, in besseren Zeiten, hätte hier vielleicht auch der Ehrenrat reingegrätscht. Doch selbst der ist auffällig ruhig. Vermutlich ist er damit beschäftigt, sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Vereinsstrafen in zwei Instanzen durchfechten, weil sich ein Aufsichtsrat im falschen Moment in der Sitzung despektierlich an der Nase gekratzt hat oder sowas ähnlich Wichtiges.

Ja, auch wir wissen: Geld stinkt nicht, selbst dann nicht, wenn es von brauner Scheiße stammt. Aber es gibt da noch ein anderes Sprichwort: „Geld verdirbt den Charakter.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.