Schuld sind immer die anderen

Diesmal: Schalke und der Finanzclub Crefopay

Cover SCHALKE UNSER 94
SCHALKE UNSER 94

(ek) Tickets bestellen – bei jedem Fußballverein eigentlich per Internet eine einfache Sache. Das klappt selbst bei Bezirksligisten. Nur der FC Schalke tut sich damit weiterhin schwer.

So ergeht es auch Erwin K.*. Dass die Bearbeitungsgebühr pro Buchung still und leise von 4,50 auf 5 Euro erhöht wurde, ist das eine. Das ist natürlich nicht mitgeteilt worden. „Der aufmerksame Kunde liest das ja schon auf der Rechnung“, denkt sich der aufmerksame Kunde Erwin K. Diesmal ohne Probleme eingeloggt, will er „nur“ die Tickets für die ersten vier Heimspiele kaufen. Die Karten landen problemlos im Warenkorb.

Beim Bezahlen das erste Problem: „Ich muss erstmal alles wieder neu ausfüllen und bestätigen“, erinnert sich K. Jetzt halt nicht mehr mit Kontonummer, die IBAN muss es sein. Noch schnell zustimmen, dass Crefopay das Geld bekommt. „Geschafft!“, freut sich Erwin K. Zu früh allerdings.
Auf einmal ist es nicht mehr möglich, per Lastschriftverfahren – wozu dann die IBAN? – zu bezahlen. Jahrelang hat das funktioniert, jetzt teilt Crefopay mit, man könne nur noch mit Kreditkarte bezahlen. „Habe ich nicht und will ich nicht“, meint Erwin K. Da er das aber niemandem mitteilen kann, dann eben Variante 2: Paypal. „Aber warum nicht mehr per Bankeinzug?“ Diese Frage stellt er auch seinem Vertragspartner, dem FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V.**.

Die antworten: „Crefopay ist unser Dienstleister für die Zahlungsabwicklung. Dieser stellt Ihnen eine von ihm entschiedene Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung (Kreditkarte, Lastschrift, Paypal). Leider haben wir darauf keinen Einfluss. Für weitere Rückfragen freut sich unsere Service-Hotline auf Ihren Anruf und nimmt sich gerne Zeit für eine ausführliche Beratung!“

„Also gut, wenn Schalke nicht mein Ansprechpartner ist, dann muss es ja wohl Crefopay sein“, denkt sich K. Also die gleiche Frage noch einmal abgeschickt, diesmal an den Dienstleister. Und auch der antwortet, selbst wenn er sich Zeit zum Überlegen nimmt: „Bitte entschuldigen Sie die zu lange Antwortzeit auf Ihre Kontaktanfrage. Welche Zahlart im Shop angeboten wird, entscheiden nicht wir, sondern der Händler, in dem Fall also der FC Schalke 04. Bitte wenden Sie sich daher an den Online-Shop.“

K. versteht die Welt nicht mehr. Also schickt er die Antwort Crefopays an Schalke und umgekehrt, jeweils mit der Bitte, sich doch untereinander zu verständigen. Was folgt, sind zwei Wochen des Schweigens.

Erwin K. ruft darum zuletzt bei Schalkes Kundenservice an: Schalke kann sich das nur so erklären, dass Crefopay eine Bonitätsprüfung der Kunden vornimmt, schildert K.: „Moment, so nicht!“, entfährt es ihm. „Seit Jahren bezahle ich per Lastschriftverfahren und noch nie war ein Rechnungsbetrag ohne Deckung vorhanden und wird es auch nicht sein!“ Er bittet also um erneute Prüfung.

Zehn Tage später ist der Fehler gefunden. K. hatte vor zig Jahren sein Kundenkonto bei Schalke eröffnet – mit Namen, Wohn- und Lieferadresse. „Crefopay führte nach Übernahme meiner Kundendaten eine Bonitätsprüfung durch und stellte einen Fehler im Abgleich meiner Daten fest, sodass ich nicht mehr am Lastschriftverfahren teilnehmen durfte“, schildert K.

Schuld seien aber weder Schalke noch Crefopay, sondern der Kunde: Während er bei der Wohnadresse den Straßennamen ausgeschrieben hatte, hatte er bei der Lieferadresse mit „-str.“ abgekürzt. Wo andere Dienstleister ihre Bonitätsprüfung unschärfer gestalten oder aber eine Fehlermeldung bei einem menschlichen Sachbearbeiter aufploppt, verlässt sich Crefopay auf einen zu simpel gestrickten Algorithmus. Ein Problem, das offensichtlich in den vergangenen zwei Jahren immer noch nicht gelöst worden ist (SCHALKE UNSER berichtete im August 2016, nachzulesen unter: https://schalke-unser.de/ausgesuchte-artikel/baustelle-ticketshop/)

* Name ist der Redaktion bekannt
** Der gesamte Mailverkehr liegt der Redaktion vor

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