Mehr als nur ein “…priester” 

Die Aufregung in der (veröffentlichten) Meinung über die Banner gegen Clemens Tönnies im Ehrenpräsidium ist gut. Vor allem dreht es sich in der Berichterstattung um die (beleidigenden) Banner. Doch auf denen stand einiges Wahres, mehr als nur Schimpfworte. 

Direkt dabei – natürlich – die WAZ. Fast könnte man vermuten, ihr Geschäftsmodell sei es, Schalke schlechtzumachen und die Fanszene zu spalten. Sie stieß sich nur an den Schmähungen: “Auf anderen Plakaten auch anderer Fangruppen wurde Tönnies als ‘…priester“ und „Ekel…“ beleidigt.” So die WAZ. Zitat Ende. Lob dagegen gebührt dem WDR: Er zitiert die Banner vollständig. Und dabei kommt heraus: Vor dem “Ekel…” stand noch mehr: “Tönnies-Verdienste für unseren Verein: Schulden, Rufschädigung und Intrigen!” Auf einem anderen Banner fand sich: “Wer Schalke schadet, verdient keine Ehre!” Und auch das war im Stadion zu sehen: “Steht auf gegen Rassisten im Ehrenpräsidium!” Beides übrigens vom Clemens-Fanboy Andreas Ernst nicht als Beleidigung gewertet. Vielleicht auch nur als Tatsachenbehauptung, in jedem Fall fehlt eine journalistische Erklärung für diese Auslassung. 

So oder so kamen weitere Ewiggestrige aus der Ecke, prominente wie weniger prominente. Leider hatten diese verdienstvollen Schalker nicht die gleiche Lautstärke, als es um Clemens rassistische Äußerungen ging – die “Afrika-Zitate”. Oder um die Schulden, die der Verein machen musste, um Tönnies die Wiederwahlen zu garantieren. Ein, sagen wir, umso lauteres Schweigen. Sie forderten jetzt aber, er – der Verein, wohlgemerkt – möge die Fans “glaubhaft verurteilen” und Strafanzeige erstatten. Was ein wenig lustig ist: Laut Strafgesetzbuch kann eigentlich nur der Beleidigte Anzeige erstatten – oder sein Erziehungsberechtigter.  

Der Verein blieb inmitten der inszenierten Aufregung besonnen, zitieren mehrere Medien: „Weder Plakate, die Einzelpersonen beleidigen, noch Briefe, die innerhalb kürzester Zeit bewusst an Medien gegeben werden, helfen Schalke dabei, seine Ziele zu erreichen.“  

Aber ja, wir sind auch dabei, der Ehrenrat kann sich gerne einschalten. Vereinsschädigendes Verhalten durch vorsätzlich schlechtes Wirtschaften, Rassismus als Verstoß gegen das Schalker Leitbild – da wäre nach wie vor einiges aufzuarbeiten. 

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