„Wenn ich Fußball spiele – dann bin ich frei“

(mw/usu) Ein Einwurf wie Hajto, ein schneller und engagierter rechter Innenverteidiger: Hianick Kamba überzeugte im DFB-­Junioren­Pokal-Endspiel. Doch Anfang Juli gab es ganz andere Schlagzeilen: Die Presse berichtete über die Abschiebung seiner Eltern in die Demokratische Republik Kongo, die auch ihm drohte. Die Gesamtschule Berger-Feld solidarisierte sich; auch Schalke 04 reagierte. Hianick erhielt einen Vertrag für die zweite Mannschaft von Schalke und kann noch zwei Jahre in Deutschland bleiben. Der sympathische Spieler lebt seit zehn Jahren im Ruhrgebiet.

SCHALKE UNSER:
Hianick, im Moment sieht es ja so aus, dass du in zwei Jahren wieder in der gleichen Situation bist wie in diesem Sommer. Wie gehst du damit um, das muss doch eine starke Belastung sein?

HIANICK KAMBA:
Nein, eigentlich nicht. Jetzt, da ich die zwei Jahre habe, ist das völlig in Ordnung. In den letzten vier Jahren mussten meine Eltern alle zwei Wochen zu der Behörde, um in Deutschland bleiben zu können. Das war einfach nur schrecklich. Daher sind die zwei Jahre richtig lange. In den zwei Jahren kann ja auch noch viel passieren.

SCHALKE UNSER:
Deine Eltern sind weg, neben der Schule auch noch das Training. Eine ganz andere Situation als bei deinen Mitschülern. Wie kommst du damit klar?

HIANICK KAMBA:
Ich komme da wirklich mit klar. Wenn ich Training habe, das ist eigentlich super. Dann bin ich frei von allem. Wenn ich Fußball spiele, dann ist alles weg.

SCHALKE UNSER:
Hast du Kontakt zu deinen Eltern?

HIANICK KAMBA:
Ich telefoniere fast jeden Tag mit ihnen.

SCHALKE UNSER:
Hast du Angst um deine Eltern?

HIANICK KAMBA:
Im Kongo besteht immer ein gewisses Risiko. Es herrscht Bürgerkrieg. In dem Land zu leben ist nicht einfach, meine Eltern haben zehn Jahre da nicht mehr gelebt. Das ist schon krass, alles ist anders. Und Angst habe ich immer.

SCHALKE UNSER:
Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?

HIANICK KAMBA:
Ich möchte gerne für immer hier bleiben. Ich kann mit gar nicht vorstellen, woanders zu leben. Meine Heimat ist hier. Mein Traum ist, Profi zu werden, dann kann ich hier bleiben. Und ich könnte meine Eltern unterstützen.

SCHALKE UNSER:
Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft und hoffen mit dir, dass sich dein Traum erfüllt. Glück auf!