„Ich bin Optimist“

(usu) Das Titelbild der Ausgabe 49 des SCHALKE UNSER war Gerd Rehberg gewidmet und wir führten damals ein Interview zu seinem Rücktritt. Doch dann kam alles anders. Und somit tritt Rehberg erst jetzt – ein Jahr später – zurück und Josef Schnusenberg wird seine Position übernehmen. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über seine neue Aufgabe und den 19. Mai.

SCHALKE UNSER:
Am 18. Juni tritt Gerd Rehberg zurück und Sie werden Präsident. War es schon länger Ihre Lebensplanung, diese Funktion zu übernehmen?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Eigentlich nicht, denn ich habe mich in der Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden wohl gefühlt. Aber andererseits war es für mich keine große Überraschung, denn der Kreis der möglichen Kandidaten war ja überschaubar.

SCHALKE UNSER:
Was packen Sie als erstes an, wenn Sie Präsident sind?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich werde wie bisher für Steuern und Finanzen zuständig sein. Zusätzlich wird aber meine Aufgabe als Präsident – oder wie es satzungsgemäß richtig heißt, als 1. Vorsitzender – sein, den Verein nach außen zu repräsentieren. Meine Politik und Philosophie ist, den Verein mit innovativen Maßnahmen nach vorne zu bringen, wie ich es schon in finanziellen Belangen seit längerem durchführe. Dies ist in der Wirtschaft völlig normal, im Sport aber immer noch gewöhnungsbedürftig.

Und ich will natürlich, wie schon häufig gesagt, „primus inter pares“, Erster unter Gleichen, sein. Jeder von uns drei Vorstandsmitgliedern hat seinen Aufgabenbereich, den er eigenverantwortlich betreut. Ich sehe mich als Moderator.

SCHALKE UNSER:
Der Verein Schalke 04 bekommt immer mehr Mitglieder und der Vorstand wird immer kleiner. Wird somit Ihre Vorstandstätigkeit zur Vollbeschäftigung?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Das ist sie schon seit längerer Zeit. Ich bin täglich hier auf Schalke. Mein Steuerbüro hat meine Tochter übernommen.

SCHALKE UNSER:
Somit ist keine Verquickung mit der Firma Tönnies mehr gegeben?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich bin Testamentsvollstrecker nach Bernd Tönnies. Dies ist ein persönliches Amt, das nicht auf andere übertragen werden kann. Ich bin seit langem mit der Familie befreundet. Ich sehe darin aber kein Problem, im Gegenteil, ich denke, es ist förderlich.

SCHALKE UNSER:
Wo sehen Sie Schalke in zehn Jahren?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich fürchte, da werde ich nicht mehr dabei sein. Alle – auch Rudi Assauer – haben in den letzten Jahren Gewaltiges geleistet. Darauf kann aufgebaut werden. Ich bin sicher, dass die wirtschaftliche Entwicklung phänomenal sein wird. Schalke wird sich beständig unter den ersten drei etablieren. Klar ist dies auch der Anspruch des Sponsors.

SCHALKE UNSER:
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal auf Schalke?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich war immer mal auf Schalke, um mir ein Spiel anzuschauen, wie ich auch in anderen Stadien war. Da gab es aber keine tiefere Verbindung. An einem Sonntag im Jahr 1993 hat mich Bernd Tönnies dann zu einer Vorstandssitzung mitgenommen, weil er wollte, dass ich mich zusammen mit ihm vorstelle. Mit der Übernahme von Funktionen wurde Schalke dann bei mir zur Leidenschaft.

SCHALKE UNSER:
Was machen Sie, wenn Sie sich mal nicht mit Fußball und insbesondere S04 beschäftigen wollen?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Ich lese viel und versuche im Moment, leider mit wenig Erfolg, russisch zu lernen. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie – insbesondere mit meinen Enkelkindern. Wir sind eine Großfamilie, da wir nebeneinander wohnen und nehmen nach Möglichkeit die Mahlzeiten gemeinsam ein. Wir fahren auch gemeinsam in Urlaub.

Seit langem unterstütze ich auch das Franziskanerkloster in meinem Wohnort. Golf würde ich nie spielen und auch Jagen wäre nicht mein Ding.

SCHALKE UNSER:
Was machen Sie am 19. Mai um 17:15 Uhr?

JOSEF SCHNUSENBERG:
Da feiere ich natürlich die Deutsche Meisterschaft, ich bin Optimist!

SCHALKE UNSER:
Danke für das Gespräch. Wir teilen gerne Ihren Optimismus. Glückauf!