Interview Hans Sarpei – „Ich bin doch gar nicht bei Facebook“

(dol/usu) Das SCHALKE UNSER hat sich mit Hans Sarpei darüber unterhalten, wie er zu seinem Vornamen gekommen ist, wie es Farbigen in Deutschland geht und was ihm die Zukunft bringen könnte.

SCHALKE UNSER:
Kannst du uns zuerst erklären, wie es dazu kam, dass du als Ghanaer den Namen „Hans“ trägst?

HANS SARPEI:
Meine Eltern haben in den 60er und 70er Jahren in Hamburg gelebt. Damals war es noch nicht so üblich, dass Farbige in Deutschland leben. Aber es hat sie ein älterer Herr so freundlich aufgenommen, dass sie bei ihm im Dachgeschoss kostenfrei wohnen durften. Er hat ihnen Deutschland näher gebracht. Kurz bevor ich geboren wurde, ist er gestorben und so haben meine Eltern mich nach ihm „Hans“ genannt. So als eine Art Dankeschön.

SCHALKE UNSER:
Was haben deine Eltern in Hamburg gemacht?

HANS SARPEI:
Sie haben im Hafen gearbeitet und Produkte aus Ghana nach Deutschland importiert. Sie sind immer zwischen Deutschland und Ghana gependelt. Später hat mein Vater bei 4711 Arbeit erhalten, so dass wir in Köln wohnten.

SCHALKE UNSER: 
Du bist mit drei Jahren nach Deutschland gekommen – wie weit bist du noch mit Ghana verbunden?

HANS SARPEI:
Ich habe Geschwister und Verwandte, die dort wohnen. Wenn es mein Urlaub zulässt, fahre ich ein bis zwei Mal im Jahr dorthin. Und natürlich habe ich auch durch die Nationalmannschaft von Ghana Kontakte zu dem Land.

SCHALKE UNSER: 
In Ghana gibt es ja ganz viele Sprachen, in welcher unterhaltet ihr euch in der Nationalmannschaft?

HANS SARPEI:
In Accra (Hauptstadt von Ghana) wurde immer Ga gesprochen, aber viele Leute kamen dahin, die Twi sprechen und daher wird jetzt hauptsächlich Twi gesprochen. Ich kann das aber nicht so gut, da ich durch meine Eltern Ga gelernt habe.
Aber da unser Nationaltrainer aus Serbien kommt, sprechen wir eh fast immer Englisch.

SCHALKE UNSER:
Du hast mal gesagt, dass du gern afrikanische Spezialitäten kochst. Wo hast du das gelernt und machst du das eigentlich noch?

HANS SARPEI:
Nee, eigentlich gar nicht mehr. Dadurch, dass ich alleine bin, aber auch wegen der Zeit, die man braucht, um zu kochen. Wenn man Training hat, dann will man danach sofort essen und nicht noch ein bis zwei Stunden am Herd stehen, dann gehe ich lieber essen. Wenn mein Vater oder meine Mutter afrikanisch gekocht haben, dann esse ich da etwas. Das Kochen an sich habe ich natürlich von der Mama gelernt.

SCHALKE UNSER: 
In einem Interview hast du erzählt, dass du dich schon zwischendurch fragst, ob manche Leute anders reagieren würden, wenn du nicht schwarze, sondern weiße Haut hättest. Erlebst du das immer noch so, wenn die Leute dich nicht als prominenten Bundesligaspieler erkennen?

HANS SARPEI:
Natürlich gibt es den Unterschied, weil ich halt schwarz bin. Klar, wenn die Leute wissen, wer ich bin, werde ich schon anders behandelt, sehr bevorzugt. Dann werden die Dinge auch nicht so deutlich ausgesprochen, die einige so denken. Wenn man nicht erkannt wird, dann ist das schon noch so, dass man genauer beobachtet wird, weil die Leute denken, wenn man einkauft: „Der hat nicht so viel Geld und will bestimmt stehlen“. Es ist zwar besser geworden als vor zwanzig Jahren. Aber für Menschen mit meiner Hautfarbe ist es noch immer nicht einfach, wenn sie nicht bekannt sind.

SCHALKE UNSER:
Engagierst du dich ehrenamtlich oder hast du eine Stiftung?

HANS SARPEI:
Ich unterstütze meinen Freund James Guy, einen Holländer, mit dem ich zusammen bei Fortuna Köln gespielt habe. Er hat in Ghana die Organisation „Soccer Buddies“ gegründet. Von dieser werden Kinder unterstützt, die benachteiligt sind. Sie werden untergebracht, ernährt und es wird ihnen der Schulbesuch ermöglicht. Sie haben einen Platz zum Fußballspielen und werden trainiert. So kommen viele Waisenkinder weg von der Straße. Eine gute Sache.

SCHALKE UNSER:
Wie bist du eigentlich Profifußballer geworden? Im Gegensatz zu vielen anderen Spielern hast du ja eine Lehre zum Anlagenmechaniker bei Bayer in Dormagen gemacht.

HANS SARPEI:
Das stimmt so nicht ganz. Ich habe zwar die Lehre angefangen, aber ich habe sie leider nicht zu Ende gemacht. Ich habe mein Abi gemacht, habe Fußball gespielt und eine Lehre begonnen. Eineinhalb Jahre war ich dabei, dann habe ich einen Profivertrag bei Fortuna Köln angeboten bekommen. Ich habe dann versucht, die Lehre weiter durchzuziehen. Aber es war schwierig, das zu händeln, insbesondere mit der Schule, und so musste ich mich entscheiden, was ich ganz machen will. So habe ich mich für Fußball entschieden und die Lehre aufgegeben.

SCHALKE UNSER:
Warum hast du damals eigentlich nicht bei Bayer Leverkusen gespielt?

HANS SARPEI:
Ich habe immer schon in Köln bei verschiedenen kleinen Vereinen gespielt, habe mich da hochgearbeitet und war dann bei Fortuna, zuerst in der zweiten Mannschaft. Später trainierte ich bei den Profis mit und erhielt einen Profivertrag. Als ich damals die Lehre bei Bayer machte, war der Gedanke überhaupt nicht da, dass ich dort einmal spielen würde.

SCHALKE UNSER:
Es heißt, dass du in Köln-Chorweiler auf Parkdecks von Wolkenkratzern gespielt hast
– ist das nur eine Legende oder stimmt das wirklich?

HANS SARPEI:
Was heißt Legende? Ich habe in Köln-Chorweiler gewohnt, und wer das kennt, weiß, dass da sehr viele Hochhäuser stehen. Wir hatten ein Parkdeck dort und es wurde ermöglicht, dass die Kinder dort Tischtennis spielen. Einen kleinen Bereich zum Fußballspielen gab es da auch. Da haben wir uns dann immer getroffen.

SCHALKE UNSER:
Wer musste dann die hinunter gefallenen Bälle wieder hoch holen?

HANS SARPEI:
Wir waren so geschickt, dass kaum Bälle nach unten fielen!

SCHALKE UNSER: 
Dein Verhältnis zu Magath war nicht gerade positiv – er hat dich ja in die 2. Mannschaft abgeschoben.

HANS SARPEI:
Magath hat mich in die Regionalliga geschoben, aber es war ja nur kurze Zeit bis er mich wieder zurückgeholt hat. Da habe ich ja schon unter ihm beim DFB-Pokalhalbfinale gegen München gespielt. Ab dem Zeitpunkt, zu dem er mich wieder geholt hat, kamen wir ganz gut klar. Dann verließ Felix Magath Schalke und Ralf Rangnick kam. Man hat gemerkt, dass der neue Trainer auch auf mich gebaut hat, und da ist jeder Spieler natürlich froh und glücklich, dass der Trainer einem das Gefühl gibt, wichtig zu sein. Das strahlt dann auch jeder Spieler aus. Darum haben wir auch die wichtigen Spiele gewonnen. Ich war ein Teil davon und das ist natürlich sehr positiv für mich, ich habe mich gefreut.

SCHALKE UNSER: 
Der Pokalsieg war der erste Titel, den du geholt hast?

HANS SARPEI:
Ja, ganz genau.

SCHALKE UNSER:
Dein Vertrag läuft ja noch bis Juni 2012 – da muss doch einfach noch die Schale her.

HANS SARPEI:
Genau so sehe ich das auch (lacht). Nein, im Ernst, das wäre natürlich ein Traum, aber bei der momentanen Übermacht der Bayern kein Thema.

SCHALKE UNSER:
Wie hast du den Weggang von Ralf Rangnick erlebt und wie fühlst du dich unter Huub Stevens?

HANS SARPEI:
Ralf Rangnick war ein guter Trainer, der die Mannschaft gut geformt hat. Es war natürlich für alle traurig, dass er sich so erschöpft gefühlt hat und nicht weitermachen konnte. Wir von der Mannschaft wünschen ihm alles Gute und dass er wieder fit wird. Aber wie das im Fußball so ist, es kommt ein neuer Trainer. Dieses Mal war es Huub Stevens, der schon lange auf Schalke gearbeitet hatte und den viele Leute kennen. Ich habe ihn hier erst kennengelernt. Es ist schon positiv, man merkt, dass er schon lange Trainer ist und dass er genau weiß, was er will. Den Weg, den er gehen will, wie er Fußballspielen möchte. Man merkt auch, dass er mit den Jungs gut umgehen kann. Er weiß, dass nicht jeder gleich ist. Da muss man jeden auch anders anpacken. Den einen ein bisschen härter, den anderen ein bisschen streicheln. Da spürt man schon seine Erfahrung. Ich glaube, das tut der Mannschaft sehr gut.

SCHALKE UNSER:
Du bist ja nach Matthias Schober der zweitälteste Spieler im Kader. Hast du schon angefangen, dir eine Perspektive aufzubauen, was du nach deiner aktiven Zeit machst, so dass du nicht in ein tiefes Loch fällst?

HANS SARPEI:
Grundsätzlich sieht es für mich so aus, dass wenn man so lange wie ich Fußball gelebt hat, natürlich nicht sehr viel Zeit gehabt hat, um andere Dinge zu machen. Ich würde daher gerne eine Auszeit nehmen, auch um etwas runter zu kommen. Ich würde viele Leute besuchen, eine Weltreise unternehmen. Ich denke mir, in der Zeit, die ich mir dann nehmen werde, werde ich über meine Zukunft nachdenken, auch darüber, ob ich im Fußball bleiben möchte, vielleicht im Jugendbereich, als Manager oder in einer anderen Funktion. Ich glaube, eine Auszeit ist ganz gut, um für sich zu klären, wohin man will und welchen Weg man nimmt.

SCHALKE UNSER: 
Was trinkst du lieber, Kölsch oder Pils?

HANS SARPEI:
Ich trinke gar kein Bier, ich vertrage die Hefe nicht.

SCHALKE UNSER: 
Auch wenn es schon überall darüber geschrieben wurde, kommen wir wohl nicht daran vorbei, deinen Status bei Facebook anzusprechen.

HANS SARPEI:
Ich bin doch gar nicht bei Facebook!

SCHALKE UNSER: 
Na gut, aber wir haben uns überlegt, dass wir eine SCHALKE UNSER-Werbung brauchen: „Hans Sarpei gefällt das SCHALKE UNSER“ – nicht als Facebook-Seite, sondern als Foto. Du musst es auch nicht dem Baumi twittern.

HANS SARPEI:
Das können wir gerne machen.

SCHALKE UNSER: 
Herzlichen Dank dafür, aber auch für das unterhaltsame und interessante Gespräch. Glückauf!